Neuer Vorstoß gegen „Tschick“

Die Stadt-SPÖ beantragt ein Reinhaltegesetz, damit die Stadt Salzburg sauberer wird.

Die Sauberkeit im öffentlichen Raum liegt den Salzburgerinnen und Salzburgern am Herzen. Das zeigen die vielen Leserreaktionen  auf den Fenster-Bericht vom 30. April (siehe Faksimile). „Erschreckend“ und „grausig“ finden es die meisten, wie viele Zigarettenstummel an Bushaltestellen herumliegen. Der Preuschenpark in Parsch oder der Furtwänglerpark mitten in der Altstadt sehen morgens oft aus wie Müllhalden, ärgern sich Leser. Eltern kleiner Kinder finden es unzumutbar, wie rücksichtslos Zigarettenstummel auf Spielplätzen „entsorgt“ werden.

Vielen Salzburgern stinkt das Tschickproblem

Das Problem des weggeworfenen Kleinmülls trifft nicht nur die Landeshauptstadt. Ein Leser berichtet von der jährlichen Müllsammelaktion an der Bundesstraße B1 in Henndorf, wo er bis zu 30 Stummel pro Quadratmeter vorfand. Am Auschneidersee in Wals hinterlassen laut einem Salzburger die vielen Angler unzählige Zigarettenstummel. „Das sind bei einigen bis zu 50 Stück, die direkt am Ufer des Sees weggeworfen werden“, zeigt sich der Leser empört.

Aufmerksame Leser nennen etliche Beispiele von Städten, die beherzt und kreativ gegen den Kleinmüll vorgehen. „Humor ist wichtig“, meint Vincent Pultar mit Verweis auf die Wiener Ascher-Mistkübel mit der Aufschrift „Host an Tschick?“ Der SPÖ-Gemeinderat hat  jüngst im Gemeinderat der Stadt Salzburg ein Reinhaltegesetz nach Wiener Vorbild beantragt. Seinen ursprünglichen Antrag vom Jänner 2019 hatte ÖVP-Bürgermeister Harald Preuner nicht beantwortet. Man sprach von Wahlkampfgeplänkel. Pultar rechtfertigt seinen neuerlichen Vorstoß mit dem positiven Echo, das er erhalte. „Es regt die Leute auf, dass jeder seinen Dreck überall hinwerfen darf“, so Pultar. Der SPÖ-Gemeinderatsklub sei in der Sache einer Meinung.

Wandelt sich die SPÖ zu einer Law-and-Order-Partei? Pultar wiegelt ab: Das Verunreinigen öffentlicher Flächen zu verbieten, sei nur eine Maßnahme. Man fordere begleitend ja flächendeckend Ascher und Kampagnen zur Bewusstseinsbildung. Das tun jetzt auch die Stadt-Grünen. „Es darf nicht sein, dass jeder seinen Müll einfach zu Boden wirft“, sagt  Baustadträtin Martina Berthold. Sie führe Gespräche mit dem städtischen Bauhof, damit mehr „Haie“ (siehe Bild unten) aufgestellt würden. „Haie“ sind Ascher-Mistkübel-Kombinationen, wie sie etwa  in Mannheim  für mehr Sauberkeit aufgestellt worden sind. Oben kann man Zigaretten ausdämpfen und einwerfen, unten Müll.

Grüne wollen keine Strafen fürs Tschickwegwerfen

An ausgewählten Plätzen in der Altstadt stehen ein paar dieser Modelle. Das ist Bertholds Meinung nach zu wenig. Sie hat sich selbst ein Bild  gemacht und beim Müllsammeln an den Salzachböschungen auch Hand angelegt. Bertholds Erkenntnis: „Der meiste Müll waren Tschicks. Die aufzusammeln, war zum Verzweifeln.“ An der Salzach seien Ascher dringend nötig.
Wie schnell die Salzburger mit mehr Ascher-Mistkübeln rechnen können, lasse sich noch nicht sagen. Berthold will sich jedenfalls für mehr einsetzen und Aufklärung forcieren. Kleinmüll wie Tschicks zu Boden zu werfen, sei kein Kavaliersdelikt, sondern ein Umweltproblem.

Ein Verbot von Verunreinigungen im öffentlichen Raum (Littering-Verbot) lehnen die Stadt-Grünen jedoch ab. „Wir sind dagegen, alle Lebensbereiche mit Verboten zu regeln“, begründet Martina Berthold. Das von SPÖ-Gemeinderat Pultar beantragte Reinhaltegesetz wollen die Stadt-Grünen  demnach nicht unterstützen.

Ob Ascher-Mistkübel-Kombis und Bewusstseinsbildung reichen? Wie die Stadt-Grünen glaubt man auch im Naturschutzbund Salzburg an diese Idee. „Wichtiger als ein Litteringverbot finden wir, dass es Entsorgungsmöglichkeiten gibt“, sagt Pressesprecherin Dagmar Breschar. Auch Taschen-Aschenbecher seien eine praktische Lösung, seinen Mist wieder mit nach Hause zu nehmen. Die kleinen Döschen verwenden bereits manche Raucher. Die vielen weggeworfenen Zigarettenstummel seien ein Umweltschutzproblem, da sie das Grundwasser verunreinigen. Breschar: „In ihnen stecken laut Untersuchungen bis zu 4000 giftige Stoffe.“

SPÖ will Testbetrieb für Mehrweg-Kaffeebecher

Um Straßenmüll einzudämmen, schlägt Vincent Pultar diese Woche ein weiteres Wiener Modell  im Gemeinderat vor: Die Stadt soll prüfen, ob sich das Wiener Mehrwegpfandsystem für Coffee-to-go-Becher für Salzburg eigne. Diese lassen sich 500 Mal wiederverwenden und werden dann zu Kinderspielzeug recycelt.

Von Sabine Tschalyj