Im Takt in den Sonnengruß fließen

Yoga? Kennen wir. Jetzt läuft dazu laute Musik. Das SF hat Technoyoga getestet.

Yoga verbinden wohl die meisten mit Meditieren und sich Entspannen. Im Hintergrund rauscht das Meer, es zwitschern die Vögel und von irgendwoher trägt der Wind sanfte Töne einer Klangschale herbei.
Bei Technoyoga ist das anders. Dort schallt laute Musik aus den Boxen, die der DJ an seinem Pult mixt. Der Bass gibt den Wechsel von Sonnengruß zu Kriegerstellung und Co. an. Technomusik, die andere wohl eher Bars oder Clubs zuordnen, begleitet hier die Yogastunde. Klingt ungewöhnlich? Haben wir uns auch gedacht und es prompt getestet.

Ein richtiges Technoyogastudio gibt es in Salzburg nicht, die Stunde in der vergangenen Woche im Loft bot die Oberösterreicherin Marlene „Leni“ Lindström an. Der Kurs ist ausgebucht. Das Konzept scheint neugierig zu machen. Warum für Lindström Techno und Yoga zusammengehören? „Früher viel es mir schwer, mich beim Yoga auf mich selbst und meinen Atem zu konzentrieren.“ Laute Musik habe ihr dabei geholfen, ihre Gedanken abzuschalten. Klingt erstmal logisch.
Die Stunde beginnt. Auf den Matten liegen farbige Leuchtstäbe. Discostrahler werfen buntes Licht auf die Yogis. Für die musikalische Komponente sorgt Lindströms Freund Jonathan Petzl, alias DJ Jotope. Von Klangschalen-Geplänkel keine Spur.

Musik verschlingt alle Störgeräusche

Nach dem Aufwärmen wird es bald anstrengend, denn Lindström bedient sich der Flow-Yogaübungen. Dabei fließen die einzelnen Positionen ohne Pause ineinander über.
Und tatsächlich: Fällt es sonst eher schwer den Kopf frei zu machen, wird beim Technoyoga keine Minute an den Alltag gedacht.
Ob draußen Autos vorbeifahren? Ob der Yogi auf der Matte nebenan sehr laut atmet oder andauernd mit den Füßen über den Boden schabt? Spielt keine Rolle. Man hört es nicht, denn der Techno verschlingt all diese Geräusche.

Marlene „Leni“ Lindström (rechts) leitet das Technoyoga. Die Beats liefert DJ Jonathan Petzl.

Lindström hat ihre erste Yogastunde vor vier Jahren besucht. Im vergangenen Jahr folgte die Trainerausbildung auf Bali. Beim Technoyoga macht sich dies durchaus bemerkbar. So wird aus der beliebten Pose, dem „nach unten schauendem Hund“, der „downward facing dog“.
Den beiden Salzburgerinnen Iris Briksi und Anna Schaller gefiel das Konzept. Schaller: „Zuerst war ich skeptisch, aber laute Musik beim Yoga ist eine gute Idee.“ Briksi ergänzt, dass ihr gerade der „etwas ruhigere Techno“ von Jonathan Petzl gefiel. „Die schnelle Musik, die Clubs spielen, würde zum Yoga nicht so gut passen.“

Technoyoga erreichte durch die Veranstaltung von Lindström und Petzl in Salzburg zum ersten Mal ein größeres Publikum. Die Idee ist jedoch nicht neu. Der Yogalehrer Günter Schnaitl bietet den Sport ebenfalls in Kombination mit Technoklängen an. „Yoga ist mir manchmal zu ernst. Musik lockert das Ganze auf“, sagt Schnaitl. Vor allem zu Beginn seiner Stunde setzt der Salzburger auf die elektronischen Sounds. „Techno treibt die Menschen an. Das schadet dem manchmal langweiligen Yoga sicher nicht.“

 

Das nächste Mal Technoyoga in Salzburg:

Die Oberösterreicherin Marlene Lindström und DJ Jonathan Petzl bieten Technoyoga in Linz, Wien und Salzburg an. Kosten: 21 Euro. Das nächste Mal in der Mozartstadt sind sie am 29. April um 18 Uhr im Loft.

Technoyoga mit Günter Schnaitl gibt es am 16. April um 20 Uhr in der Akademiestraße 21. Kosten: 20 Euro.

Anna Boschner