Ferien in Betrieben: Immer mehr wagen es

Was Ferienbetreuung am Arbeitsplatz bringt. Sony DADC, Raiffeisenverband und auch das Finanzamt machen es vor.

Ein Viertel der Salzburger Eltern hatte im vorigen Sommer Schwierigkeiten dabei, für ihr Kind eine Ferienbetreuung zu organisieren. Bei Alleinerziehenden war es sogar die Hälfte. Das ergibt eine aktuelle Befragung der Arbeiterkammer Salzburg. Erschwerend dazu kommen die Kosten, die die Familien tragen. Für die gesamte Ferienbetreuung lagen die Kosten pro Kind bei durchschnittlich 270 Euro. „Eine große Belastung“, meinten 60 Prozent der Eltern mit einem Haushaltseinkommen bis zu 2000 Euro.

Kinder wie Julia und Katharina (Bild) und deren Eltern profitieren von dem jungen Angebot „Ferien im Betrieb“. Die meist Sechs- bis Zwölfjährigen spielen, basteln, jausnen in mancher Sommerferienwoche dort, wo ihre Mütter oder Väter arbeiten. Kooperationspartner sind die Kinderfreunde Salzburg. „Wir stellen das pädagogische Personal. Die Kinder bestimmen mit, was sie unternehmen wollen“, sagt Geschäftsführerin Vera Schlager.

Eltern ersparen sich Anfahrtswege und Geld

Das Finanzamt Salzburg ist zum zweiten Mal mit einer Ferienwoche dabei. „Julia, Katharina und 16 weitere Kinder machen in unserem Sozialraum und bei Ausflügen mit zwei Pädagoginnen, was ihnen Spaß macht“, schildert Katharinas Vater Christian Eisl. Mittagessen gibt es im nahe gelegenen Gasthof Steinlechner. „Sie mögen es, dass sie dort einen eigenen Kindertisch haben“, so Katharinas Vater.

Der Betriebsprüfer hat als Obmann des Unterstützungsvereins die Betreuung initiiert. „Im Kindergarten geht es noch. Aber für Volksschulkinder kriegt man nicht so leicht eine Ferienbetreuung“, findet Eisl. Ferien im Betrieb ersparten Eltern Anfahrtswege und Geld. Teilzeitkräfte könnten sich in dieser Woche Zeitausgleich erarbeiten.
Das Angebot zieht. Heuer sind mehr als doppelt so viele Kinder von Finanzamtsangestellten angemeldet wie im Vorjahr. Der Unterstützungsverein bringt 1500 Euro auf, die Eltern zahlen je 50 Euro. Eisl: „Als Nächstes möchte ich auf zwei Wochen ausweiten.“

Reduziert führt diesen Juli und August Sony DADC seine „Ferien im Betrieb“ fort. „Aufgrund des Umzugs von Anif nach Thalgau bieten wir statt den bisherigen neun Wochen drei an. Pro Tag können 15 Kinder kommen“, sagt Personalchefin Ines Friegseder. Gesportelt, gekocht und gespielt wird heuer in der VS Thalgau und Umgebung. Die Eltern zahlen pro Tag zehn Euro.

Kinder lernen Arbeitsplatz der Eltern kennen

Gleich fünf betreute Wochen bietet einer von drei Neuzugängen bei der Aktion an – der Raiffeisenverband Salzburg in der Schwarzstraße. Bis zu jeweils 20 Mädchen und Buben erwarten Sport-, Kreativ- und Englischstunden in der benachbarten VS der Franziskanerinnen. „Zu Mittag gehen die Kinder in unsere Kantine und bekommen auch einen Einblick in das Bankgeschäft und die Arbeit ihrer Eltern“, beschreibt Lisa Schmidhammer vom Personalmanagement. Dieses arbeite seit einem Jahr intensiv daran, dass Angestellte Arbeit und Familie besser vereinbaren könnten. Für die Aktion mit 50 Euro Elternbeitrag nimmt der Raiffeisenverband 15.000 Euro in die Hand.

Tausende Euro für „Ferien im Betrieb“ investieren auch die ÖBB, die Bosch AG (Hallein) sowie erstmals die Salzburger Nachrichten und die Salzburger Sparkasse. Man weiß: Familienfreundliche Sozialleistungen sprechen sich herum, qualifizierte Mitarbeiter kommen und bleiben dann viel eher.

Die AK Salzburg bietet Betrieben mit Betriebsrat finanzielle Unterstützung für „Ferien im Betrieb“ an. Infrage kommen auch kleinere Unternehmen. AK-Präsident Peter Eder: „In Gemeinden können sich mehrere Betriebe für ein Angebot zusammenschließen. Wir sind dafür offen.“ Bürgermeister könnten sich diesbezüglich bei der AK melden.

Von Sabine Tschalyj

Bild oben: Basteln steht bei Julia und Katharina hoch im Kurs. Die Mädchen verbringen wie im Vorjahr eine Ferienwoche am Arbeitsplatz ihrer Eltern, im Finanzamt Salzburg. Bild: privat