Salzburger Muggel gründet Quidditch-Team

Ein magisches Spiel ist in Salzburg eingezogen. Seit März gibt es eine Quidditch-Mannschaft. Fragen Sie sich gerade was Quidditch ist?

Harry-Potter-Fans wären bei so viel Unwissenheit vermutlich enttäuscht. Denn: Quidditch ist der berühmteste Sport der Zaubererwelt.
Obwohl es sich eigentlich um einen fiktiven Sport handelt, wird er auch außerhalb der Harry-Potter-Romane unter Muggel (Nichtmagier) immer populärer.

Auf die Besen, fertig, los: Auch Salzburger spielen den Zauberersport.

„Besen hoch!“, brüllt Quiddtich-Trainer Richard Frasl. Er ist der Pionier des Zauberersports in Salzburg und trainiert seit Anfang März sein eigenes Team.

Zwölf Spieler stürmen auf die vier Bälle zu, die in der Mitte des Spielfelds liegen. Die Besen haben sie dabei zwischen die Beine geklemmt. Sie krachen aufeinander. Ein „Jäger“ schnappt sich den „Quaffel“, einen rot-blau gestreiften Volleyball. Er rennt los und zielt auf einen der Ringe des gegnerischen Teams. Deren „Hüter“, sprich der Torwart, versucht dazwischen zu springen. Doch er hat keine Chance: Der Ball fliegt durch den mittleren Ring. Das gibt zehn Punkte.
Für Jubel ist nicht viel Zeit, das Spiel geht sofort weiter. Ein gegnerischer „Jäger“ ist nun im Besitz des „Quaffels“. Er rennt los, doch ein zweiter weicherer Ball trifft ihn an der Brust. Er muss den „Quaffel“ fallen lassen, denn der gegnerische „Treiber“ hat ihn mit einem „Klatscher“ abgeworfen.

Trainer Richard Frasl erklärt: „Reales Quidditch funktioniert ähnlich wie Zaubererquidditch.“ So gibt es wie in der Vorlage von J. K. Rowling drei „Jäger“, zwei „Treiber“ und einen „Hüter“. Auf dem Boden ergibt das eine Mischung aus Völkerball, Handball und Rugby.

Neutraler Spieler ist der Schnatz

Soweit ist alles klar. Doch ein Ball und zwei Spieler fehlen im realen Quidditchspiel noch: der „Schnatz“ und dessen „Sucher“. Doch wie bringt man einen kleinen goldenen Ball zum Fliegen? Gar nicht. Denn: Der „Schnatz“ ist im Muggel-Quidditch eine in gelb gekleidete Person. Hinten aus  dem Hosenbund baumelt ihr eine Socke, in der ein Tennisball steckt. Kommt ein Sucher an diesen heran, ist das Spiel beendet.

Damit sie sich nicht ab der ersten Spielminute  auf den „Schnatz“ stürzen, kommen alle drei erst in der 18. Minute auf das Feld. Und dann wird es ernst. Es geht um die entscheidenden Punkte zum Sieg. Frasl: „Quidditch-Spieler sollten nicht zimperlich sein. Die Spieler kämpfen ähnlich wie im Rugby um den Ball.“
Harry-Potter-Fans spielen laut der Internationalen Quidditch Association in mehr als 40 Ländern den Zauberersport. Die Regeln des realen Quidditch erfanden im Jahr 2005 zwei kanadische – wie soll es auch anders sein – Studenten. Was zuerst
im kleinen Rahmen begann, entwickelte sich schnell zu einer international bekannten Sportart. In Österreich gab es bisher drei Teams, zwei davon in Wien und eines in Graz. Dazu kommen nun die „Fortress Falcons“ in Salzburg – und auch ein neu gegründetes Team in Innsbruck.

Salzburger Team sucht Trainer

Seit 2008 gibt es sogar eine Quidditch-Weltmeisterschaft. Österreich ergatterte  im vergangen Jahr den zehnten Platz – 29 Teams traten an. Einer, der Österreich mit verteidigte, ist Oskar Schweighofer. Er spielt nicht nur im Nationalteam, sondern trainiert auch jenes in Graz.
Schweighofer: „Früher war Quidditch ein Sport für Harry-Potter-Nerds. Heute ist das anders.“ Die Spieler im Nationalteam seien Top-Athleten.  Schweighofer spielte Quidditch zum ersten Mal im Schnuppertraining des Wiener Teams. Genauso war das bei Richard Frasl, bevor er den Sport nach Salzburg brachte. Er selbst sei noch lange kein Profi. Deshalb ist er auf der Suche nach einem zweiten Trainer. „Sollte es in Salzburg einen Harry-Potter-Fan und Quidditch-Experten geben, darf er sich gerne bei uns melden.“

Am 27. März gibt es um 18 Uhr ein Schnuppertraining. Ohne Anmeldung auf der Wiese neben dem Unipark.

Fliegen ohne Zauberei. Bilder 1-5: Anna Boschner

Anna Boschner