Mamma mia, so gut wie bei der Mafia!

Der leicht zähe Teig der Pizza war pures Italien – und das nicht etwa in Bella Italia, sondern mitten in Hallein.

Die beste Pizza jemals aß der Vorkoster bei einem Verbrecherclan. Und zwar in Pompei. Der einzig freie Parkplatz bei den Ausgrabungen war ein Geviert, bewacht und unter dem Schutz der örtlichen Familie. Während wir die wunderbaren Fresken und Mosaike bestaunten, fragte sich der Vorkoster, wie klug es war, professionellen Autodieben den Schlüssel zu überlassen. Aber der Wagen stand hinterher noch da, samt einem Angebot der Typen: Nix zahlen fürs Parken, wenn wir eine Pizzeria zwei Straßen weiter besuchen. Was wir taten. Und: der Teig hauchdünn, süß die Tomaten, fein-säuerlich der Mozzarella. Zutaten und Machart sensationell. Ob Mafia, Camorra oder Ndrangheta – wer weiß es?

Die „Cleitzlerin“ Annette Schindlmeier beim Pizzamachen. Bilder (2): Cleitzlers

Seitdem kennt der Vorkoster die Ideal-Pizza und sucht. Hört auf Tipps und liest Eigenwerbung. Das führte zu ein paar akzeptablen Exemplaren, auch zu schrecklichen. Der Teig eines italienisch klingenden Anbieters klebte am Gaumen! Fast so übel wie bei Pizza Hut. Der jüngste Hinweis nun führt nach Hallein: Die beste Pizza gebe es bei Cleitzlers. Ein Name, der ja nun gar nicht neapolitanisch wirkt. Doch das Lesen der Homepage schürte die Hoffnung.

Denn diese Pizza-Manufaktur ließ sich einen traditionellen Ofen aus Tonziegeln in Kuppelbauweise von einem Handwerker aus Brescia errichten, wird bis 400 Grad heiß, Teig fertig in zwei Minuten. Bravo! Das Mehl stamme von einer Mühle in Ravenna. Die Tomaten seien Original San Marzano-Früchte vom Vesuv. Bravissimo! Und der Mozzarella komme aus Udine. Okay. Alles Eigenimporte. Sicher einen Versuch wert.

Die Manufaktur liegt im Häusergewirr der Halleiner Altstadt. Draußen auf der Gasse stehen einige Tische, Lorbeerbäumchen als Begleitung, jedenfalls bieten sie mehr Plätze als das Lokal innen hat. Eine große Theke ragt in den Raum, offene Regale mit Weinflaschen, Schiefertafeln mit Angeboten – das hat was von einer italienischen Bar. Man kann in den Pizzaofen hineinschauen, spürt die Hitze. Davor schnappt sich ein wortkarger Mann einen Klumpen Teig und formt mit seinen Handballen in Sekunden einen flachen Fladen, den er mit Tomatensauce bestreicht und Käseflocken drüberstreut. Die Basis jeder Pizza. Wenn er sie dem Ofen ins Maul schiebt, geht es ruckzuck, bis er das fertige Werk rausholen kann.

Die Karte bietet 16 Modelle (€ 8,20 bis 12,50), man kann auch Extra-Wünsche äußern. Am besten lässt sich die Klasse bei einer Quattro Stagioni beurteilen: vielerlei drauf. Erst der Teig, wulstig am Rand, leicht nur mit schwarzen Streifen, nicht knusprig sondern etwas zäh, also richtig. Der Geschmack war pures Italien, genau so gehört ein Pizzateig, offenbar aus dem richtigen Mehl gefertigt. Schinken und Salami tadellos, die Artischocken gehen etwas aromatischer, dafür die Champignons sehr gut, weil frisch. Auch die anderen Pizzen gefielen, ungewöhnliche Zutaten wie Gamberi waren festfleischig, die Kombination Mozzarella und Basilikum erfreute, auch wenn der neapolitanische, noch tropffrische Mozzarella aus Büffelmilch unschlagbar ist. Für diesseits der Alpen erstklassig.

Die Pizza war also fast so gut wie bei der Mafia. Der Vorkoster hofft, dass die jungen Leute in Hallein das als Kompliment auffassen.

Cleitzlers, Kleitzergasse 3, 5400 Hallein, Tel. 064245/21222, www.cleitzlers.com