Hundeschnauzen retten Leben

Und schlagen modernste Technik. Am 26. April kann man sie beim Tag der offenen Tür der IRO in Salzburg live erleben.

Wer an Rettungshunde denkt, dem kommen hierzulande zuallererst die Lawinenhunde in den Sinn. Die Vierbeiner sind aber vielerorts am Helfen: „Wir haben in Österreich jede Woche mindestens einen Einsatz, wo wir Vermisste suchen. Kinder, die sich im Wald verirren, Wanderer, die nicht heimkehren, Demente, die sich auf den Weg machen“, erklärt Markus Bock vom ABC-Abwehrzentrum des Bundesheeres und der Katastrophenhilfseinheit AFDRU. Oft würde das Fehlen eines Familienmitglieds erst am Abend gemerkt, die Retter sind daher häufig nachts unterwegs. Und das ehrenamtlich.

  • Rettungshunde im Training und im Einsatz. Foto: IRO
  • Rettungshunde im Training und im Einsatz. Foto: IRO
  • Rettungshunde im Training und im Einsatz. Foto: IRO
  • Rettungshunde im Training und im Einsatz. Foto: IRO
  • Rettungshunde im Training und im Einsatz. Foto: IRO
  • Rettungshunde im Training und im Einsatz. Foto: IRO
  • Rettungshunde im Training und im Einsatz. Foto: IRO

 

Markus Bock ist auch Präsident der Internationalen Rettungshunde Organisation (IRO) mit Sitz in der Stadt Salzburg. Diese vernetzt 122 Organisationen aus 42 Ländern, die bei Erdbeben, Lawinen und anderen Naturkatastrophen schnelle Hilfe leisten. Die IRO wurde auf Initiative von Schweizer, deutschen und österreichischen Vereinen nach dem Erdbeben 1988 in Armenien mit dem Ziel gegründet, die Ausbildung der Hunde weltweit zu vereinheitlichen, und das Niveau hochzuhalten.

Auch wenn es im Zeitalter der Digitalisierung altmodisch scheint, so kann die Hundeschnauze in ihrer Effektivität durch moderne Technik nicht ersetzt werden. Auf „Trümmer“, also bei Gebäudeeinstürzen infolge von Erdbeben etc., arbeite man auch mit Bioradar, Thermokameras und Schallortungsgeräten, erklärt Bock. „Doch was die Technik in zweieinhalb bis drei Stunden schafft, erledigt der Hund in 20 Minuten.“ Außerdem müsse das Opfer bei fast allen technischen Ortungsmethoden antworten.

Markus Bock (re.), Präsident der Internationalen Rettungshundeorganisation, im Einsatz bei einem Hauseinsturz. Foto: IRO

Noch ein Vorteil des Hundes: Er weist dem Helfer automatisch den Eingang zum Opfer, weil dort der Geruch am konzentriertesten sei. Auch hat jede Technik ihre Grenzen. Es gibt Metalle, da kommt kein Radar durch. Die Hundenase schnüffelt sich hingegen bis zu zehn Meter in den Boden – und kann die Spur eines Menschen noch 30 Stunden später riechen.

Damit der Hund zum Retter werden kann, muss er eine dreistufige Ausbildung durchlaufen. Beginnt er im Welpenalter, ist er mit drei bis fünf Jahren bereit für den Einsatz, erklärt Bock. Auch danach müsse man mit dem Tier täglich trainieren, weiß Bock, der selbst einen Belgischen Schäfer als Einsatzhund und einen Labrador in Ausbildung hat. „Das ist schon aufwändig und geht nur, weil meine Frau mitspielt“, erklärt Bock. „Auf den Hund gekommen“ ist er bei einem Erdbeben-Einsatz 1999 in der Türkei, als er sah, was die Tiere der Kollegen dort leisteten.

Wer denkt, nur bestimmte Rassen eignen sich als Rettungshund, der irrt. „Grundsätzlich ist jeder Hund von der Nase her geeignet. Wir hatten auch schon einen Dackel, der die WM positiv absolvierte“, lacht Bock. Im Einsatz seien jedoch auch Gewicht und Größe von Bedeutung, und da haben manche Rassen dann doch das Nachsehen, weil sie zu klein oder zu schwer sind. Am häufigsten werden daher Retriever, Belgische und Deutsche Schäferhunde, Riesenschnauzer und Labradore ausgebildet.

Noch ein Tipp: Einblick in ihre Arbeit geben die Hundeführer im Rahmen des Tages der offenen Tür der IRO am 26. April, 13 bis 17 Uhr, in der Moosstraße 32 (Eintritt frei).
Info: www.iro-dogs.org/de

Von Petra Suchanek