Was Jesus beim letzten Abendmahl aß

TV-Köchin Sarah Wiener hat recherchiert. Sie sammelte Gerichte mit Geschichte und veröffentlichte sie in Buchform.

Spanferkel, Lamm, Fisch – all diese Speisen finden sich auf Gemälden, die Jesus und seine Jünger beim letzten Abendmahl zeigen. Und natürlich Wein und Brot. Entspricht dies den Fakten oder sind die dargestellten Speisen der Freiheit der Kunst entsprungen?

Sarah Wiener, Fernsehköchin, Biobäuerin und Grünen-Kandidatin bei der EU-Wahl im Mai, recherchierte nach. In der Bibel, bei Archäologen und Historikern. Eines ist gewiss, fand Wiener heraus: „Brot war dabei.“

Das letzte Abendmahl ist ein Kapitel in Sarah Wieners Buch „Gerichte, die die Welt veränderten“. In diesem beschreibt sie 33 Menüs, die historische Persönlichkeiten bei großen Anlässen aßen – von Cäsars Festmahl nach dem Sieg über die Gallier über John F. Kennedys Essen in Berlin bis zu Bob Marleys Hochzeitsmahl. Wiener schildert nicht nur die Historie, sie liefert auch die Originalrezepte.

Zum Teil variierte sie diese, um sie an moderne Essgewohnheiten anzupassen. Zum letzten Abendmahl führt sie drei Brotrezepte an – eines davon haben wir abgedruckt (s. unten).

SF: Frau Wiener, inwiefern unterschied sich das Brot, das zu Jesus’ Zeit gebacken wurde, vom heutigen?
Sarah Wiener: Auf jeden Fall wurde immer das volle Korn, meist mit Steinhandmühlen, gemahlen. Ich kann mir gut vorstellen, dass auch mit Gewürzen experimentiert worden ist, aber das ist meine Vermutung. Jede kreative Bäckerin wäre in Versuchung.

SF: Sie stellen im Buch drei Brotrezepte vor. Weiß man, ob sich die Rezepturen regional unterschieden?
Mir ist darüber wenig bekannt. Je nach Region hat man ein anderes Getreide oder Korn genommen, das anders schmecken konnte als das des Nachbarn. Es gab verschiedene Brote und Backmethoden, die zum Teil auch heute noch, zum Beispiel in Asien und Afrika, zu finden sind. Das sicher einfachste und am meisten verbreitete war der ungesäuerte Fladen, der in der Glut oder auf einem Stein oder in der Innenseite eines Tongefäßes durchgebacken wurde.

Jedes fermentierte und gesäuerte Brot war viel aufwändiger und sicher nicht in jedem Haushalt zu finden. Gesäuertes Brot wurde wohl auch nicht überall besonders geschätzt, weil ihm die Reinheit und Unschuld fehlte, auch wenn es lockerer und leichter verdaulich war. Jesus mahnte in der Bibel seine Jünger: „Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, das ist Heuchelei!“

SF: Das Abendmahl gleicht einer Henkersmahlzeit. Warum wählten Sie es aus?
Wenn man „Gerichte, die die Welt veränderten“ schreiben möchte, dann finde ich, kann dieses so berühmte und letzte Abendmahl auf keinen Fall fehlen. Auch wenn es keinerlei Aufzeichnungen und Überlieferungen gibt, was es damals wirklich zu essen gab. Aber Brot war sehr sicher dabei, als Grundnahrungsmittel. Da gibt es ja auch im Neuen Testament einige Zitate.

SF: Was servieren Sie zu Ostern?
Kein besonderes traditionelles Essen. Aber es gibt oft einen geschmorten Lammbraten im Natursaft und viel Gemüse dazu.

Rezept „Abendmahlbrot“ (1 Blech)

Zutaten: 1 kg Weizenmehl
650–700 ml
Wasser (lauwarm)
3 EL Olivenöl
1 EL Salz
1 Würfel frischer Germ

Zubereitung:
Germ in einer Schüssel im Wasser auflösen. Mehl beigeben, gut durchkneten. Teig ca. 10–15 Minuten gehen lassen. Hat der Germ merklich zu arbeiten begonnen, Salz und Öl untermengen und den Teig kneten, bis die Salzkörner aufgelöst sind. (Sollte der Teig zu „nass“ erscheinen – genau so gehört es! Die Ähnlichkeit zur Focaccia ist nicht zu übersehen.)

Jetzt den Teig mind. 40 Min. an warmem Ort abermals gehen lassen (nicht in der prallen Sonne, also unter 40 °C). Sein Volumen sollte sich in etwa verdoppeln. Inzwischen ein Backblech mit Backpapier auslegen, Teig gleichmäßig verteilen. (Das gelingt besonders gut, wenn Sie das Backpapier zuvor mit etwas Olivenöl bestreichen und den Teig darauf mittels Nudelholz auswalken. Zudem erhält das spätere Brot eine schöne Oberflächenstruktur.)

Das Blech nun ins kalte Rohr schieben, auf 200°C, Ober-/Unterhitze einstellen. ½ Std. backen. Bei vorgeheiztem Rohr verkürzt sich die Backzeit auf ca. 20 Min. Gönnen Sie dem Teig dafür mehr Zeit zum Rasten. Fertig ist das Abendmahlbrot, wenn es an der Oberfläche goldbraun ist und bei sanftem Druck mit dem Finger zurückfedert. Lassen Sie es nach dem Backen auf einem sauberen Tuch rasten und auskühlen.

Tipp: Beträufeln Sie den Teig unmittelbar vor dem Backen mit Olivenöl.

Aus: Sarah Wiener: Gerichte, die die Welt veränderten, edition a, 2018 € 24,90.

Von Petra Suchanek

Bildtext: Geschichte hat es ihr angetan: Köchin Sarah Wiener auf dem Sofa, wo John F. Kennedy 1963 ruhte, ehe er in Berlin seine berühmte Rede hielt. Fotos (2): Lukas Beck