Krenn-Mörder: „Ich bin ein Monster“

Nach dem Mord an Roland Krenn bestahl der Haupttäter, ein Pongauer, eine junge Frau. Hat er auch sie betäubt?

Wie gefährlich ist der Haupttäter im Mordfall um den Salzburger Immobilienmillionär Roland Krenn? Gerichtsgutachterin Adelheid Kastner hat die Einweisung des 25-jährigen Pongauers in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher angeregt. Ende Juni wird darüber neuerlich entschieden – den Geschworenen werden vermutlich vier widerstreitende Gutachten vorliegen.

Sie schlief im Lokal ein

Die renommierte Sachverständige  Adelheid Kastner attestierte beim Pongauer das „Vollbild einer Psychopathie“. Der junge Mann erreiche Höchstwerte, er habe Charme („ein begnadeter Kommunikator“), neige zu „pathologischem Lügen“, einem „parasitären Lebensstil“. Es bestehe ein hohes Rückfallrisiko für weitere Delinquenz („vor allem sexuelle Übergriffe und Angriffe gegen widerstandsunfähige  Opfer“). Dem Vernehmen nach hat Kastner den 25-Jährigen nun neuerlich begutachtet. Denn Verteidiger Franz Essl hat bereits zwei Privatgutachten von ebenfalls gerichtlichen Sachverständigen eingeholt, die belegten, „dass mein Mandant kein gefährlicher Psychopath ist“, so Essl.  Der 25-Jährige leide  an  multiplem Suchtmittelmissbrauch (Cannabis, Kokain, Alkohol) und brauche vielmehr eine Klinik als Sonderhaft.

Weitere Strafverfahren

Nun hat der gelernte Konstrukteur und Metalltechniker außer dem Mord bereits eine Reihe weiterer (ruhender) Verfahren am Hals: Es geht um den Vorwurf der Kinderpornografie, der Vergewaltigung seiner Ex-Freundin und einen Diebstahl, der in irritierender Weise an den Fall Krenn erinnert.
Krenn war im Juni 2016 angeblich mit Pralinen, die Schlafmittel enthielten, betäubt und geknebelt worden, worauf der 63-Jährige vermutlich erstickte. Sechs Monate kam es zum nächsten  Diebstahl durch den Hauptangeklagten, der sich stets nur kurz in Gelegenheitsjobs hielt und ständig Geldnot hatte. Zu Silvester 2016 lernte er in einem Vereinslokal auf dem Obertauern  eine 23-jährige Studentin aus Salzburg kennen, die als Kellnerin und Skitrainerin aushalf und ein teures iPhone  sowie ein Apple-Notebook bei sich hatte. Später sagte die Frau, sie habe sich mit dem Unbekannten „sehr gut unterhalten“, der habe „auch über Geldprobleme“ gesprochen. Und dann war da noch jenes Detail, das sie beunruhigte: Obwohl sie nur wenig Alkohol getrunken hatte, „nickte ich auf der Sitzbank ein“, gab die Studentin am Neujahrstag auf dem Polizeiposten Mauterndorf zu  Protokoll. Freunde weckten sie zum Feuerwerk auf, anschließend sei sie wieder  weggedämmert. Doch sie wollte „den Pongauer nicht beschuldigen“ – aus Angst. Der Lokalchef, der den jungen Mann vom Hörensagen kennt, sagt zum SF: „Ich habe mich erkundigt, wie lange man gewisse Substanzen im Blut nachweisen kann. Die Frau war zwei, drei Stunden wie ausgelöscht.“ Kurz vor der Verhaftung des Pongauers wegen Mordes wurde der Diebstahl geklärt: Als die Polizei den 25-Jährigen am Vormittag aus dem Schlaf riss, versteckte er das Notebook über ein Fenster auf dem Dach, gestand dann jedoch „reumütig den Diebstahl, eine Dummheit“.

„Ich war Marathonkiffer“

Später fand die Polizei eine Audiodatei, aufgenommen in einer langen Nacht, die er „kiffend“  mit Freunden verbringt. Es ist eine Selbstoffenbarung:  „Ich war lange Marathonkiffer. In Wien habe ich am Tag zwischen 20 und 40, 50 ,Düdeln’ geheizt,  pipifeine megageile ,Düdeln’.  Ich hab die geilsten Hackn verschissen. In Wien habe ich eine Mördermaut geschoben… ich war Bauleiter. Ich war aber nur zu,  eingekokst und eingekifft, hab die halbe Zeit geschlafen. Ich bin der schrägste Mensch, den du jemals kennenlernen wirst, von den Drogen, vom Sex, vom Leben… Ich bin sexsüchtig, ich bin ein Monster. Ich bin ein voll fertiger Psychohaberer. Ich bräuchte eigentlich eine lebenslange Therapie von 20 Therapeuten…“
Sonja Wenger

 

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