Skilegende und Bio-Revoluzzer

Toni Innauer investiert in ein Salzburger Unternehmen, das nachhaltig wirtschaftet. Warum, das erklärt er im Interview.

Kostet verantwortungsvolles Wirtschaften nur Geld? Auf keinen Fall, meint Toni Innauer. Die Skispringerlegende ist als Mitunternehmer beim Biogetränkehersteller Bodengraf in Hof eingestiegen. Der arbeitet nach den Regeln der Gemeinwohlökonomie. Davon hätten „alle etwas“, bricht Innauer eine Lanze für nachhaltiges Wirtschaften und faire Spielregeln wie im Sport.

SF: Herr Innauer, was war Ihr persönlicher Anlass dafür, bei einem Salzburger Gemeinwohlökonomie-Unternehmen  einzusteigen, das Biogetränke herstellt?
Toni Innauer: Das ist langsam gewachsen. Ich kenne den Geschäftsführer Sepp Prantler schon lange, wir sind oft miteinander Fliegenfischen gegangen. Er hatte immer ein IXSO-Getränk dabei. Mir hat das gleich sehr gut geschmeckt und gefallen, dass nur biologische Zutaten drinnen sind und wie sie es machen. Ich habe mich gefragt, ob ich dort Geld investieren will, mich so rauslehnen will. Ich war Sportler, aber noch nie Gesellschafter.

Wie hoch ist Ihr Anteil an dem Hofer Unternehmen?
Der liegt im einstelligen Prozentbereich. Es ist schon ein Geld, das man investiert. Ich wollte wo mitmachen, wo ich die Personen kenne und Vertrauen habe.

Was macht Bodengraf in punkto Gemeinwohl?
Es ist das Produkt und wie man dort mit den Mitarbeitern umgeht. Das Soziale, das Miteinander ist ein wichtiger Punkt. Das Alleinstellungsmerkmal der IXSO-Getränke ist ihre Qualität. Sie enthalten keinen künstlichen Zucker und keine Konservierungsmittel, alles ist Bio. Aus Sicht des Gemeinwohls ist es wichtig, noch mehr Abnehmer für Produkte aus der Biolandwirtschaft zu bekommen. Es geht ja weiter, bis hin zu den Insekten, die uns als Fliegenfischer sehr bekannt sind. An den Insekten sieht man den Status der natürlichen Umgebung, etwa, ob ein Biotop in Ordnung ist. Von den Insekten leben die Vögel und so zieht das Ganze Kreise.

Inwiefern lohnt sich das Gemeinwohl-Engagement von Unternehmen? Wer hat eigentlich etwas davon?
Als sauberer Sportler hat man es schwer, an die Weltspitze zu kommen. Für Gemeinwohlökonomie-Unternehmen ist es fast noch schwieriger. Langsam entscheiden sich aber mehr Kunden für Produkte von Unternehmen mit solchen Zusatzattributen.  Von der Arbeit dieser Unternehmen haben ja alle etwas, die Umwelt, die Mitarbeiter, die Kunden. Den Begründer der Gemeinwohl-ökonomie, den Salzburger Christian Felber, kenne ich seit Jahren. Seine Gedanken finde ich gut.

Bei der Diskussion am 14. Mai in Salzburg  werden Sie Fairness in der Wirtschaft fordern. Im Sport haben jüngst die Langläufer in Seefeld Fairness missen lassen. Wie ging es Ihnen damit, als Sie von dem Dopingskandal gehört haben?
Ich sage, es ist gut, dass so etwas auffliegt. Es gibt sicher noch mehr als die Genannten. Die sollen sehen, dass man mit allen Mitteln durchgreift, weil Doping kein Kavaliersdelikt ist. Sport verteilt Anerkennung und noch viel mehr. Die Spielregeln müssen eingehalten werden. Sportler sind keine Schwerverbrecher. Gefördert werden sollen die, die es sauber versuchen.

Genauso sollten Unternehmen, die fair und sauber arbeiten, stärker gefördert werden?
Ja. Die Zeit wird kommen, in der sie bestimmte Privilegien bekommen werden. Steuerbegünstigungen wären vom Staat gefragt. Dass Gemeinwohlökonomie-Unternehmen auf die Umwelt, auf die Gesundheit der Mitarbeiter und die psychologische Atmosphäre generell schauen, sollte uns das wert sein.

Von Sabine Tschalyj

Toni Innauer am 14. Mai in der ARGE Kultur

Podiumsdiskussion „Es brennt der Hut! Eine andere Wirtschaft ist möglich“, 14. Mai, ARGE Kultur Salzburg. Zur Podiumsdiskussion über Gemeinwohlökonomie (GWÖ) laden die ARGEkultur Salzburg, die  an ihrer zweiten Gemeinwohlbilanz arbeitet, und  die GWÖ-Gruppe Salzburg.  Am Podium sind u.a.: Biogetränke-Unternehmer Toni Innauer und Phil Zezula (Academy Bar, Salzburg). Info-Stände für Interessierte ab 18 Uhr, Diskussion ab 19.30 Uhr. Eintritt frei. Anmeldung unter www.argekultur.at

Bild oben: Toni Innauer: „Betriebe sollten Leistung auf faire Art erbringen.“  Bild: Clemens Fabry