Weg mit dem Dreck!

Engagierte Salzburger sammeln fremden Müll ein. Jetzt im Frühling haben sie Hochsaison.

Sie wollen die Stadt Salzburg ein bisschen besser machen. In Salzburg haben sich einige Initiativen gegründet, die zusätzlich zur städtischen Müllabfuhr Müll-Hotspots reinigen.  Jüngstes Beispiel sind die „Anonymen Aufräumer.“  Sie grasen seit vergangenem Herbst ein Mal im Monat das Salzachufer oder den Mönchsberg ab.
Bis zu 15 Engagierte –  Männer, Frauen und Kinder – klauben jenen Mist auf, den andere Leute achtlos weggeworfen haben.  Initiator ist der Werbeunternehmer Chris Messmer.
Ihm hatte es im Vorjahr gereicht. Messmer: „Ein junger Mann warf neben einem Mistkübel seine Getränkedose  einfach auf den Boden. Ich habe sie aufgehoben und ihm gesagt, er habe etwas verloren.“ Woraufhin der junge Mann betreten die Dose in den Mistkübel gesteckt habe. Von den  Anwesenden habe niemand etwas gesagt. „Das sollten wir aber!“, findet Messmer.
Er wünscht sich mehr Respekt für die Menschen, die nach einem einen Ort besuchen. Zuletzt war die  Gruppe am Mönchsberg unterwegs. Als Nächstes geht es am Freitag, 29. März um 16 Uhr in den Donnenbergpark. Neue Freiwillige sind  willkommen. Sie finden auf Facebook alle Infos über die „Anonymen Aufräumer.“

Wollten Sie nicht auch längst schon einmal aufräumen?

Weil die Stadtberge immer mehr verdreckt werden, greifen Bergfreunde schon seit Jahren am Gaisberg zur Selbsthilfe und zugleich zur Greifzange. Auch heuer. „Zum Muttertag hin räumen wir wieder den Gaisberg auf“, sagt Christa Helpferer von der Alpenverein-Sektion Salzburg. Gemeinsam mit dem Naturschutzbund und  Gästen der Gaisbergspitzenwirte „Kohlmayr’s“ und „Wirtschaft am Spitz“ sammelt man Papierln, Flaschen und  Unmengen Zigarettenstummel  ein.
„Furchtbar überhand nehmen die Zigaretten“, schildert Helpferer.

Rauchen am Berg – bitte mit Taschenbecher. Den bekommt man im Nonntal beim Alpenverein. Bild: Alpenverein

Raucher wüssten nicht, dass ein in die Erde getretener Stummel 60 bis 80 Liter Grundwasser verschmutze. Dabei ginge es anders. Auf Helpferers Idee hin verkauft der Alpenverein kleine „Taschenbecher“, in die fünf bis sechs Stummel ausgerauchter Zigaretten passen. (Die Becher sind erhältlich in der Nonntaler Hauptstraße 86, Tel.: 0662-822692, Stückpreis 2 Euro).  Beim Gaisbergputz kommen jedes Mal 15 bis 30 große Säcke voll Müll zusammen.
Die Stadt kooperiert mit den Freiwilligen. Sogar Volksschulkinder gehen mit ihren Lehrerinnen in der Stadt Müllaufklauben. Unternehmen wie DM lassen sich auch bereits begeistern und schicken zum Müllsammeln Lehrlinge, schildert Jürgen Berner vom Ordnungsamt.  Er versorgt die privaten Müllklauber mit Handschuhen, Greifzangen und Sammelsäcken.  Die Säcke holt die Müllabfuhr ab. Dass der städtische Osterputz  heuer erst von 8. bis 12. April erfolgt, liegt am späten Osterdatum. „Der frühere Bürgermeister Heinz Schaden hat immer gesagt, zu Ostern muss die Stadt sauber sein“, so „Mister Osterputz“ Berner.

Städtischer „Osterputz“ heuer erst ab 8. April

Im Rahmen der Aktion räumen mehr als 100 Mitarbeiter von Ordnungsamt, Gartenamt und Straßen- und Brückenamt Rollsplitt und auf den Boden geworfenen Müll aus der Stadt weg.  Berner schätzt die gesammelte Menge samt Splitt auf  30 bis 50 Tonnen Gewicht.  „Wir fahren den Müll in den Recyclinghof, zeichnen aber keine Mengen auf.“   Besonders der Kleinmist nimmt zu. „An Wegen durch den Wald und an der Salzachböschung wird es Jahr für Jahr ärger“, sagt Berner.
Der Höhepunkt steht unmittelbar bevor: Im April, bevor die Freibäder aufsperren, ist das rechte Salzachufer zwischen Überfuhrsteg und Makartsteg einer der vermülltesten Bereiche der Stadt. „Wenn die Leute einfach nur ihren Mist entsorgen würden“, wünscht sich eine Fenster-Leserin, die täglich über den Überfuhrsteg radelt.

Viele Leute lassen alles liegen

„Klar wollen viele Leute bei schönem Wetter im Freien sitzen, jausnen und  feiern. Aber da schaut’s dann aus, wenn die weg sind!“, schildert Jürgen Berner.
Vielen fehle wohl  jegliches Unrechtsbewusstsein. „Die lassen  alles liegen.“ Berner kommt schon vor dem Osterputz zwei Mal pro Woche mit zwei Saubermachern. Sie durchkämmen den Grünstreifen auf Weggeworfenes, damit die Böschung wieder zum Verweilen einlädt.
Die Stadt  ruft ab sofort wieder dazu auf, vermüllte Plätze oder wilde Mülldeponien zu melden (Tel.: 0662-8072). „Wir sehen ja auch nicht alles“, sagt der Mann vom Ordnungsamt.
Manche Salzburger verstünden den Aufruf falsch. Berner: „Einer wollte, dass wir seinen Keller ausräumen, ein anderer wollte seinen Gartenschuppen loswerden. Solche Anrufer reagierten oft sehr pampig.

Von Sabine Tschalyj

Bild oben: Sie wollen  unerkannt bleiben und packen einfach an: Die Anonymen Aufräumer organisieren über Facebook ihre Aktionen wie hier an der Salzach-Böschung. Bild: Chris Messmer