Wenn die Seele krankt

 . . . dann braucht es Respekt und Verständnis. Doch psychisch Erkrankte stehen vor vielen Barrieren.

„Jetzt habe ich es Ihnen eh schon erklärt“ oder „Es steht doch  auf dem Zettel. Lesen Sie halt, was dort steht“. Solche Aussagen bei Amts- oder Arztterminen setzen depressiven Menschen besonders zu. „Sie verstehen oft gar nicht, worum es geht, weil sie überhaupt keine Kraft  haben“, begründet eine ehemals betroffene Salzburgerin: Schwester Michaela Lerchner von den Halleiner Schwestern hat selbst erlebt, wie einen eine schwere Depression völlig lahmlegt.

Seit mehr als drei Jahren steht sie im Peer Center Salzburg psychisch erkrankten Menschen bei. Immer wieder kommt dabei auf, dass psychisch Erkrankte vor unzähligen Barrieren stehen. „Viele Mitarbeiter von Ämtern, Krankenkassen, Betrieben oder Spitälern haben keine Ahnung, was es bedeutet, wenn jemand mit einer Angst dort hingeht oder im Kopf blockiert ist“, schildert Schwester Michaela. Ein schnell hingesagter Satz kann Betroffene stark verunsichern. Mit der Folge, dass er oder sie kurz komplett handlungsunfähig wird.

Eine weitere Barriere stellt der schwierige Zugang zu qualitativer Beratung dar. Oft weiß der Betroffene nicht, welche Hilfe es wo gibt. Stattdessen bekommt er zu hören „Wir sind da nicht zuständig“ oder „Dafür bin ich nicht verantwortlich.“ Erkrankten fehle die Kraft zu fragen „Wohin soll ich denn dann gehen?“, beschreibt die Peer-Beraterin. Bei der jüngsten Sitzung des Salzburger Monitoring-Ausschusses forderte die Salzburgerin deshalb  Barrierefreiheit bei seelischen und nicht nur bei körperlichen Behinderungen ein.

Denn informierte, wertschätzende Mitarbeiter an Schlüsselstellen brächten allen etwas: Den Erkrankten, weil sie schneller die  richtige Therapie finden und gesunden können und damit der Gesellschaft insgesamt. „Für Behandlungen und  Krankenstände entstehen ja hohe gesellschaftliche Kosten“, so Schwester Michaela. Hilfen analog zu Rollstuhlrampen bräuchten auch psychisch Erkrankte. Menschen sollten sich endlich trauen können, zu ihrer psychischen Erkrankung zu stehen.

Im Peer Center miteinander reden

Ermutigendes erleben die Peer-Berater immer wieder. Bei den meisten Erkrankten bestehe die Chance, dass sie wieder gut auf die Beine kommen und auch wieder ihrem Beruf nachgehen können. Oder auf eine andere Tätigkeit umsteigen und  vielleicht in geringerem Ausmaß als bisher erwerbstätig sein können.

Aus Sicht der Peer-Berater steht fest: Reden hilft. Sie laden deshalb Erkrankte zu den wöchentlichen Treffen des Peer Center ein. Gerade die Niederschwelligkeit bei den Frühstücks- oder Malrunden kommt Erkrankten entgegen. Dort reden Menschen miteinander, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Einige Peer-Berater haben spezielle Ausbildungen als Genesungsbegleiter absolviert. „Zu wissen, da ist jemand, der mich ein Stück weit begleitet, hilft enorm“, beschreibt Schwester Michaela.

Bilderausstellung und Gesprächsmöglichkeit

Einer größeren Öffentlichkeit präsentieren sie und ihr Team sich am 24. Mai bei der Langen Nacht der Kirchen (siehe unten). Da stellen die Peer-Berater erstmals Bilder aus ihren Malrunden aus. Eine gute Möglichkeit, um mit ihnen zwanglos ins Gespräch zu kommen. Wer selbst Peer werden möchte, kann sich an diesem Abend gleich persönlich informieren. Freiwillige Peers, die einige Voraussetzungen erfüllen, werden laufend gesucht.

Menschen mit psychischen Erkrankungen finden im Peer Center Salzburg Gesprächspartner, die psychische Krisen durchgemacht haben und wieder gesund sind. www.peercenter.at
Bilder, die meine Seele malen:, Ausstellung am 24. Mai, 18 bis 22 Uhr im Dompfarrhof, Kapitelplatz 7, Eintritt frei

Von Sabine Tschalyj

Bild oben: Psychische Erkrankungen stellen Betroffene vor Barrieren. Im Peer Center Salzburg helfen Ehrenamtliche weiter. Bild: pixabay