Wenn Sünde, dann richtig

Schokoladenbrunch mit Blick auf die Loferer Steinberge.

Die können das. Die Bergers können mitten in der Fastenzeit wieder mit dem Schokoladen-Brunch beginnen. Eine Veranstaltungsserie ist das, die im Vorjahr so überlaufen war, dass der zu langsam agierende Vorkoster keinen Platz bekam. Aber genau dann die Verführung zu starten, wenn viele Menschen gerade Süßes meiden? Nun, man kann auch anders fasten: kein Fleisch, weniger Autofahren, Handyverbot und solche Sachen. Faszination Schokolade. Wer will ganz auf sie verzichten?
Und wenn schon Sünde, dann richtig. Die Industrie darf billiges Zeug herstellen, das Choco oder Schock oder so ähnlich heißt (nur der Begriff Schokolade ist verboten), auf dessen Zutatenliste nicht einmal der Schatten einer Kakaobohne gefallen ist. Bräunlich, süßlich, voll künstlicher Aromen. Für diese Chemie sollte ganzjährig Fastenzeit gelten. Also auf zum Original-Stoff nach Lofer!
Klingt kitschig, aber Bergers feinste Confiserie ist vor einem Vierteljahrhundert tatsächlich in einer Garage entstanden. Weil Christine und Hubert Berger Wert auf die Qualität ihrer Zutaten gelegt haben, sogar auf Bio umstellten, wuchs ein Mittelbetrieb mit gut 100 Mitarbeitern heran mit sechs Filialen. Die hübschen Tafeln aus dem Pinzgau sind inzwischen internationaler Stammgast in Feinkostläden, der Vorkoster fand sie selbst in Hamburg.
In Lofer schufen die Bergers zuletzt ihr Prestige-Projekt, die „Feinheit“. Erreichbar vom Ortsteil Scheffsnoth schmalstraßig bis auf 800 Meter Höhe. Wo eine Jausenstation stand, fügen sich Stahl, Glas, Stein und viel altes Holz zu einem modernen Bau zusammen samt prächtigem Blick übers Tal in die Steinberge. Hier sammeln sich Donnerstag, Freitag und Samstag die Gäste zum Schokoladenbrunch (€ 35). Ein Raum für 40 Menschen, wieder voll besetzt.
Wir hatten ein wenig Angst, zu viel Zucker vorgesetzt zu bekommen. Denn eigentlich passt das nicht zusammen: Kakaobohnen und Frühstück. In der Reihung der morgendlichen Aromen kommt süß erst zum Schluss, meist als Marmelade. Das Angebot hier aber hieß: Basis pikant, Schokolade später. Da lockten im Buffet Müsli ebenso wie italienische Antipasti, gutes Brot, resche Semmeln in Selbstbedienung. Und reizende Damen reichten im geruhsamen Rhythmus sechs Gänge, mit einem Glas Frizzante zwischendurch.
Zum Kaffee gab’s eine Praline, auf dem Tisch lag eine zweite. Beide gleich essen? Wir hoben auf. Die Süßkurve der servierten Gänge glich dem Buchstaben U. Start mit dem Kakao-Trank Xocólatl, tiefes Aroma, dann ein Quinoa-Hafer-Brei, leicht süß durch Früchte, zum Brot mit knuspriger Kruste gab’s guten Schinken. Weiter zum Würzigen mit einem pochierten Ei auf Spinat samt Schaum mit Schinkenduft. Hübsch ein Happen Räucherforelle aus Sauerrahm und Pumpernickel. Dann Käse. Die Sorten aus den Bergen blieben kräftig, in den Camembert ward Schokolade eingeschmuggelt und das Zweigelt-Gelee brachte Fruchtreife und Schärfe perfekt zusammen. Ehe das Dessert kam: Das Erdbeer-Sorbet wirkte fast zuckerfrei, die Crème Brûlée zeigte dann ein bisschen, der Nougatknödel volle Süße. Jetzt konnte man auch die Pralinen genießen.
Wir erlebten einen außergewöhnlichen Vormittag an einem außergewöhnlichen Ort. Und wer Süß fasten will: Der Schokoladenbrunch läuft bis November.

Bergers Feinheit,
Scheffsnoth 76, 5090 Lofer,
Tel. 06588/7616,
www.confiserie-berger.at