IS-Braut will sich der Justiz stellen

Ein Mädchen aus Hallein rutschte mit 17 in die Salafisten-Szene. In Syrien heiratet sie einen Kämpfer, bekommt zwei Kinder. Nun will sie nach Österreich zurück.

Die Salzburgerin Maria G. hat den Krieg und alle Gräuel in Syrien überlebt. Die heute 22-Jährige hat zwei Kinder von einem IS-Milizionär im Alter von einem und drei Jahren, eines sei ein Junge, sagt der Salzburger Anwalt Johann Eder. Genau weiß man das nicht, denn Maria  G. sitzt mit ihren Kindern in einem Lager  im Nordosten Syriens fest.

Maria G. wird per internationalem Haftbefehl von der Salzburger Justiz gesucht. Die Rückholung der österreichischen (ehemaligen) IS-Unterstützer ist rechtsstaatlich und politisch noch umstritten. Bild: BMI

Dorthin hat die kurdische Befreiungsarmee die letzten Anhänger des Kalifats gebracht: Bräute, Witwen, Kinder, in Fetzen gehüllte, ausgemergelte Männer. Im Internet bekommt man eine Vorstellung vom letzten Aufgebot des „Islamischen Staats“. Auf offenen Lastwagen und in klapprigen Bussen drängen sich komplett von Staub bedeckte Gestalten, Frauen in schwarzen Kleiderzelten, die Kinder verloren nebenher laufend, schmutzig, in zerrissenen Gewändern, oft mit nackten Füßen. Mehr als ihre Kinder und einen Packen unter dem Arm haben diese Frauen nicht mehr. Auch Maria G., die sich laut Haftbefehl im Kerngebiet des IS in der Region des Flusses Euphrat aufhielt, dürfte mit ihren Kindern diese letzte Fahrt durch die Wüste angetreten haben.

Ein „Ibrahim aus Hallein“ machte sie zur Muslimin

Rückblende in das Jahr 2014. Maria, die Tochter einer Halleiner Unternehmerfamilie, zwei Schwestern, gerät ins Abseits. Auf den Klassenfotos des Gymnasiums sieht man ein hübsches, pfiffig wirkendes Mädchen. Ihre Klassenvorständin kann sich an „keine besonderen Vorkommnisse“ erinnern. Maria schmeißt die Schule. Ein Bekannter von damals, Flüchtling Abdirizak Ali N. aus Somalia, erzählt: „Sie hat keinen unglücklichen Eindruck gemacht, sie wollte aber unbedingt zum Islam konvertieren.“  Die 17-Jährige sei in eine Moschee in Itzling gegangen, in der nur auf Bosnisch gepredigt wurde. Maria sei das egal gewesen, sagt N. Vermutlich war dies die Al-Nur-Moschee, ein Salafisten-Treffpunkt, der vom Verfassungsschutz beobachtet wurde. Dort traten auch deutsche Hassprediger auf. Ein gewisser „Ibrahim“,  ein Bosnier oder Albaner aus Hallein, habe mit Maria laut N. den Übertrittsritus in seiner Wohnung gemacht. Maria, die sich auf Facebook nun „MuslimMaria“ nennt, gerät in den Bann der bizarren Extremistenszene aus Belgien und Deutschland. Als charismatische Wanderprediger tingeln diese Menschenfänger durch Europa, rekrutieren tausende Junge für den Dschihad, sammeln Millionen für die Verbrechermiliz und radikalisieren die Paris-Attentäter.

Ihre Mutter muss vor Gericht

Im Dezember 2014 reist die 17-Jährige allein nach Syrien, heiratet einen „Kämpfer“. Im Dezember 2017 versucht Marias  Mutter, die Tochter und die Enkelkinder zurückzuholen. Einem angeblichen syrischen  Mittelsmann übergibt sie in der Tiefgarage am Hauptbahnhof 6000 Euro. „Ihr wurde gesagt, der Ehemann habe die Tochter freigegeben“, erklärt Verteidiger Eder. Aufgrund dieser Aktion muss sich die Mutter demnächst wegen „Unterstützung einer Terrororganisation“ vor Gericht verantworten. Auch die Tochter wolle sich der Justiz stellen, sagt Anwalt Eder. „Ihr ist bewusst, dass in Österreich ein Verfahren gegen sie geführt wird. Sie will mit ihren Kindern zurück.“

sonja.wenger@svh.at