Der Hut, der steht ihr gut

Junge Hutmacherin vereint Trend und Tradition. Ihre erste Kollektion ist nun im Salzburger Heimatwerk zu sehen.

Kathi Bittner wirkt entspannt – und das, obwohl sie kürzlich Rekordarbeit geleistet hat. Zehn Tage hatten die 27-Jährige und ihre Familie Zeit, die Vernissage im Salzburger Heimatwerk vorzubereiten.
Etwa 100 Hüte aus Filz und Stroh hat sie in diesen Tagen angefertigt, jeder Einzelne in Handarbeit. Sie gehören alle zu ihrer eigenen Kollektion, der „Kathi Bittner Selektion“. Als Hutmacher gehört die Familie Bittner zu den wenigen Spezialisten ihrer Branche.
Gerade in Zeiten von Billigmode hat es das Handwerk nicht leicht. Der günstigste Hut von Kathi Bittner kostet 145 Euro – hinter dem Preis steht die Hutmacherin mit Stolz. Textildiscounter sieht sie nicht als Konkurrenz, ganz im Gegenteil: „Wenn viele Leute Hüte tragen, wächst die Wertschätzung für das Accessoire.“ Genau das möchte die junge Hutmacherin erreichen, denn: „Der Hut ist mehr als ein Sonnenschutz oder ein Beiwerk, das zuletzt aufgesetzt wird.“

Kathi Bittner trägt das „Herzstück“ ihrer Kollektion: einen dunkelblauen Filzhut. Foto: Anna Boschner

Zu jedem Gesicht gibt es den passenden Hut

Ihre Freunde und Familie sehen Kathi Bittner nur selten ohne Kopfbedeckung. Egal ob in der Arbeit, in ihrer Freizeit oder im Hörsaal der Universität. Einen Hut gibt es für jeden Anlass, da ist sie sich sicher. „Wenn ich einmal keinen Hut aufsetze, fällt das sofort auf und ich werde darauf angesprochen.“
Dass sie ihr Geld einmal mit dem Hütemachen verdienen wird, war Bittner nach der Matura noch keinesfalls klar. Stattdessen entschied sie sich für die Tourismusschule.
Dabei wurde sie in eine Familie geboren, in welcher der Hut Tradition hat: Vor 157 Jahren ging der erste „Bittner Hut“ über den Ladentisch. In das Familienunternehmen stieg Kathi Bittner zunächst Teilzeit ein. Vor fünf Jahren entschied sie sich schließlich, ihren bisherigen Job beim Tourismusverband zu kündigen. Seitdem widmet sie sich vollends dem Hütemachen, wie bereits fünf Generationen ihrer Familie vor ihr. Neben der Arbeit studiert sie außerdem Betriebswirtschaft. „Das geht aber nur, da die Kurse geblockt stattfinden.“
Bereut hat sie ihre Entscheidung dennoch nie. „Für mich gibt es keinen besseren Beruf. Täglich habe ich ein fertiges Produkt in den Händen.“ Als Hutmacherin habe sie vielseitige Aufgaben und nie das Gefühl der Langeweile. Am meisten Spaß mache es ihr, die individuellen Wünsche der Kunden umzusetzen.
Stehen Hüte jedem oder gibt es ein spezielles Hutgesicht? „Ganz klar, es gibt für jede Gesichtsform und jedes Outfit den passenden Hut.“ Tabus gäbe es nicht, sagt Kathi Bittner. „Außer vielleicht, wenn er nicht richtig herum aufgesetzt wird.“
Dennoch: Zum Huttragen gehöre meist ein gewisses Selbstbewusstsein. „Bis es, wie bei mir, irgendwann zur Gewohnheit wird und er nicht mehr fehlen darf.“

Hutkollektion ohne Schnickschnack

Im Heimatwerk präsentiert Kathi Bittner nun ihre erste eigene Kollektion. „Bis dorthin war es ein langer Weg, der ohne meine Eltern nicht möglich gewesen wäre.“ Von ihrer Mutter hat sie es gelernt, neue Hutdesigns zu entwerfen. Das passiert nicht auf dem Papier, sondern in der Werkstatt. „Sobald ich eine Idee im Kopf habe, muss ich sie sofort umsetzen.“
Kathi Bittner setzt auf schlichte Filz- und Strohhüte, ohne Kordeln und Federn. Damit unterscheiden sich ihre Designs von den traditionellen „Bittner Hüten“. Sie möchte damit vor allem junge Leute anziehen, die sich einen „zeitlosen Hut fürs Leben“ kaufen wollen, der überall dazu passt.

Die Kathi Bittner Selektion gibt es noch bis 15. Juni im Salzburger Heimatwerk. Freitags kann man dort der Hutmacherin auch bei der Arbeit zusehen. Mehr auf:
www.salzburgerheimatwerk.at

Kathi Bittner beim Nähen. Foto: Daniel Leitner

Anna Boschner

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