Ist Salzburg eine Single-Hochburg?

Es gibt ihn, den typischen österreichischen Single. Er kommt aus Salzburg und ist zwischen 18 und 29 Jahre alt.

Zu dem Ergebnis kam jedenfalls eine Studie der Online-Singlebörse ElitePartner – die könnten es ja wissen.
Hat sich gerade jemand wiedererkannt? Kein Problem, denn laut der besagten Studie gibt es 1,7 Millionen Österreicher, die noch zu haben sind.
Singles sind eine Zielgruppe, die längst auch von Handel und Wirtschaft entdeckt wurde. Ein halber Kopf Rotkraut, eine kleine Portion Butter: Große Supermärkte bieten ganze Produktpaletten für Alleinstehende an. Jumbo–Packungen weichen Single-Portionen. Auch auf dem Wohnungsmarkt macht sich das bemerkbar. Jeder zweite Salzburger wohnt allein. Mikrowohnen soll in Zukunft keine Randerscheinung mehr bleiben.

Im Frühjahr sind Singles heiß auf Dates

Was die Befragung von 1500 Österreichern ebenfalls ergab: 69 Prozent der Singles sind unglücklich. Sie wünschen sich eine Partnerin oder einen Partner. Warum gibt es dennoch so viele Singles?
Auf der Suche nach dem Glück in der Liebe, hält der männliche Single stets nach einer möglichen Partnerin oder einem Partner Ausschau. Bevorzugt in Clubs, Bars und auf Dating-Plattformen. Frauen gehen die Partnersuche hingegen spontan an. Sie hoffen auf zufällige Begegnungen, wie im Supermarkt („Ups, ich dachte das war mein Einkaufswagen“) oder im Museum („Und was hältst du so von dem Picasso dort drüben?“).
Die beste Gegend für die Partnersuche ist für Salzburger neben dem eigenen Bundesland, Niederösterreich. Auch dort liegt die Single-Quote bei 32 Prozent. Wer mehr auf Großstadtflair steht ist in Wien (30 Prozent) bestens bedient. Schlechter stehen die Chancen in der Steiermark – dort sind 27 Prozent solo – und in Tirol (26 Prozent).

Frühlingszeit ist Datingzeit. In Salzburg scheint dafür besonders viel Potenzial vorhanden zu sein. Bild: Pixabay

Das kann sich schnell ändern. Soziologin Kornelia Hahn betont: „Beziehungen sind nicht statisch, sondern immer etwas Dynamisches.“ Deshalb halte die Leiterin des Fachbereichs Soziologie der Universität Salzburg nichts davon, Singles statistisch einzufangen.

20- bis 30-Jährige verhalten sich wie Carrie Bradshaw

Dennoch stellt Hahn fest: Die häufigsten Partnerwechsel haben 20- bis 30-Jährige, die in der Stadt wohnen. Die Soziologin bezeichnet diese Altersgruppe deshalb auch als „Sex and the City“ – Generation. „Carry Bradshaw verkörpert: Wer heute alleinstehend ist, kann morgen vergeben sein. Und andersherum“, erklärt Hahn.
Gerade junge Menschen werden deshalb irrtümlich als bindungsunfähig beschrieben. Weit gefehlt. Hahn erklärt den häufigeren Partnerwechsel mit erhöhten Anforderungen an die Beziehung. Bin ich verliebt? Passt mein Partner auf sexueller Ebene zu mir? Haben wir die gleichen Kinderpläne? Die Antworten auf diese Fragen sind für viele Alleinstehende entscheidend.
Im Vergleich zu den 1950er-Jahren suchen Singles heute ein Rundum-sorglos-Paket. „Früher war es wichtiger, sich finanziell abzusichern,“ sagt die Soziologin. Mittlerweile ist es wichtiger, einen Partner zu finden, mit dem man auf allen Ebenen harmoniert. Auch eine gemeinsame Wohnung stehe für Paare nicht mehr an erster Stelle. „Vielmehr wohnen sie immer öfter sogar in verschiedenen Städten, weil der Beruf vorgeht“, sagt Kornelia Hahn.

Zurück zum typisch österreichischen Single: Nicht nur ElitePartner, sondern auch LoveScout24 betreibt derzeit Marktforschung. Die Partnerbörsen stellen fest: Gerade jetzt im Frühjahr sind Singles hoch motiviert sich zu verabreden. Wer also gerade auf Partnersuche ist, hat womöglich gute Chancen, sich zu verlieben.

Anna Boschner