Nur noch bis 19 Uhr

Letztens ist mir aufgefallen, dass ich die Stunden nicht mehr zähle: Ich bin beim Kinderhaben auf einem neuen Level des Entspanntseins angekommen.

Früher, wenn mich die Gschrappen um 5.30 aufgeweckt haben, hab ich gedacht: Okay, 13 Stunden, bis ich sie wieder ins Bett bringen kann.
13 Stunden, das schaff ich, das krieg ich hin, irgendwie. Wenn es ein verregneter Sonntag war – und alle Eltern wissen: Das sind die schlimmsten! – hab ich vorgelesen und Plastilin geformt und eine lange Karawane aus Schleich-Tieren gebaut, Frühstück serviert, aber unglücklicherweise auf dem Cars- statt auf dem Elsa-Teller, Wutanfall deswegen gemeistert, nochmal vorgelesen, sieben Puzzle gebaut und dann war es erst 8.30 Uhr.

Karikatur Thomas Selinger. Bild: www.seli.at

So kleine Kinder können ja noch nicht UNO spielen und fernsehen auch nicht (können schon, sollen nicht), allein spielen haut meistens nicht so ganz hin, also bastelt und beschwichtigt und bespaßt man sich als Eltern durch den Tag. Noch sieben Stunden, hab ich dann gedacht, noch fünf, noch zwei, das ist gar nicht mehr so lange, eine halbe Stunde noch, Augen zu und durch, uff. Das haben Sie doch auch an manchen Tagen gemacht, oder? Bitte sagen Sie Ja.

Aber jetzt brauch ich dieses tröstende Mantra nicht mehr. Die Kinder sind vormittags nicht mal da! Das ist schön, da kann ich nämlich nach Herzenslust einkaufen, staubsaugen, Wäsche aufhängen und kochen. Dann hat das große Kind sehr viel Hausübung, sodass der halbe Nachmittag dafür draufgeht, das ist auch super, weil: Muss ich mir keine Beschäftigung überlegen. Alles hat sich beschleunigt, der Tag vergeht viel schneller. Die Kinder spielen inzwischen allein, welchen Teller ich ihnen hinstelle, ist ihnen wurscht, beim UNO besiegen sie mich sogar, und Fernsehen liegt längst im Bereich des Möglichen, außerdem gibt es noch die ganzen Pflichten, die die Schule mit sich bringt.

Und an diesem verregneten Sonntag im April hab ich auf die Uhr geschaut und gedacht: Oh, nur noch vier Stunden, bis sie ins Bett müssen, ob sich das noch alles ausgeht, was wir vorhaben? NUR NOCH, hab ich gedacht! Verkehrte neue Welt. Irgendwann wird mir der Tag vielleicht sogar zu kurz vorkommen statt zu lang – und die Zeit mit den Kindern auch. Ist der Mensch nicht verrückt? Dass man immer zuerst über was jammert und dann wehmütig ist, wenn es weg ist? Ich trauere den Kleinkinderzeiten nicht unbedingt nach. Aber ich weiß, dass dann bald meine Stunden MIT den Kindern gezählt sind.

Mareike Fallwickl ist Texterin und Autorin. Mail: interaktiv@svh.at

1 Kommentar

  1. Sarah Lindinger Antworten

    Uffffff……. Harte Worte einer Mama. Die armen Kinder können einem nur leid tun!! Eine Mutter, die sich freut, dass das Kind den halben Nachmittag mit der HÜ verbringt, nur damit sie es nicht beschäftigen muss. Sehr traurig.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.