Liebesschlösser: „Wir wollen unsere Liebe festmachen“

Schwer trägt der Makartsteg an der Liebe. Magistratsbeamte entfernten in der Vorwoche viele der Schlösser. Warum diese weltweit ein Renner sind.

Warum heften Verliebte überhaupt Liebesschlösser an Brückengeländer? Das „Fenster“ hat bei der Salzburger Psychologin Andrea Hammerer nachgefragt.

SF: Warum haben so viele das Bedürfnis, ihre Liebe – symbolisch – anzuketten?

Andrea Hammerer: Ich würde es weniger als anketten sehen. Ich denke, das ist – wie der Ehering auch – ein Symbol, der Versuch, etwas zu besiegeln und festzumachen. Einer hat damit angefangen, und alle anderen machen es nach – so wie man früher Herzen in die Bäume geritzt hat. Manche finden das romantisch.

Psychologin und Therapeutin Andrea Hammerer: „Das Bedürfnis, zu heiraten, wird wieder stärker.“ Foto: Marco Riebler

Angesichts der vielen Singles: Hat man noch das Bedürfnis nach Bindung?

Unbedingt. Dieses Bedürfnis ist jahrtausendealt. Das hängt mit Fortpflanzung, aber auch mit der Zugehörigkeit zu einer Gruppe, einem Familienverband zusammen. Der Mensch ist von Grund auf ein soziales Wesen. Wobei das Bindungsbedürfnis nicht immer die Treue miteinschließt. Manche sind heute noch Jäger und Sammler, sie empfinden Bindung als Belastung. Das hat verschiedene Ursachen, etwa die Erfahrung im eigenen Elternhaus. Aber zumindest vom Partner erwarten sich alle Treue (lacht).

Verwenden Liebende heute weitere Symbole?

Wahnsinnig wichtig ist es den Menschen derzeit, ihren Beziehungsstatus in den (pseudo-)Sozialen Netzwerken zu zeigen. Dort ist es offenbar sehr attraktiv, in einer Beziehung zu sein, man bekommt dann viele Herzen und Likes. Eine junge Frau meinte einmal, jetzt sei sie schon drei Monate mit ihrem Freund zusammen, und er wolle noch immer nicht, dass sie das auf Instagram poste. Das war für sie eine Katastrophe.

Man wechselt heute Partner öfter. Wie wirkt sich das aus?

Für viele ist das Angebot Fluch nicht Segen. Nach einer gescheiterten Beziehung stürzt man sich in die nächste und wieder die nächste. Irgendwann reicht es einem. Aber es gibt die Tendenz, Beziehungen lieber zu reparieren als wegzuwerfen. Auch junge Paare, die erst ein halbes Jahr zusammen sind, gehen in Therapie. Ich bin überzeugt, dass es in Zukunft wieder mehr Ehepaare gibt. Die soziale Anerkennung ist extrem stark, wenn man in Beziehung ist. Und Hochzeiten werden heute zelebriert – da feiert man mit 300 Leuten drei Tage lang.

Danke für das Gespräch!

 

Das Schloss wird recycelt, doch was passiert mit dem Schlüssel? Wir haben nachgefragt

Rund 1000 Kilo wiegen die Schlösser, die Mitarbeiter des Straßen- & Brückenamts der Stadt Salzburg in der Vorwoche am Makartsteg entfernten. „Wir nehmen nicht alle Schlösser ab und sehen diesen Trend auch nicht als Megaproblem“, erklärt Amtsleiter Michael Handl. Das Auslichten des Stegs reiche, um die Statik der Brücke nicht zu gefährden. „Man kann es positiv sehen: Wir schaffen Platz für neue Liebe“, scherzt Handl.

Die Schlösser werden recycelt. Doch was passiert mit den Unmengen an Schlüsseln, die zur Vollendung des Rituals von den Liebenden in den Fluss geworfen werden? Handl mutmaßt: „Die werden wohl mit dem Wasser wegtransportiert, landen im Geschiebe des Kraftwerks in Lehen. Nach der Schleusenöffnung schwimmen sie vielleicht bis in die Donau.“ So bleibt die Liebe buchstäblich in Fluss.

Von Petra Suchanek

Bildtext: Der Makartsteg biegt sich scheinbar unter der Last der Schlösser, Gefahr sind sie keine.
Bild: Robert Ratzer