Traumhaft schön, der Nationalpark Cinque Terre

Fünf malerische Orte abseits der großen Straßen bezaubern Reisende: die Cinque Terre, Unesco-Welterbe an der italienischen Riviera.

Wahrscheinlich hätte es Goethes „Italienischer Reise“ nicht bedurft, um für das Land südlich des Brenners Werbung zu machen. Dass der große Meister nicht an Cinque Terre vorbeikam, hängt damit zusammen, dass dieser traumhafte Flecken Erde abseits der großen Verkehrswege liegen. Vermutlich wäre er aber von dem Stückchen Küste zwischen Genua und La Spezia genauso begeistert gewesen, wie die vielen Touristen, die es hierher zieht. Zum Wandern, Radfahren, am Strand liegen oder Genießen.

Und jährlich werden es mehr. Das wiederum macht den Hütern des Unesco-Welterbes und Nationalparks an der italienischen Riviera Sorge. Bereits 2016 forderten sie, den Zustrom behördlich zu drosseln. Besonders bedrohlich empfand man die Gäste von Kreuzfahrtschiffen, die zu Tausenden über die nicht einmal 40 Quadratkilometer große Region herfielen.

Über Zutrittsbeschränkung und Flip-Flop-Verbot

Umgesetzt wurden die angedachten Zugangsbeschränkungen bist jetzt noch nicht. Und der örtliche Tourismusverband betont auf seiner Homepage: „Die Besichtigungen der Cinque-Terre sind 2019 nicht eingeschränkt worden. Diesbezüglichen Informationen sollte man nicht trauen. Dörfer und Gratis-Wanderwege können weiterhin ohne Einschränkung besucht werden.“

Allein mit dem Flip-Flop-Verbot ist es den Italienern Ernst. Weil nämlich viele Urlauber die teils steilen Wanderwege nicht mit dem passenden Schuhwerk bezwingen wollten – man kennt das Problem auch aus vielen Alpenregionen – und es immer wieder zu schweren Unfällen kam, gelten dort Zehensandalen seit kurzem als „No Go“. Wer sie dennoch trägt, soll dafür bis zu 2.500 Euro Strafe zahlen. Zuvor will man jedoch mit einer Aufklärungskampagne versuchen, die Menschen zu eigener Einsicht zu bewegen.

Eingebettet zwischen Felsen und dem Meer

Wie auch immer – wer den malerischen und einzigartigen Küstenabschnitt besuchen will, sollte dafür ohnehin lieber die Nebensaison wählen. Da ist es nicht nur ruhiger, sondern auch nicht so heiß wie im Hochsommer – und daher ideal zum Wandern.

Cinque Terre umfasst die Dörfer Riomaggiore, Manarola, Corniglia, Vernazza und Monterosso. Jedes einzelne ist für seine farbenfrohen Häuser bekannt, die sich gemäldegleich an die Felsen schmiegen und einen wunderbaren Kontrast zum darunterliegenden Meer bilden. Und sie sind alle über Wanderwege verbunden, Gehzeit zwischen 30 Minuten und zwei Stunden.

Wie ein Bollwerk trennen die mehrere hundert Meter hohen Ausläufer des Apennin und der Seealpen den schmalen Küstenstreifen vom Rest Italiens ab. Über Jahrhunderte gelangte man hierher nur zu Fuß oder übers Meer. Und nur zwei Dörfer verfügen über einen natürlichen Hafen. In den anderen Orten werden die Freizeitboote von der Piazza aus zu Wasser gelassen.

Atemberaubende Aus- und Einblicke

Corniglia thront am höchsten über dem Meer. Es wird von Touristen eher gemieden. Obwohl sich der beschwerliche Anstieg wirklich lohnt. Auf den steilen Hängen rundum wachsen das typisch mediterrane, buschförmige Gewächs „Maccia“, ebenso wie wilder Thymian, Rosmarin, Wacholder, Wein und Olivenbäume.

Die Einwohner waren großteils schon immer Weinbauern. Sie züchteten Rebsorten, denen der kalte und salzige Südwestwind nichts anhaben konnte. Und aus den schönsten Trauben erzeugten sie den Sciacchetrà, einen Süßwein, den sie vorwiegend zu Familienfesten tranken. Lange Zeit mussten sich die Bauern übrigens auf den steilen Hängen zur Weinlese abseilen, ehe der „Trenino“ – eine Art Zahnradbahn auf Stelzen – erfunden wurde, der die vollen Weinkörbe bis zur Straße transportierte.

Monterosso wiederum ist die größte Ortschaft der Region. Hier befindet sich auch der größte Strand der Küste. Vom pulsierenden Nachtleben zeugt u.a. der „Gigante“, ein aus dem Felsen gehauener „Riese“, der eine Tanzterrasse hielt, von einer Sturmflut im Jahre 1966 allerdings teilweise beschädigt wurde.
Von Vernazza aus genießt man einen wunderbaren Ausblick auf das Meer. Es liegt auf einer Halbinsel und gilt auch heute noch als schönster Ort der Cinque Terre – wiewohl ein Hochwasser im Jahr 2011 hier seine Spuren hinterlassen hat.

Am längsten gibt es Manarola. Bekannt ist der Ort u.a. für die „Via dell’Amore“, eine wegen ihrer romantischen Aussichten „Liebesweg“ genannte Verbindung nach Riomaggiore. Doch seit einem Erdrutsch im Jahr 2012 sind die Tore zum Liebesweg – vermutlich bis 2021 – geschlossen. Die Amore zu Bella Italia und den paradiesischen Cinque Terre kann dies aber nicht mindern.

Von Michaela Pircher

Bildtext: Das zauberhafte Manarola – es klammert sich an einen 70 Meter hohen Felsen. Bild: Pixabay