Graffiti sprühen im Stadtwerk

Mit Sprühfarbe und Rapmusik fördert Breakdance-Meister Onur Bakis Jugendliche im Stadtwerk Lehen.

Ein Post auf Instagram kündigt den Graffiti-Workshop auf dem Areal des Stadtwerks Lehen an.
Einzig über die Plattform lassen sich die Jugendlichen erreichen, sagt Projektleiter Onur Bakis. Wie viele von ihnen tatsächlich kommen und mitmachen, weiß er nie. Der Graffiti-Kurs ist ein Teil des Projekts „Lehen lebt“ vom Verein Doyobe. Gefördert von der Stadt Salzburg arbeitet Vereinsgründer Bakis mit dem Projekt „Streusalz“, dem Hilfswerk und dem Verein Spektrum zusammen.
Bakis gewann heuer seinen siebten österreichischen Meistertitel im Breakdance. Seit 2007 ist er in der Jugendarbeit tätig. Mit dem Ziel: Den Jugendlichen eine Möglichkeit der Beschäftigung bieten. Gerade jenen, die bereits straffällig geworden sind, will er Alternativen aufzeigen. „Kunst und Kultur soll der Jugendkriminalität entgegenwirken.“

Neben Graffiti-Kursen bietet Breakdance-Meister Onur Bakis im Stadtwerk Rap-Kurse an, in welchen die Jugendlichen den Sprechgesang lernen. Bild: Onur Bakis

 

„Lehen lebt!“

Seit Anfang 2018 Jahren arbeitet Bakis in der Stadtwerk-Siedlung – einem der beliebtesten Treffpunkte der Jugendlichen in Lehen. Begonnen hat er Anfang 2018 mit dem Pilotprojekt „Gesund und kreativ“. Daraus wurde heuer „Lehen lebt“.
Bakis veranstaltet im Stadtwerk kostenlose Workshops – vom Graffiti-Sprayen über Rap-Battles bis zu urbanem Tanz und Fotografie. „Im vergangenen Jahr waren Breakdance-Kurse gefragt, heuer stehen Rap-Konzerte und Graffiti hoch im Kurs“, sagt Bakis.
Nach eineinhalb Jahren Kulturarbeit in der Stadtwerk-Siedlung zieht Bakis Bilanz: Die Jugendlichen für das Angebot zu interessieren, stellte sich als schwieriger heraus, als anfänglich angenommen. „Als ich mit dem Projekt startete, kannten mich die Jugendlichen in Lehen nicht. Es braucht viel Zeit, Vertrauen aufzubauen.“ Obwohl dieses noch heute nicht vollkommen hergestellt sei, akzeptieren ihn die Jugendlichen. „Ein Raum in der Stadtwerk-Siedlung würde unsere Arbeit leichter machen und den Kontakt zu den Menschen in Lehen verbessern.“
Um Vertrauen aufzubauen, helfe es, dass Bakis ebenfalls Migrationshintergrund hat. Als Kind ist er aus der Türkei eingewandert. Bakis möchte den Jugendlichen ein Vorbild sein und ihnen Perspektiven aufzeigen. Was er auf die harte Tour lernen musste: Je stärker man diese unter Druck setzt, desto weiter ziehen sie sich zurück. Mittlerweile wolle er die Heranwachsenden in ihrem Alltag begleiten, statt sie zu belehren.

 

Vertrauen ist die Basis jeder Zusammenarbeit

Seit wenigen Wochen unterstützt Meva Elciyörük das Projekt. Elciyörük ist Auszubildende am Instituts für Logotherapie und Existenzanalyse. Auch sie hat türkische Wurzeln. Bakis: „Die Kids auf der Straße sehen in ihr eine große Schwester.“

Auszubildende Meva Elciyörük unterstützt Breakdance-Meister Onur Bakis in der Stadtwerk-Siedlung in Lehen. Sie wollen den Jugendlichen Perspektiven aufzeigen. Bild: Anna Boschner

Anna Boschner