Der europäische Blick ist nicht alles

Und jener Hollywoods auch nicht, zeigt das Salzburger Filmkulturzentrum Das Kino beim Lateinamerika-Filmfestival von 20. bis 31. März.

Es gibt über 190 Staaten auf dieser Erde, und doch haben wir Mitteleuropäer meist nur das Geschehen im eigenen (und da eher westlichen) Kontinent im Blick. Und natürlich die USA. Das gilt für die Nachrichten, aber auch für die Literatur und noch vielmehr für die Leinwand. Wer ins Kino geht, findet Blockbuster aus Hollywood und vielleicht noch die eine oder andere deutschsprachige Komödie. Anders in den Programmkinos. Dort sieht man die Welt auch durch den einen oder anderen ungewohnten Blickwinkel.

In geballter Form geschieht dies ab 20. März in Salzburg, wenn Das Kino und das Lateinamerika-Komitee Salzburg zum 13. Mal das zeitgenössische Filmschaffen Lateinamerikas in den Fokus rücken. Rund 30 Spiel- und Dokumentarfilme aus 11 der insgesamt 27 zu Lateinamerika zählenden Länder sind vertreten.

Den Auftakt zum zehntägigen Festival macht mit „Yuli“ die berührende Verfilmung der Lebensgeschichte des kubanischen Ballettstars Carlos Acosta durch den spanischen Regisseur Icíar Bollaín.

Apropos Kuba: Vor 60 Jahren fand auf der Zuckerrohrinsel die kubanische Revolution statt. Der Wiener Regisseur Walter Größbauer macht aus diesem Anlass in seiner Dokumentation „Winter in Havanna“ eine filmische Bestandsaufnahme. Er wird bei der Salzburg-Premiere anwesend sein. Natürlich treten die Menschen Lateinamerikas nicht nur als Protagonisten auf, sie zeigen ihren Blick auf die Welt auch hinter der Kamera.

Mehr als die Hälfte der Filme stammt von Regisseurinnen

Dieser wird in Lateinamerika zunehmend weiblich. Eine Tatsache, der das Festival Rechnung trägt. Mehr als 50 Prozent der Filme stammen von Regisseurinnen, mehr als die Hälfte widmen sich weiblichen Themen mit ebensolchen Protagonistinnen.

Argentinien gilt als eine der großen Filmnationen Lateinamerikas. Dort ist auch Lucrecia Martel tätig, eine der Begründerinnen des Hyperrealismus im Lateinamerikanischen Kino, die als Regisseurin Pionierarbeit leistete. Anlässlich ihres neuen Films „Zama“ zeigt das Festival eine Werkschau. Die Einführung dazu steuert einer ihrer einstigen Studenten bei: der Salzburger Filmemacher Lukas Valenta Rinner, der in Argentinien seine zweite Heimat fand.

Auch für das Filmeschaffen kleinerer Länder ist Platz, so stehen heuer Beiträge aus Paraguay, der Dominikanischen Republik, Ecuador und Costa Rica auf dem Programm. Mexiko ist hierzulande in vieler Munde, zumindest was das Essen betrifft. Dass es auch eine aufstrebende Filmnation ist, dürfte weniger bekannt sein. Das Festival widmet ihm daher einen Schwerpunkt.

Ein weiterer Fokus liegt auf neuen Formsprachen und – bei den Dokus – auf Familiengeschichten. Den Auftakt macht „Mamacita“, der in Anwesenheit von Regisseur José Pablo Estrada Torrescano seine österreichische Erstaufführung erfährt. Wie immer laufen die Filme im Original mit Untertitel. Anstrengend? Macht Lust auf Urlaub!

Termin: 20. bis 31. März, Das Kino, www.daskino.at

Von Petra Suchanek

Am Bild: Der Eröffnungsfilm „Yuli“ erzählt die Lebensgeschichte des kubanischen Tänzers Carlos Acosta. Bild: Polyfilm