Wanderhühner im Vormarsch: So geht echtes Glück

„Wir haben die größten Eier.“ Wanderhühner picken bald auch in Salzburg. Sie leben in fahrbaren Ställen und haben gleich 50 Hähne.

In Österreich werden jährlich zwei Milliarden Eier verzehrt, allein vor Ostern kommen 70 Millionen Eier auf den Markt. Auf der Online-Datenbank www.eierdatenbank.at, einer Initiative der Bauern und der AMA, gibt es täglich 2000 Abfragen zur Herkunft von Eiern.
Artgerechte Tierhaltung  nimmt bei Konsumenten eine immer wichtigere Rolle ein. Deshalb hat der oberösterreichischer Unternehmer Wolfgang Wallner die Hühnerhaltung gleichsam in der Zeit zurückgedreht und das Wanderhuhn  eingeführt  –  eine  neue Form der Haltung in mobilen Ställen, die in Bayern entwickelt wurde (und dort groteske bürokratische Widerstände überwinden musste). „Tonis Freilandeier haben seinerzeit die Bodenhaltung abgelöst, ich wollte die Freilandhaltung neu denken“, sagt Wallner.

Freilandhuhn: 6000 Tiere

Die Wanderhuhn-Zentrale liegt im grenznahen Moosdorf. Zwölf Landwirte mit 22  beweglichen Stallungen produzieren 6,5 Millionen Eier im Jahr. Demnächst wird ein Bauer  in Bergheim dazustoßen. Das Genehmigungsverfahren laufe gerade, sagt   Wanderhuhn-Betriebsleiter Franz Denk. Worin bestehen die Unterschiede?
Konventionelle Freilandhaltung (Kategorie 1) bedeutet 6000 Hühner und riesige Ställe (7 bis 8 Hühner pro Quadratmeter).  Tagsüber muss ein Auslauf von acht Quadratmetern pro Tier gegeben sein; bei einer „Tierschutz geprüften“ Freilandhaltung –  ebenso wie bei der biologischen Haltung – sind es zehn Quadratmeter Auslauf.

„Freilandhühner sehen keinen Grashalm“

Die Wirklichkeit sei jedoch ernüchternd, weiß Wallner, nach vielen Betriebsbesuchen: „Was sich Freiland nennt, ist in der Realität eine dreckige Staubwüste. In Wahrheit stehen Freilandhühner im eigenen Kot, sehen keinen Grashalm und sind vielen Krankheitserregern ausgesetzt.“ Wenn 6000 Hühner den ganzen Tag auf einer Wiese picken, scharren und ihr Geschäft verrichten, ist der Boden binnen kurzem hinüber.

Eierlegender Wanderzirkus

Wallners eierlegender Wanderzirkus übererfüllt die Kriterien der Biohaltung mit 3000 Tieren. „Unsere Herden haben 1250 Hühner und 50 Gockeln. Sie wandern auf 1,4 Hektar Weideland von Fleck zu Fleck“, erklärt Betriebsleiter Denk. Das  Futter:  Regenwürmer, Gräser, Kräuter sowie Hafer, Maisschrot und Donausoja aus Österreich. Während Freiland- und Biohennen ohne männliche Tiere leben – sie sind wirtschaftlich „nutzlos“ – entspricht deren Anwesenheit jedoch der natürlichen Lebensweise. Hähne beschützen die Herde und halten die durchaus gnadenlosen Hackordnungskämpfe in Grenzen. Deshalb auch das sinnbildliche Motto der Wanderhuhn-Macher: „Wir haben die größten Eier.“

„Tierwohl ist sehr gefragt“

Wanderhuhn-Eier werden in den Eurospar- und Intersparmärkten als Premium-Produkt verkauft, ebenso in 40 Merkurmärkten, bei M-Preis, Meindl am Graben und Käfer in München. Sechs Stück kosten 3,50 Euro. „Das Tierwohl ist bei Konsumenten sehr gefragt“, weiß Sparsprecherin Nicole Berkmann. „Es gibt momentan eher einen Mangel an Eiern aus alternativen Haltungen. Die Nachfrage ist da höher als der Markt produzieren kann.“

Mail: sonja.wenger@svh.at