Sein Start in ein neues Leben

Persönlicher Karfreitag: Eine Transplantation rettete den Salzburger Stimm- und Rhetoriktrainer Arno Fischbacher.

Normalerweise passiert das anderen. Eine lebensbedrohliche Diagnose erhalten. Dann trifft es einen plötzlich selbst. So erging es Stimmtrainer Arno Fischbacher. 2015 erhielt er völlig überraschend die Diagnose, dass eine spontane Genmutation sein Blutbild verändert. Überleben könne er nur mit einer Blutstammzellen-Transplantation.

Was empfand er, als er das hörte? „Es war, als würde ich den Moment aus verschiedenen Perspektiven erleben“, sagt Arno Fischbacher (63). Als Stimmcoach ist er auf heikle Gesprächssituationen spezialisiert, auch Ärzte zählen zu seinen Kunden. „Ich war neugierig, wie der Arzt mit mir kommunizieren würde. Dazu kam die eigene Perspektive: Unheilbar. Da wird Altes, Gehörtes wach.“

Arno Fischbacher lebt heute mit einer anderen Blutgruppe. „Das ist schon etwas komisch“. Bild: Petra Suchanek

Nach der Hiobsbotschaft setzte er seinen Alltag erst einmal wie gewohnt fort: „Ich werde ruhig, wenn es grob kommt.“ Als er die ersten Medikamente einnahm, lernte er unser Sozialsystem so richtig schätzen. Monatliche Kosten von 5100 Euro hätte er trotz guten Einkommens nicht stemmen können.

 

Im November 2017 wurde die Transplantation in Graz durchgeführt – bei vollem Bewusstsein: „Die Ärzte stehen um dich herum und beobachten, wie du reagierst.“ Die Tage vor dem Eingriff waren die schlimmsten, schildert Fischbacher, da die eigene Blutbildung mit Chemotherapie dauerhaft gestoppt werden musste.

„Ich habe aufgeräumt“

Für die Genesung rechnete Fischbacher mit vier Monaten, daraus wurde ein Jahr. Als Selbständigen brachte ihn das finanziell an die Grenzen. Obwohl er zuvor alle Kosten reduziert hatte, einer Mitarbeiterin kündigen musste. „Ich habe aufgeräumt. Es ging nicht anders“. Seine Kunden hatten Verständnis. Und seine Frau. „Ohne sie hätte ich das nicht geschafft.“

Nach der Operation war er lange zu schwach, um zu gehen und zu sprechen. Letzteres war für den Stimmtrainer eine Herausforderung: „Mit der Stimme repräsentiert man sich nicht nur anderen, sondern auch sich selbst gegenüber.“ Wegen der Ansteckungsgefahr durfte er nicht mit Menschen in Kontakt treten, raus ging er mit Atemmaske. Zwei Mal hielt ihn die Polizei auf: Er verstieß ja gegen das Vermummungsverbot.

Eine Erkrankung bringe einen zum Nachdenken: „Ich bin gelassener.“ Will er etwas ändern? Seiner Beziehung mehr Raum geben, sagt Fischbacher, der seit den 70ern mit seiner Frau zusammen ist. Sein Leben bestreitet er nun mit anderer Blutgruppe. „Das ist schon etwas komisch.“ Aber er ist geheilt.

Von Petra Suchanek