Los jetzt, Ladies, lasst uns wütend sein!

Es war ja grad Weltfrauentag, und da hab ich nachgedacht. Die Timeline meiner diversen Social-Media-Kanäle war voll . . .

. . . von Postings zu diesem – wahlweise als Feiertag, wahlweise als Kampftag bezeichneten – Datum. Ich hab viel drüber gelesen und überlegt. Ich war, das muss ich zugeben, an diesem 8. März sehr müde. Nicht, weil ich immer zu wenig schlafe, sondern wegen dieser knochentiefen, allgemeinen Müdigkeit. Wegen dieser Frauenerschöpfung. Weil es so anstrengend ist, zu kämpfen.

Karikatur Thomas Selinger. Bild: www.seli.at

Und das sag ich, obwohl ich eine privilegierte, gebildete, weiße Frau in einem reichen europäischen Land bin – die keine wahren Kämpfe, da müssen wir ehrlich sein, ausfechten muss. Und trotzdem. An allen Fronten rennt man als Frau gegen Mauern. In der Schule sind die Mädchen noch die, die sich leichter tun, gell, und dann – batsch – fängt das Mauerngerenne an. Gefördert werden Männer, befördert werden Männer, besprochen werden männliche Autoren, prämiert werden männliche Wissenschaftler, die ganze Welt von Männern geformt, erzählt, dominiert.

Feministin wird man in meiner Generation aber meistens erst, wenn man Mutter wird. Vorher hat man nicht so richtig einen Grund dafür. Weil man eh Zugang hat zu Bildung und Beruf, sich scheiden lassen darf, ohne erschlagen zu werden, Besitz erben kann, obwohl man eine Frau ist – nur im Minirock rauszugehen, das ist gefährlich, egal, wo, aber bitte, es gibt ja schöne Hosen. Doch dann kriegt man als Frau Kinder und eine Wut. Weil man auf einmal spürt, dass das mit der Gleichberechtigung nix anderes ist als eine schimmernde Seifenblase.

Nur: Die Männer werden ihre Macht nicht hergeben, meine Damen, sie werden nicht sagen: Bitte sehr, da habt’s ihr das Mitspracherecht, da habt’s ihr das gleiche Geld, und ihr dürft’s jetzt auch Chefinnen sein, wir legen die Geschicke dieser Welt in eure Hände. Nein. Es hilft also nicht, resigniert dazusitzen und zu jammern – wir müssen aufstehen und aufschreien und zusammenhalten und uns einsetzen. Ein wütender Mann gilt als durchsetzungsfähig, eine wütende Frau als zickende Furie.

Aber Ladies: drauf geschissen. Lasst uns wütend sein. Lasst uns stinkwütend sein! Lasst uns aufhören, uns gegenseitig Steine in den Weg zu legen und an den Kopf zu werfen, lasst uns stattdessen gemeinsam daran arbeiten, dass wir gehört werden, dass wir ernstgenommen werden, dass wir endlich gleich behandelt werden. Und zwar überall auf der Welt.

Mareike Fallwickl ist Texterin und Autorin. Mail: interaktiv@svh.at

Karikatur von Thomas Selinger, www.seli