Fertiggerichte ohne Schmarrn

Keine Chemie, dafür möglichst regionale Zutaten: Das Salzburger Start-up „Paulina B.“ setzt auf Eingerextes.

Um Gerichte haltbar zu machen, werden oft Zusatzstoffe beigefügt. Denn beim Sterilisieren verliert Essen an Geschmack, es wird künstlich aufgepeppt. Das ist Roman Blaschke ein Dorn im Auge. „Diese Stoffe belasten den Körper“, weiß er. Und: „Eine Suppe, die Geschmacksverstärker enthält, hat man zwei Stunden später noch auf der Zunge, eine ,echte’ Suppe maximal 15 Minuten.“ Der Salzburger Koch lernte einst im „Purzelbaum“, später betrieb er zwölf Jahre lang ein Catering, bevor er 2017 mit Wolfgang Meixner das Unternehmen „Paulina B.“ gründete.

Was Blaschke von anderen Fertigproduktherstellern unterscheidet: Er verwendet keine Chemie, die Gerichte halten trotzdem ein Jahr. Dafür hat er am bewährten Einkochverfahren aus Omas Zeiten experimentiert und es optimiert. Wie, das verrät er nicht. Geliefert wird im Schraubglas, „Paulina B.“ folgt dem Trend von Nachhaltigkeit, gesunder Küche und Regionalität. Auch weil der Geschmack oberste Priorität hat, wählt Blaschke die Glas-Verpackung, obwohl sie teurer ist. „Plastik, Alu, die geben alle ans Essen ab.“

Bio-Rind aus dem Lungau

Optisch punktet „Paulina B.“ mit der Pfiffigkeit eines Lifestyle-Produkts. Blaschkes Gläser sind im Unterschied zur Fertigpizza nicht günstig, dafür auch nicht billig gemacht. Wer Chemie verwende, brauche weniger Rohzutaten und könne viel billiger produzieren, erklärt Blaschke. Er setze lieber auf möglichst regionale und saisonale Ware. Für eines seiner teuersten Produkte, das Rindsgulasch (6,50 Euro pro 320ml-Glas), verarbeitet Blaschke Bio-Rind aus dem Lungau. „Wir kochen alles händisch, verwenden Rohzutaten. Da wird noch Zwiebel geschnitten und kommt kein Zwiebelpulver rein.“

14 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen mit Sitz im Stadtteil Maxglan heute, 90 Gerichte hat es bislang im Sortiment. Je nach saisonalem Angebot stehen rund 60 Speisen zur Auswahl – von der Bärlauchsuppe bis zum Red-Thai-Chicken-Curry.

„Der Trend geht auch bei Familien zu Fertigprodukten, weil man keine Zeit mehr zum Kochen hat.“ Roman Blaschke, Gründer „Paulina B.“

Ursprünglich für Unternehmen – und den Automaten-Verkauf – gedacht, fokussiert Blaschke jetzt auch auf Privathaushalte. „Den Bedarf hatte ich unterschätzt. Kochen liegt zwar im Trend, aber die Leute kochen weniger, weil sie keine Zeit haben. Ich will eine Alternative zur Fertigpizza bieten.“

Ab sofort in Merkur-Filialen erhältlich

Zu seiner Zielgruppe gehören neben Firmen, Singles und Senioren daher auch Familien. Gerade wenn beide Eltern berufstätig sind, wird es mit dem Mittagessen für die Kinder kompliziert, weiß Blaschke aus eigener Erfahrung. So kam ihm die Idee zu „Paulina B.“: „Ich lebe in einer Patchworkfamilie mit fünf Kindern, alle kamen zu einem anderen Zeitpunkt heim.“ Um den Nachwuchs gut zu ernähren, habe er angefangen, das Vorgekochte in Portionen zu teilen, später dann mehrere Gerichte zur Wahl zu stellen. Als auch Erwachsene aus dem Freundeskreis begeistert auf die Gläser reagierten, erkannte Blaschke die Marktlücke.

Das sah auch ein US-Investment so und beteiligte sich mit 39,99 Prozent an „Paulina B“. Zusätzlich zum Vertrieb in Automaten und via Online-Shop will Blaschke im Herbst in den deutschen Markt einsteigen. Ab sofort gibt es die Gläser in Österreich auch im Einzelhandel – in den Merkurfilialen in Salzburg und Wien. Blaschkes Ziel für heuer: 100.000 verkaufte Gläser pro Monat.

Dass das Essen schmeckt, garantieren Blaschke seine – inzwischen großteils erwachsenen – Kinder. „Was den Kindertest nicht geschafft hat, kommt nicht auf den Markt“, lacht er. Tochter Alina kocht mittlerweile in einem 2-Stern-Betrieb in Amsterdam, auch sie bekommt Gläser geschickt. Da nascht der Chefkoch gleich mit, freut sich Blaschke über seine Gourmet-Testesser.

Von Petra Suchanek

Am Bild: Roman Blaschke wagte den Sprung vom Koch zum Unternehmer. Bild: Paulina B.