Kleine Nase, reine Haut Jugendliche unter Druck

Instagram beeinflusst das Selbstbild  enorm. Viele Jugendliche stellen ihre Selfies erst online, wenn sie sie „verschönert“ haben.

Instagram und Co. haben gewaltigen Einfluss auf das Selbstbild von Jugendlichen. Das stellte jüngst Rankin, einer der bekanntesten britischen Fotografen fest. In seinem Projekt „Selfie Harm“ fotografierte er 15 ungeschminkte Jugendliche. Die Mädchen und Buben konnten anschließend ihre Porträts mit Bildbearbeitungsprogrammen so verändern, dass sie ihrer Meinung nach möglichst viele Likes in Sozialen Medien erhalten. Heraus kam: Die jungen Leute  retuschierten, was das Zeug hielt. Fast alle machten ihre Haut mit ein paar Klicks makellos. Die Nasen wurden kleiner gemacht, die Augen größer und die Gesichter schmäler als sie in Wirklichkeit waren. Heraus kamen puppenartige Gesichter, eines vermeintlich schöner als das andere.

 

Das natürliche Gesicht. Bild: RANKINPHOTOGRAPHY LTD.

Ab Herbst will das Frauengesundheitszentrum Salzburg  Workshops für Schulen und
Jugendeinrichtungen anbieten. Titel: „Schön ohne Photoshop“. Denn das Phänomen, eigene Bilder vor dem Hochladen ins Netz  „Social Media-tauglich“ zu machen, verbreitet sich auch in Salzburg. „Jugendliche verschönern sich auf Bildern“, bestätigt Aline Halhuber-Ahlmann, Geschäftsführerin des Salzburger Frauengesundheitszentrums. Bildbearbeitung und Filter werden auf Instagram massiv verwendet, auch von Salzburger Jugendlichen. Es beginnt schon bei der Pose, die einen  schlank wirken lassen soll. Halhuber-Ahlmann: „Man steht mit nach hinten versetztem Bein da, damit die Beine länger und dünner aussehen.“ Burschen kämen auch zunehmend unter Druck, schön auszusehen.

Die Social Media Version. Bild: RANKINPHOTOGRAPHY LTD

Am meisten betrifft das Thema aber Mädchen. „Wie die sich entstellen, ist bedauerlich“, sagt Halhuber-Ahlmann. Es zeige, dass sich junge Frauen nicht mögen, wie sie sind. „Sie glauben, um für andere attraktiv zu sein, müssen sie ihre Bilder so bearbeiten, dass sie ihnen gar nicht mehr entsprechen.“ Die Likes gälten eigentlich nicht ihnen selbst, sondern ihrer Kunst im Fotobearbeiten. Das mache nicht glücklich. Im Gegenteil. „Der Vergleich macht sie unsicher. Wer hat denn bitte so eine makellose Haut wie auf den Instagrambildern?“, sagt Halhuber-Ahlmann, selbst Mutter einer Tochter. Immer mehr Mädchen glaubten, perfekt aussehen zu müssen.

 

Der Druck steigt mit lauter perfekten Bildern in den Sozialen Medien. Traut sich jemand, unbearbeitete Bilder ins Netz zu stellen, riskiert er gehässige Kommentare. „Bodyshaming“, das gemeine Heruntermachen von Körperteilen anderer Menschen, ist ein wachsendes Problem.

 

Die perfekten Bilder, von denen die Jugendlichen mehr und mehr konfrontiert sind, drücken auf den Selbstwert. „Die Bilder gehen in die Seele.“ Im Vergleich zum eigenen Spiegelbild werde man unzufrieden. Der ästhetische Druck macht die Pubertät noch ein Stück schwieriger als sie es ohnehin schon ist. „In der Jugend wird das Selbstbild neu geschaffen. Bilder sind eine zusätzliche Verunsicherung“, erklärt Halhuber-Ahlmann. Jetzt werde vieles auf das Aussehen projiziert, was eigentlich eine Identitätsfindung sei. Gerade in dieser Lebensphase ist es laut Halhuber-Ahlmann „verdammt hart, bei den schönen Bildern nicht mitzumachen.“ Bilder zu bearbeiten, gebe vielen Jugendlichen auch das Gefühl von Kontrolle.

 

Selbst Erwachsene wollen  schön sein. „Ich will auch lieber von oben fotografiert werden“, so Halhuber-Ahlmann. Dass Mädchen und Frauen allerorts mit  unrealistischen Frauenbildern konfrontiert werden, habe System. „Wir sollen unzufrieden sein, dann konsumieren wir Produkte, die die Wirtschaft an uns verkaufen kann“, meint die Expertin mit Verweis auf Diätprodukte, Kosmetika oder Fitnessstudios. Die Wirtschaft würde „den Bach runtergehen“, wenn eines Morgens alle Frauen aufwachen und mit sich zufrieden wären.

Kommentare vermeiden

Tipp an Eltern, um übersteigerten Körperkult bei ihren Kindern vorzubeugen: Wichtig ist eine gute Beziehung und zu betonen, was die Kinder machen, nicht wie (schön, wie süß, wie schlank, wie stark) sie aussehen. „Eigentlich sind alle Körperkommentare Mist.“ Gemeinsames Erleben sei hilfreich. Gemeinsam Dinge machen, die einen nähren, wie zum Beispiel Tanzen, Malen, Sport, Freundschaften pflegen. Hilfreich ist es auch, den Blick seiner Kinder dafür zu schärfen, wie viel Bearbeitetes um einen herum ist.
Das Frauengesundheitszentrum ist übersiedelt: Zentrum Herrnau, Alpenstraße 48, 1. St.

Von Sabine Tschalyj