In der Fastenzeit bleibt das Auto in der Garage

Die Aktion „Autofasten“ will dazu anregen, den eigenen Lebensstil zu überdenken und den CO2-Ausstoß zu reduzieren.

Ohne Auto geht gar nichts, der Griff zur Autotür ist für viele fast schon ein Reflex. Oft ist es die eigene Bequemlichkeit, die einen daran hindert, den Pkw stehenzulassen und das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel zu nehmen.

Das kennt auch Klaus Leisinger gut. Der dreifache Familienvater ist Pastoralassistent in Kuchl. „Ich bin ja eher der Schönwetterradler und fahre nur, wenn es warm ist. Heute hab ich mich aber zum Radeln durchgerungen, obwohl es noch kalt ist. Die Sonne schien, es war so schön! Ich bin froh, dass ich es gemacht habe“, sagt Klaus Leisinger, als er die fünf Kilometer von seinem Zuhause bis zum Pfarrhof bewältigt hat.

Pünktlich zum Aschermittwoch setzte er damit seinen persönlichen Auftakt zur österreichweiten Aktion „Autofasten“, welche die evangelische und die katholische Kirche 2005 gestartet haben. Leisinger fährt E-Bike, schließlich hat er auf seinem Weg manch Steigung zu bewältigen. Der Strom dazu kommt aus der hauseigenen Photovoltaikanlage.

Vier von zehn Fahrten kürzer als fünf Kilometer

Ziel der Aktion ist es, die Menschen zu bewegen, das Autofahren in der Fastenzeit zu reduzieren oder ganz darauf zu verzichten. So wie viele die 40 Tage vor Ostern auf Fleisch, Alkohol oder Süßes verzichten. „Letztes Jahr haben sich 17.000 Menschen auf www.autofasten.at registriert“, freut sich Kathrin Muttenthaler, Umweltreferentin der Erzdiözese Salzburg.

Auch ohne Registrierung kann man mitmachen, die Teilnehmerzahl dürfte also viel höher sein. Die Homepage bietet Tipps und Anregungen, Schulmaterial und einen Selbsttest, wie viele Kilometer man einspart. Die Aktion geht zwar von der Kirche aus, hat aber viele Verbindungen in die Zivilgesellschaft. Auch Stadt und Land Salzburg unterstützen sie.

„Im Vorjahr haben sich 17.000 Menschen registriert“, freut sich Kathrin Muttenthaler, Umweltreferentin der Erzdiözese Salzburg.

Muttenthaler: „Jeder Kilometer, der nicht gefahren wird, hilft, egal von wem.“ 40 Tage seien ein überschaubarer Zeitraum, es einmal zu versuchen. Denn alle schimpften über Stau, trotzdem steige jeder ins Auto. „Wir wollen das Auto aber nicht verteufeln, sondern zum bewussten Hinschauen anregen. Wo es ohne Auto schwer geht, kann man vielleicht Fahrgemeinschaften bilden.“

Wie Klaus Leisinger geht es übrigens vielen Salzburgern. Vier von zehn Autofahrten sind laut VCÖ hierzulande kürzer als fünf Kilometer. Dabei würde jeder, der 1000 Kilometer weniger fährt, rund 200 Kilogramm CO2 reduzieren. Es gibt also Einsparungspotenzial.

Das sieht auch Eva Pohn-Weidinger so: „Oft erreicht man die Erwachsenen über die Kinder“, weiß die einstige Lehrerin und Politikerin, die im Umweltausschuss der Pfarre Kuchl sitzt. „Deshalb verteilen wir an der Volksschule Flyer, Mitmachkalender und Äpfel als Belohnung.“

Ist es für Leisinger ein Ziel, das Autofahren zu reduzieren, so bewegt sich Pohn-Weidinger schon jetzt fast nur mit Rad und Öffis durchs Leben. Sie hofft, das Autofasten ist vielen Anstoß, über die Fastenzeit hinaus ökologischer zu leben. Anreize braucht es, sind sich die beiden Kuchler einig. Und wer, wenn nicht die Kirche, sei prädestiniert dafür, die Schöpfung zu bewahren. Schließlich habe auch Papst Franziskus in seiner Umweltenzyklika „Laudato si“ angesichts des Klimawandels zu einer Änderung des Lebensstils aufgerufen.

Die Aktion Autofasten läuft noch bis 20. April; Infos, Newsletter etc. auf www.autofasten.at

Von Petra Suchanek

Am Bild: Klaus Leisinger und Eva Pohn-Weidinger machen in Kuchl fürs Autofasten mobil. Bild: Suchanek

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