Gift gegen Unkraut war gestern

Schon 33 Gemeinden  verzichten auf  Glyphosat. Anders als in Kärnten dürfen es Hobbygärtner in Salzburg weiterhin verwenden.

Heißwasser lautet das Zauberwort in Grödig. Damit bekämpfen die Bauhofmitarbeiter Unkraut auf   öffentlichen Gemeindeflächen wie dem kopfsteingepflasterten Marktplatz. „Wir haben  schon einen Haufen Arbeit, seit wir Unkraut nicht mehr mit Glyphosat vernichten“, räumt  Bauverwalter Karl Schnöll-Reichl ein. Aber es sei „einfach gescheit“.

Bild oben: In Grödig dampft es! Die Gemeinde lässt Unkraut auf Gemeindeflächen mit Heißwasser vernichten. Bild: Sabine Tschalyj

Darum testen die  Bauhofarbeiter gerade einen geliehenen, mit Heißwasser arbeitenden Hochdruckreiniger. „Das heiße Wasser zerstört die Eiweißstruktur der Pflanzen bis ins Wurzelwerk“, erklärt Schnöll-Reichl. Man müsse  halt öfter ran als mit Glyphosat, damit es wirke. Unerwünschten Löwenzahn, Giersch & Co. verbrennt das Grödiger Bauhofteam auch mit Gasflämmern oder entfernt sie mit der Kehrmaschine. „Wir erhöhen einfach den Anpressdruck der Stahlbürsten. Dann reißen die das Unkraut weg“, so der Bauverwalter, der auch für die Aktivitäten Grödigs als energiesparende e5-Gemeinde  verantwortlich ist.

Grödig zeigt, es geht auch ohne Gift

Die Gemeindevertretung hat sich in einem Beschluss gegen Glyphosat ausgesprochen.
Mit dieser klaren Ansage gegen das umstrittene Pflanzengift liegt die Flachgauer Gemeinde absolut im Trend.
Seit die Weltgesundheitsorganisation auf die mögliche Krebsgefahr für Glyphosatanwender hingewiesen hat, dreht sich die Stimmung stark gegen das weltweit am meisten eingesetzte Unkrautvernichtungsmittel. Dabei geht es neben der Gesundheit auch um umweltschädigende Auswirkungen. Wie Grödig sortierten mittlerweile schon 33 von 119 Salzburger Gemeinden  Glyphosat aus. Jedes Jahr kommen neue dazu.

Sie haben enorme Vorbildwirkung. „Wenn die Gemeinden vorangehen, werden private Benutzer und die Landwirtschaft folgen“, betont Greenpeace Österreich, das einen Gemeinde-Check auf seiner Homepage anbietet. Die Umweltschutzorganisation rät Gartlern, wie man Unkraut  ohne glyphosathältige Mittel wie „Roundup“ bekämpft.
Unerwünschte Pflanzen können mechanisch durch Jäten oder Fugenkratzen entfernt werden.    Eine weitere Möglichkeit ist, die thermische Entfernung der Pflanzen durch heißes Wasser, Dampf oder Heißluft. Flächen, auf denen Bewuchs unerwünscht ist, können auch mit Stroh-, Heu- oder mit Rindenmulch abgedeckt werden.

Gartler haben es in Österreich nach wie vor selbst in der Hand, ob sie Pflanzengifte in ihrem Garten spritzen. Die   einzige Ausnahme machte vor kurzem Kärnten. Ab 1. Jänner 2020 ist es dort privaten Anwendern ohne Befähigungsausweis verboten, in ihren Gärten gefährliche Pestizide wie Roundup auszubringen. Hausverwaltungen und Landwirte dürfen es weiterhin verwenden.

Kärnten verbietet, Salzburg wartet ab

„Mehr war gesetzlich nicht möglich“, schildert Andreas Schäfermeier, Pressesprecher  des Kärntner Landeshauptmanns  Peter Kaiser (SPÖ).   Salzburgs Agrarlandesrat Josef Schwaiger (ÖVP)  nennt Kärntens Vorstoß  eine halbherzige Lösung. „Das Inverkehrbringen und das Besitzen von Glyphosatmitteln kann auch Kärnten nicht verbieten, nur das Ausbringen. Und wer soll das kontrollieren?“, begründet Schwaigers Referent Martin Wautischer.

Immerhin: Auf öffentlichen Flächen, die dem Land gehören, verzichtet man auf Glyphosat. Schwaiger will in Salzburg kein Verbot anstoßen, sondern die Machbarkeitsstudie des Umweltministeriums betreffend ein bundesweites Glyphosatverbot abwarten. „Die soll in den nächsten Wochen fertig sein.“

Kritisch kommentiert Josef Scheinast, der  Umweltsprecher der Salzburger Grünen, diese Zurückhaltung. „Kärntens Vorstoß ist nicht halbherzig. In Hausgärten sollte es kein Roundup mehr geben“, fordert Scheinast auch für Salzburg. Auf alles Mögliche nehme man Rücksicht, nur nicht auf die Natur.

Von Sabine Tschalyj

Ist meine Gemeinde glyphosatfrei? Infos auf glyphosat.greenpeace.at