Was Kunst alles verrät

 Zum Beispiel: Unsere Teller sind zu voll. Eine Erkenntnis, die ein aktuelles Kochbuch von Starköchin Sarah Wiener brachte

Sarah Wiener recherchierte in der Geschichte der Kulinarik. Und entdeckte eine Studie von US-Forschern, die anhand von Gemälden aufzeigt: Die Essensportionen wurden – wie die Teller – über die Jahrhunderte größer. Das überrascht nicht. Das Ausmaß schon: Unser Essensvolumen stieg in den letzten tausend Jahren um 69 Prozent. Natürlich gab es früher auch in unseren Breiten Hunger. Das allein kann es aber nicht sein.

Man fragt sich: Essen wir heute so viel? Oder landet die Hälfte im Müll? Längst wissen wir: Massentierhaltung und Tonnen weggeworfener Lebensmittel sind eine Kehrseite unserer Wohlstandsgesellschaft. Produziert werden soll billig, die Bauern stehen unter Druck. Die aktuelle Debatte um die Kälbertransporte hat die Landespolitik wachgerüttelt. Der Bestimmungsort muss jetzt bekannt sein. Das war längst überfällig. Für große Lösungen braucht es die Politik.

Doch auch der Konsument ist gefordert. Fleischesser zu verdammen, ist nicht die Lösung. Auch Milch gibt es nur, wenn die Kuh kalbt. Für Eier braucht man Hennen – die Hähne werden geschreddert. Das richtige Maß, darum geht’s. Und das hört nicht beim Essen auf: Jeder dritte Neuwagen in Österreich war 2018 laut VCÖ eine Geländelimousine (SUV). Als wäre der Klimawandel kein Thema … Diesen Trend bedient auch E-Auto-Pionier Tesla. Doch auch Strom ist nicht immer sauber. Wir verbrauchen „drei Erden im Jahr“, mahnte kürzlich ein Physiker im deutscher TV.

Luxus ist bequem. Nicht alle von uns haben ihn, aber viele. Auf ihn zu verzichten tut weh. Man muss nicht zum Ganzjahresradler, Veganer und Mülltaucher werden. Verzicht in Maßen ist ein erster Schritt. Das fängt beim Einkauf an und hört beim Stromverbrauch auf. Oder wie der Salzburger Philosoph Leopold Kohr gesagt hätte: „Small is beautiful“. Sein Leitsatz ist aktueller denn je.

Von Petra Suchanek