E-Rollertrend erobert Österreichs Städte

Nach Wien gibt es bald auch in Wels und Linz E-Roller zum Ausleihen. Sechs Firmen klopften in Salzburg schon an.

Zunächst aus Holz, dann  aus Aluminium, jetzt mit Turbo: Die Rede ist von jenem  Roller, mit dem man nicht schweißgebadet in der Uni oder im Büro ankommt.
Der Trend der Elektroroller zum Ausleihen kommt aus San Francisco. Doch auch die Österreicher sind begeistert. Seit letztem Herbst bringt eine Firma nach der anderen  die Roller auf den Asphalt. Nach Wien folgen nun Linz und Wels.

In Salzburg gibt es noch keine Leihstationen für die flotten Roller. Das könnte sich jedoch ändern, denn einige Anbieter fragten in der Mozartstadt schon an. Aber ist genug Platz in der Stadt?
Salzburgs Radverkehrskoordinator Peter Weiß: „In den letzten Wochen kontaktierten uns sechs Firmen per E-Mail. Vertreter von Wind und Lime luden wir zum Gespräch ein.“ Gehe es nach dem US-Unternehmen Lime, könnte es in  Salzburg schon bald 750 Elektroroller geben.

Salzburger Radwege sind eindeutig zu eng

Obwohl wie erwähnt  schon einige Anfragen vorliegen, wäre in Salzburg eine Fülle von Anbietern wie sie in Wien  existiert unerwünscht.  Weiß: „Bei uns ist nicht genügend Platz. Das wäre ein Chaos.“ Weil Plätze, Straßen und Radwege in Salzburg bereits ausgelastet sind, müssten für die 25 km/h schnellen E-Roller klare Regeln gelten.
Weiß schlägt Stationen vor, an denen die Kunden die Roller abholen und auch nur dort wieder abstellen können. Bisher lassen Nutzer von   E-Rollern  die Gefährte in anderen Städten oft an x-beliebigen Stellen zurück –  es gelten unterschiedliche anbieterspezifische Vorschriften.  Zudem müsste es in der Altstadt Zonen mit einem Fahrverbot für Roller geben. „Für Salzburg wäre das auf jeden Fall die Getreidegasse“, sagt Weiß. In anderen Städten existieren bereits Geschwindigkeitsbegrenzungen und Fahrverbote. Fährt der Nutzer in einen dieser Bereiche, verlangsamt sich der E-Roller automatisch oder schaltet sich ab.

Vielleicht gehört auch das bald zum Stadtbild in Salzburg. Bild: Pixabay

Mehr Rad- und Rollerfahrer bedeute wiederum mehr Stress- und Streitpotenzial auf der Straße. Einziger Ausweg: Breitere Radwege.  Handlungsbedarf sieht der Experte dort, wo am meisten los ist, wie am Salzachradweg. Sollten die E-Roller wie in Wien boomen, müsste dieser Weg zumindest auf einer Seite durchgehend drei Meter breit sein.

Rechtliche Regelung bislang Ländersache

Kommen die Roller, reichen die derzeitigen Radwege in den unfallreichsten Zonen der Stadt wohl nicht aus. Ein extrem gefährlicher Bereich für Radfahrer ist der Kreisverkehr vor dem Nelböckviadukt am Bahnhof. Auch vor der Zufahrt zur Gebietskrankenkasse lauert Gefahr.
Werde an diesen Stellen nichts verändert, seien weitere Konflikte vorprogrammiert. Dennoch: „Rad- und Rollerfahrer müssen nebeneinander Platz finden und Rücksicht nehmen, dann ist der E-Roller auch in Salzburg eine gute Alternative zum Auto.“
Dass Handlungsbedarf besteht, weiß auch die Politik. Leitprojekt der Radverkehrsstrategie 2025+ der Stadt Salzburg ist ein attraktives, sicheres Radhauptnetz. Jährlich sollen zwei Millionen Euro investiert werden, um den Radverkehrsanteil bis 2025 von 20 auf 24 Prozent zu steigern, beschloss der Gemeinderat in der Vorwoche.

Wer „rollert“, sollte auch die Rechtslage im Blick haben. Das Verkehrsministerium ordnet E-Scooter als „fahrzeugähnliches Kinderspielzeug“ ein. Demnach dürften Rollerfahrer  nur die Gehwege benutzen.  Die Stadt Wien macht bislang die einzige Ausnahme, sie setzt E-Roller mit Fahrrädern gleich. Das ist möglich, weil der Vollzug der Straßenverkehrsordnung Ländersache ist. In Wien gilt: Das Fahren von Elektrorollern ist ausschließlich auf dem Radweg erlaubt. Ist keiner vorhanden, muss man auf die Straße ausweichen.
Solange in Salzburg E-Roller als Kleinspielzeug gelten, „plant  Lime jedenfalls keine  Expansion hierher. Das wäre sinnlos.“

Zum Ausleihen wird eine Kreditkarte benötigt

Wie funktioniert das Leihen von Elektrorollern? Bei allen Anbietern ähnlich: Der Kunde  benötigt eine Kreditkarte und die App des jeweiligen Anbieters auf dem Mobiltelefon. Die Grundgebühr beträgt meist einen Euro, der Minutenpreis 15 Cent. Nach dem Scannen eines QR-Codes auf dem Roller mit der Handy-Kamera wird dieser aktiviert.

Anna Boschner