Es gibt keinen Planet B

Vor einer Weile hatte ich seifige Haare, und das war blöd, weil ich sie spätabends nochmal waschen musste …

… um am nächsten Morgen beim Frühstücksfernsehen nicht auszusehen wie aus dem Musical Grease. Ich will hier aber nicht über meine Haare reden, sondern über die Umwelt: Die Zeit dafür ist reif. So reif ist die Zeit, man könnte sie in den Biomüll werfen – und hoffen, dass sie schneller verwest als das scheiß Plastik.

Um ebendieses Plastik zu vermeiden und zu reduzieren, teste ich Haarseifen. Die hab ich in einer Glasbox (!) in der Dusche, außerdem benutze ich eine Bambuszahnbürste, nehme plastikfreie Sackerl für Obst und Gemüse mit zum Einkaufen und verwende niemals – wirklich NIEMALS – im Supermarkt diese Einmalplastikhand, um ein Semmerl zu nehmen, sondern die Zange.

Karikatur Thomas Selinger. Bild: www.seli.at

Kleinvieh, denken Sie? Ja, natürlich. Aber: Wo sonst soll ich anfangen, wenn nicht bei mir selbst? Ich tue, was ich tun kann, um zu dieser unglaublichen Vermüllung der Welt nicht auch noch unnötigerweise beizutragen. Ich fahre zu meinen Lesungen mit dem Zug, manchmal bis zu acht Stunden, ich fliege nicht. Ich rede mit meinen Kindern über Umweltschutz und sie verstehen, dass ich gewisse Plastikspielzeugsachen nicht kaufe, weil sie sowieso sofort kaputtgehen und im Müll landen.

Sie haben ein Bewusstsein für die Müllproblematik, was auch an der großartigen Arbeit der Pädagog*innen in Kindergarten und Schule liegt. Das ist wichtig, denn: Wir haben schon so viel kaputtgemacht, unsere Kinder werden nicht mehr leben können wie wir. Wir müssen ihnen wenigstens beibringen, dass es eine Alternative gibt zum vorherrschenden Eh-wurscht-Verhalten. Wir müssen ihnen wenigstens ermöglichen, zu retten, was zu retten ist.

Es ist lachhaft, dass unsere Generation – und allen voran unsere Politiker – die Klimakatastrophe leugnet, sich in Gesprächen maximal genervt zeigt und so tut, als würde uns das ja nichts angehen. Erderwärmung? Na bitte, es hat so viel geschneit! Kein Trinkwasser mehr? Doch nicht bei uns, ich könnt aus dem Fuschlsee saufen! Stürme, Überschwemmungen, Erdbeben? Das hat’s doch immer schon gegeben. Die Blindheit der Menschen ist so groß, dass ich oft denke: Wir haben es verdient, auszusterben. Es gibt keine andere Spezies auf dieser Erde, die ihren eigenen Lebensraum zerstört.

Ich weiß, meine Haarseife wird da nicht viel helfen. Aber vielleicht hören ja ein paar von Ihnen nach dieser Kolumne auch auf, mit jedem Mal Haarewaschen Mikroplastik in die Umwelt zu spülen – und dann hilft das schon ein bisschen mehr.

Mareike Fallwickl ist Texterin und Autorin. Mail: interaktiv@svh.at