Frauen, auf zum Touchdown!

Seit zwei Jahren gibt es in Salzburg ein Frauen-Footballteam. Die Devise der Ducks First Ladies sind: „Einmal Football, immer Football“

Footballspieler seien hart im Nehmen, heißt es. Wer Scheu zeige, sei fehl am Platz und Warmduscher blieben besser auf der Tribüne – oder gleich ganz zuhause.
Dennoch: Als am Montagabend Salzburgs Schnürlregen einmal mehr seinem Namen gerecht wird, beschleichen mich Zweifel. Ein Termin mit den „Ducks First Ladies“ war ausgemacht, Salzburgs Frauen-Footballteam. Doch würden sie trotz Dauerregens auf dem Feld trainieren? Die Antwort verbirgt sich im Namen des Teams. Angsteinflößend mögen Enten zwar nicht erscheinen, aber wasserscheu sind sie dafür eben auch nicht.

25 Spielerinnen trotzen dem Regen. Statt einer gepolsterten Rüstung und Helm tragen sie Regenjacken mit Kapuzen.
Das Salzburger Frauen-Footballteam gibt es seit zwei Jahren. Im vergangenen Jahr spielten sie ihre erste Saison. Derzeit bereiten sie sich auf die nächsten Spiele im Herbst vor. Zehn Salzburger Spielerinnen bewarben sich zudem für das Österreichische Football-Nationalteam.

Neun der zehn Salzburger Spielerinnen, die sich für das Nationalteam bewarben. Die Zusagen stehen noch aus. Bild: Ducks

Sie wollen ihr Land in der Europameisterschaft in Großbritannien im August vertreten. Die Zusagen stehen noch aus, doch Coach Boris Sobieski ist zuversichtlich. „Alle Spielerinnen nehmen den Sport sehr ernst. Um an der EM teilzunehmen, ist jede von ihnen sogar bereit, ein Startgeld von 1400 Euro zu zahlen.“
Zurück auf den nassen Kunstrasen im Nonntal: Die Spielerinnen joggen über den Platz, um sich für das Training aufzuwärmen. Zuvor erklärte Sobieski neue Taktiken. Manche mag ein Footballspiel mehr an einen durcheinander laufenden Hühnerhaufen erinnern, tatsächlich stecken dahinter genau geplante Spielzüge. „Ähnlich wie beim Schach“, sagt Sobieski. Nur eben mit massivem Körpereinsatz. Anders als beim Brettspiel, gibt es beim Football schließlich vollen Körperkontakt.

Die „Ducks“ beim Spiel gegen die „Vienna Vikings“. Bild: Stefan Müller

Am Spielfeldrand steht Petra Enzinger. Sie ist derzeit an der Hüfte verletzt und sieht deshalb dem Training nur zu. Warum ihr Football trotz Verletzungsrisiko so Spaß mache? „Weil das Talent einzelner Spieler nur durch ein starkes Team wertvoll ist.“ Sobald Enzinger wieder spielen kann, gehe sie zurück auf ihre Position an vorderster Front. Ihre Aufgabe: Auf die Seite des Feldes des gegnerischen Teams laufen und die Spielerinnen dort blocken.
Dafür sei vieles erlaubt, was im Fußball als Foul gelten würde – solange es oberhalb der Gürtellinie passiert. Footballspielerinnen müssen etwas aushalten können. Blaue Flecken gehören zum Alltag und werden als Trophäen gesammelt, sagen die „Ducks“. Sobieski: „In Filmen wird Football aber gerne brutaler dargestellt, als es tatsächlich ist.“
Das Team teilt sich beim Training in drei Gruppen auf. Jede übt eine bestimmte Position, je nach Körpertyp und Talent. Genau wegen seiner Vielseitigkeit mögen die Salzburger Footballmädls ihren Sport so gerne. Die Begeisterung ist ihnen anzumerken.
In zwei Jahren hat sich die Anzahl der „Ducks First Ladies“ von 12 auf 48 erhöht. Neue Spielerinnen lernen in einem Einsteigerkurs die Basis, dann dürfen sie mit dem Rest des Teams trainieren.

Anna Boschner