Die Stadt beschäftigt 150 Asylwerber

Sie zahlte dafür 500.000 Euro seit 2012. Für Kickl und Preuner ist das zu viel.

Das Salzburger Gartenamt ist bekannt für seine florale Gestaltung des öffentlichen Stadtraums. Zum Team gehören auch wechselnde Gruppen von rund acht Asylwerbern, die sich ein Zubrot verdienen und von denen man vollen Einsatz erwarte,  wie Amtsleiter  Christian Stadler erklärt. „Wir packen die Leute nicht in Watte, sie müssen arbeiten, verlässlich und pünktlich sein. So klappt das. Zur Wertschätzung gehört, dass sie dieselbe professionelle Berufskleidung tragen wie unsere Mitarbeiter.“ Stadlers Erfahrung: Es gibt die Fleißigen, mit denen man Freude habe, und jene, die schon am nächsten Tag nicht mehr erscheinen.

Pro Jahr sind 1200 Euro Zuverdienst möglich

Was keinesfalls geduldet werde – wenn männliche Flüchtlinge die Anweisungen einer Frau nicht respektierten. Womit freilich auch hiesige (ältere) Kollegen durchaus noch Probleme hätten.
Die Stadt beschäftigt rund 150 Flüchtlinge. Denn: „Arbeit und Sozialkontakte zu haben, ist der Königsweg zur Integration“, weiß auch Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer (SPÖ). Die Asylwerber entfernen Splitt und Laub, pflegen Parks und Friedhöfe, sammeln Müll, helfen im Wirtschaftshof   beim Entrümpeln, haben im Winter Schnee geschaufelt. Laut Grundversorgungsgesetz sind pro Jahr zwei Einsätze zu je 120 Stunden erlaubt und auf  Gebietskörperschaften beschränkt.  Bei einem Stundenlohn von fünf Euro, den die Stadt bezahlt, sind das maximal 1200 Euro Zuverdienst. Seit 2012 haben in der Landeshauptstadt 750 Asylwerber 100.000 Stunden zum Gegenwert von 500.000 Euro geleistet  (dazu kommt eine ebenfalls gewährte Unfallversicherung). In ganz Salzburg haben im Vorjahr 23 Gemeinden die Dienste von 231 Asylwerbern in Anspruch genommen.  Laut Empfehlung des Landes sollen dafür vier bis sechs Euro bezahlt werden.

Grundwehr- und Zivildiener bekommen weniger

Der Plan von FPÖ-Innenminister Herbert Kickl, den Stundenlohn auf 1,50 Euro zu senken, hat einen Aufschrei bewirkt. Von Menschenverachtung, Zynismus und Kälte ist die Rede. Kickl sagt, die heimischen Grundwehr- und Zivildiener bekämen für ihren Dienst an Staat und Gesellschaft in etwa die angestrebten 1,50 Euro. Auch die ÖVP scheint gespalten oder schweigt. LH Wilfried Haslauer wolle sich aktuell nicht äußern, die Causa werde auf Bundesebene entschieden, erklärt sein Sprecher Christian Pucher.  Allein Salzburgs neuer Bürgermeister Harald Preuner stimmte Kickl bereits öffentlich zu  –  fünf Euro seien zu viel.

Asylwerber als Schülerlotsen

Die Seekirchener Bürgermeisterin Monika Schwaiger sieht das anders. „Die Arbeit eines Menschen, egal woher er kommt und was er tut, ist mehr wert als 1,50 Euro.“ Etliche der 100 Asylwerber in Seekirchen hätten von sich aus gefragt, „ob sie was tun dürfen? Sie wollen etwas zurückgeben“, so Schwaiger. So setze man Asylwerber mit Deutschkenntnissen auch als Schülerlotsen ein. Es habe sich sonst niemand mehr dafür gefunden. Monatliche Ausgaben: 500 bis 700 Euro. Die Stadtgemeinde vergibt auch gratis Bahntickets an die Flüchtlinge, damit diese Deutschkurse oder Freunde in der Stadt besuchen können. Sie selbst müssen einen Euro dazuzahlen.

„Manche wollen nicht“

In Elixhausen hat man unterschiedliche Erfahrungen gemacht, schildert Amtsleiter Josef Wagner. „Es gibt welche, die wollen arbeiten, und welche, die wollen gar nicht.“ Auch das Qualifizierungsniveau bereite Probleme. „Manche haben sich noch nie einen Motor in der Hand gehabt. Wenn beim Rasenmäher eine Zündkerze ausfällt, stehen die da.“ Ein Thema sei auch der Fastenmonat Ramadan, da die Muslime hier nichts essen und trinken würden. Aktuell habe man eine Runde von sechs Männern auf Abruf, mit denen es gut funktioniere.

„Arbeit wird entwertet“

Gerlinde Hörl, Leiterin der Grundversorgung bei der Caritas, meint, Asylwerber sollten auch für Hilfsorganisationen arbeiten dürfen. Kickl wolle dies nicht.  Grundsätzlich sei eine Tagesstruktur für die jungen Männer hilfreich, so Hörl. Deshalb hat das Land auch alle Asylquartiere auf Selbstversorger umgestellt, erklärt Sozialreferent Gerhard Feichtner. „So müssen sie zumindest kochen.“ LHStv. Heinrich Schellhorn lehnt 1,50 Euro als Lohn ab: „Damit wird derjenige, der die Arbeit macht, auch ein Stück weit entwertet.“

Von Sonja Wenger