. . . und überall liegt ein Tschick

 Zigarettenstummel am Boden nerven. Soll Salzburg Strafen einführen?

75 Euro Geldstrafe für einen zu Boden geworfenen Zigarettenstummel, 100 Euro für ausgespuckte Kaugummis! Mit diesen Geldstrafen sorgt seit Mitte April Mannheim in Baden-Württemberg für Sauberkeit in der  städtischen Fußgängerzone (Fuzo).

Mannheim: 75 Euro für die Tschick am Boden

„Die Fuzosanierung hat viel Steuergeld gekostet. Wir haben teure Reinigungsmaschinen gekauft, um sie  lange schön zu erhalten“, schildert Desirée Leisner, Pressesprecherin der Stadt Mannheim. Darum habe die Stadt jetzt die Bußgelder für achtloses Wegwerfen von Zigaretten, Kaugummis, Taschentüchern etc. erhöht. Die bisher 20 Euro Strafe waren zu wenig.
Das Überraschende: Sogar die erwischten Müllsünder zeigen sich einsichtig. „Ganz viele Bürger schreiben uns, wie gut sie unseren Schritt finden, es gibt kaum Kritik“, sagt Leisner.  Mit einer großen Infokampagne hat man die Stadtbewohner im Vorfeld aufgeklärt. An allen Mistkübeln sind Vorrichtungen zum Ausdämpfen und Entsorgen von  Zigaretten montiert.

Wäre Mannheim ein Modell für Salzburg? Keinesfalls, meinen die einen. Unbedingt, die anderen – vom vielen Kleinstmüll genervte Salzburger. Wohin man schaut, rund um Bankerl in städtischen Parks oder an der Salzachböschung: Tschickstummel in rauen Mengen. In Kaugummis steigt oder sitzt man ebenfalls schnell einmal.

 

„Es ist abstrus, dass man Kleinstmüll einfach auf den Boden werfen darf“, meint der Salzburger SPÖ-Gemeinderat Vincent Pultar. Foto: SPÖ/Müseler

„Finde ich gut“, meinte  Vizebgm. Anja Hagenauer (SPÖ) in den Sozialen Medien zu der Entscheidung Mannheims. SPÖ-Gemeinderat Vincent Pultar forderte schon zu Jahresbeginn im Salzburger Gemeinderat: Die Stadt soll Müllsünder zur Kasse bitten. Doch es fehlt nach wie vor eine entsprechende Gesetzgebung. Wer in Stadt und Land Zigaretten, Kaugummis, Taschentücher oder Getränkeflaschen zu Boden oder aus dem Autofenster wirft, braucht mit keiner Strafe zu rechnen. „Das ist abstrus“, ärgert sich Pultar. Man müsse nur einmal ausrechnen, welche Reinigungskosten durch weggeworfenen Kleinstmüll entstehen. Geld, das der Steuerzahler zahlen muss.

Büro Preuner sagt: „Unsitte, aber kein Riesenproblem“

Der Salzburger Bürgermeister bremst solche Ideen. „Wir haben kein Riesenproblem, so viele Beschwerden bekommen wir nicht“, meint Harry Preuners Büroleiter Bernd Huber. Salzburg solle nicht Singapur werden (wo öffentliches Ausspucken teuer bestraft wird und Kameras das Wohlverhalten der Bürger überwachen). Huber spricht von einer „Unsitte“. Wegen solcher Kleinigkeiten wolle man die Bürger aber nicht belangen. Für eine Überwachung fehle das Personal.Vincent Pultars Antrag vom Jänner sei wohl wahlkampfbedingt gewesen, heißt es aus Preuners Büro. Es werde sich nicht mehr ausgehen, ihn zu behandeln, er sei dann hinfällig. Pultar gibt nicht auf: „Ich bringe den Antrag  im neuen Gemeinderat wieder ein. Das war doch kein Wahlkampfgeplänkel.“

 

Ascher an Mistkübeln werden von Rauchern gut angenommen. Bild: Stadt Mannheim

In den sozialen Medien habe er positive Rückmeldungen erhalten, als er Strafen für das Wegwerfen von Kleinstmüll („Littering“) gefordert habe. In einer sauberen Stadt fühlt man sich auch sicherer, meint Pultar unisono mit Mannheims Sprecherin  Leisner. Das zeige die Stadt Wien, wo an  20.000 Mistkübeln Aschenbecher angebracht sind und 50 städtische „Waste Watcher“ das Wegwerfen von Kleinstmüll mit 50 Euro Bußgeld bestrafen. Wien sei auch wegen der stark gestiegenen Sauberkeit, in den Aschern landen pro Jahr 123 Mio. Zigarettenstummeln, jüngst wieder zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt worden.

Stadt könnte entsprechende Verordnung erlassen

In Salzburg ist nicht nur die Stadt zögerlich.  Umweltlandesrat Heinrich Schellhorn (Grüne) nennt Littering zwar ein zunehmendes Problem. Das Land habe aber nur beschränkte Handlungsmöglichkeiten. Die Gemeinden könnten seit Jänner 2018 immerhin ortspolizeiliche Verordnungen erlassen, um Littering zu ahnden.

Ein landesweiten Bußgeldkatalog wie in Baden-Württemberg, der den Gemeinden ein einheitliches Vorgehen ermöglicht, ist in Salzburg nicht geplant. Man mache aber Littering-Analysen, habe für Veranstaltungen Mehrweggebinde vorgeschrieben und unterstütze die Aktion „Sauberes Salzburg“, bei der Jahr für Jahr 6000 Freiwillige den Müll anderer Leute vom Boden aufheben und entsorgen.

Von Sabine Tschalyj 

Bild oben: Pixabay