Bienen helfen überall. Auch in Afrika.

Im Senegal errichtet die Salzburgerin Eva Mück mit ihrem Verein Diamani Kouta ein „Agrarland zum Bleiben“.

Viele Afrikaner fragen mich, ob ich ihnen helfen könne, nach Europa zu kommen, weil sie im Internet sehen, in welchem Luxus wir leben. Ich sage allen: Bleibt zuhause. Es geht euch besser hier. Wenn ihr Unterstützung habt“, sagt Eva Mück. Und die Salzburgerin gibt sie ihnen – in Form von Arbeitsplätzen. Seit mehreren Jahren engagiert sie sich in dem Dorf Kafountine im westafrikanischen Senegal. Gemeinsam mit dem Afrikaner Mamakeh Bodian gründete sie die Non-Profit-Organisation „Diamani Kouta – New Generation“.

Die Frauen im Dorf wissen am Morgen oft nicht, womit sie am Abend ihre Kinder ernähren können. Bild: Diamani Kouta

Ihr Ziel: Den Menschen eine lebenswerte Basis in ihrem Dorf zu schaffen. Dafür errichtete sie bereits ein Fischerboot, das bis zu 50 Männern Arbeit gibt. Ein zweites befindet sich zurzeit in Bau. Ein Hauptaugenmerk Mücks liegt auf den Frauen und Kindern. Für sie kaufte sie mit ihrem Verein Grundstücke an, um ein „Agrarland zum Bleiben“ zu schaffen. Auf zwei Hektar Fläche werden dort Obst, Gemüse, Reis und Kräuter angebaut werden, die Fläche wurde soeben gerodet.

Rund 60 Frauen will Mück auf dem Feld und beim Verkauf der landwirtschaftlichen Produkte beschäftigen. Läuft das Projekt gut, könnten es gar bis zu 100 Frauen werden, die hier Arbeit finden. Denn den Menschen mangelt es im Dorf an Wesentlichem. „Viele der Frauen leben von der Hand in den Mund, wissen am Morgen nicht, womit sie am Abend ihre Kinder ernähren sollen“, erzählt Eva Mück.

Honig statt Zucker: Gesund und hilft der Natur

Ihr jüngster Coup: Mit Nouha Diatta fand sie einen Imker, der das Dorf mit Honig versorgen wird. „Eigentlich wollte er schon wegziehen in Richtung Dakar, jetzt bleibt er“, freut sich Mück. Im Honig sieht sie eine wichtige Alternative zum Zucker, der im Dorf in Massen konsumiert werde. Viele litten an Diabetes, die Kinder hätten schlechte Zähne, weiß Mück. Zudem will sie damit einen Beitrag gegen das weltweite Bienensterben leisten.

Imker Nouha Diatta versorgt das Dorf mit Honig. Er braucht dafür noch Ausrüstung.  Bild: Diamani Kouta

Mück unterstützt mit ihrem Verein auch die Infrastruktur im Dorf. So konnte sie die einzige Dorfapotheke wieder aktivieren. Auch fördert sie einen Kindergarten, denn: „Bildung fängt bei den Kindern an. Ich hoffe, über sie auch die Mütter zu erreichen.“ Was Gesundheit und Ernährung angehe, gebe es nämlich große Wissensdefizite. So hat Mück aktuell in Salzburg mithilfe von AVOS einen Plan zur Mundhygiene erarbeitet, den sie im Kindergarten umsetzen will.

Mücks langfristiges Ziel ist es, das Dorf in die Unabhängigkeit zu führen, sodass es ohne fremde Hilfe funktioniere. „Ich wünsche mir, dass wir mit unserem Verein die Kinder einmal vom Kindergarten bis zur Ausbildung unterstützen können, vielleicht sogar selbst Lehrlinge ausbilden.“ Über 90 Prozent der Menschen im Dorf hätten keine Ausbildung oder brachten sich ihre Fähigkeiten selbst bei, schätzt Mück.

Die Salzburgerin gibt sich keinen Illusionen hin, dafür engagiert sie sich schon zu lange in Afrika. „Ich werde hier respektiert, aber ich sage immer, ich bin keine weiße Afrikanerin, ich bin Europäerin. Manches verstehe ich bis heute nicht – und werde es wohl nie verstehen“, lacht Mück. Manch kulturelle Unterschiede müsse man einfach akzeptieren, bei Rückschlägen knickt Mück nicht ein. Denn die Erfolge sind bei ihrem Projekt sichtbar. Zum Beispiel in Form eines Traktors, den Mück mit Unterstützung des Lions Club Hohensalzburg erwerben konnte. Dieser ist auch als Transportmittel im Einsatz. Nun hofft Mück, das landwirtschaftliche Zubehör wie Pflug oder Egge finanzieren zu können.

Das Trinkwasser im Dorf ist stark verschmutzt. Viele der Kinder erkranken daran. Auch da möchte Eva Mück ansetzen – ihr schwebt vor, Wasserfilter in die Brunnenanlagen einzubauen. Bild: Diamani Kouta

Mit Salzburger Hilfe – auch das Land Salzburg unterstützt den Verein – werden ein Brunnen und eine Bewässerungsanlage für das „Agrarland zum Bleiben“ gebaut. Aktuell bereitet Mück einen Container mit Sachspenden vor, der Anfang Mai nach Afrika verschifft wird. Was sie noch bräuchte, sind Ausrüstung für den Imker, Kindergarten-Einrichtung (Sessel, Tische) aber auch Schul- und Malmaterialien.

Wer den Verein unterstützen will, erfährt hier mehr: https://diamanikouta.com

Von Petra Suchanek