Kickls Hungerlohn

Wie viel ist Arbeit wert?

Vor  Jahren setzten die  Deutsche Bahn und die Stadt Schwäbisch Gmünd ein Flüchtlingsprojekt auf. Beim Bahnhof, der  groß umgebaut wurde und deshalb beschwerlich zu passieren war,    wurden Asylwerber als Kofferträger engagiert.  Der Bürgermeister  selbst  hatte   hemdsärmelig im Asylheim nach Freiwilligen gefragt. Die Stadt stellte eine Hütte als Unterstand auf, bezahlte 1,05 Euro Stundenlohn.  Als die  ersten Bilder von (schwarzafrikanischen)  Gepäckträgern auftauchten, wurde  das Projekt beendet. Von schlimmstem Kolonialismus und Hungerlohn war die Rede.
Kickls Plan, Asylwerbern  nur mehr 1,50 Stundenlohn für gemeinnützige Arbeit zu bezahlen, spaltet extrem. Dass Kickl die niedrigen  Entschädigungen der Grundwehrdiener als Argument heranzieht, ist   raffiniert. Es appelliert an Gerechtigkeitsgefühle:  Ist der Dienst der einheimischen jungen Männer für die Gesellschaft so wenig wert?
Die aktuell meist bezahlten fünf Euro sind eine Empfehlung der (grünen) Landesflüchtlingsreferenten.  Es ist das  nicht  viel Geld. Die Debatte, welchen Stellenwert gemeinnützige Arbeit hat, ist aber zu führen. Kickls  Botschaft  ist unmissverständlich: Asylwerber sind in Österreich  nicht erwünscht.  Seine harte Gangart geht vielen auch in der Bevölkerung wohl zu weit.