„Ich hebe das Fahrverbot wieder auf“

Harald Preuner hält die Autosperre des Neutors für wahlentscheidend. Der amtierende Bürgermeister will die rotgrüne Mehrheit brechen. Und „moderat“ führen.

Herr Preuner, Sie sind zuletzt  gegen SPÖ-Vize Bernhard Auinger um 294 Stimmen vorn gelegen. Werden Sie zulegen?
Harald Preuner: Von meinem Gefühl her werde ich jetzt weiter  vorn liegen, weil ich in den letzten 14 Monaten zeigen konnte, dass ich so ein Amt führen kann. Ich habe von Anfang an alle Fraktionen eingebunden, weil das meinem Politikverständnis entspricht. Die Leute sagen mir, mit meiner ausgleichenden Art ist das jetzt angenehmer als bei meinem Vorgänger, der sehr machtbewusst war und einem Freundlichkeiten über die Medien ausgerichtet hat.

Das Bürgermeisterbüro schaut jetzt sehr barock aus, ein bisschen museal.
Das passt zum Haus. Ich habe meine Möbel mitgenommen, der Kollege Auinger wollte lieber die modernen Möbel meines Vorgängers haben. Ich habe den Schreibtisch und den Besprechungstisch umgestellt, so dass die Besucher wieder den schönsten Ausblick im Schloss genießen können. Außerdem sind die Türen immer offen. Meine Sekretärinnen haben damit am Anfang ein bisschen zu kämpfen gehabt. Ich bin da ziemlich offen und locker.

Man sagt, Sie seien eher ein Verwalter als ein Gestalter. Was sagen Sie? 
Da muss ich schmunzeln, das höre ich, seit ich Vizebürgermeister war. Heinz Schaden war ein dominanter Amtsinhaber, der bis zuletzt sehr gute Umfragewerte hatte. Wenn man so jemanden öffentlich   angreift, macht einen das automatisch unsympathisch. Ich habe gewusst, bei dem Regime, das in der SPÖ geherrscht hat, irgendwann wird ein Zeitfenster aufgehen, wo man da sein muss.

Die FPÖ will eine bürgerliche Mehrheit. Sie auch?
Ich bin für alles offen, ich habe  keinen Lieblingspartner. Entscheidend sind die Themen.

Glauben Sie, dass das Fahrverbot im Neutor wahlentscheidend sein wird?
Mir war klar, dass etwas kommen wird, weil der Wahlkampf so dahingeplätschert ist. Wenn man so eine sinnlose Einzelmaßnahme macht, weil man offenbar schlechte Umfragewerte hat und nicht vom Fleck kommt, ist das unfair. Der Hausverstand sagt mir: Wenn ich diese Durchfahrt schließe, steigt kein einziger Autofahrer auf den öffentlichen Verkehr um. Das ist es, was ich an der Maßnahme so anprangere. Die Stadt und das Land bemühen sich, seit ich im Amt bin, ein überregionales Verkehrskonzept auf die Füße zu stellen.

Man will doch heute Städte, die für  Menschen da sind  und nicht für Autos.
Mit der Sperre wird kein einziges Auto aus dem Verkehr herausgenommen. Sie verteilen sich nur auf andere Stadtteile. Ich würde sofort beim Rotkreuz-Parkplatz  einen Kreisverkehr bauen. Das würde diese sinnlose Kranzlfahrerei  abstellen, und es tut keinem anderen Stadtteil weh. Man muss eine Begegnungszone ohne Zebrastreifen und Gehsteige schaffen. Aber es geht jetzt nur um das Signal: Wir sperren! Ob die Touristen es ein bisschen ruhiger haben oder die Lehener noch mehr Verkehr, ist manchen dabei egal.

Salzburg hat auch ein Problem mit dem Tourismus, Stichwort Reisegruppen.
Wir setzen gerade ein Tourismuskonzept 2030 auf. Denn wir müssen wissen, von welchen Touristen wir reden.  Auf unsere Nächtigungsgäste wollen wir nicht verzichten, die lassen viel Geld in der Stadt, weil unsere Hotellerie tolle Produkte bietet. Nur sie werden auf dem amerikanischen und asiatischen Markt aktiv beworben. Bei den Tagestouristen gibt es die Leute, die aus Bayern, Gastein, Zell am See kommen, einkaufen, Kaffee trinken. Die dritte Gruppe regt die Einheimischen zunehmend auf, das sind die  Reisegruppen, und da speziell die Asiaten, weil die  zu 40, 50 und recht massiv durch die Gegend laufen. Das ist auch eine Mentalitätsfrage. Mit dem Online-Booking sind wir von 50.000 auf 40.000 Busse im Jahr heruntergekommen. Das ist viel.

Es gibt die Forderung, den Terminal Paris-Lodron-Straße zu schließen.
Das klingt so einfach. Ich lade alle ein, sich die Praxis anzuschauen. Was haben wir erlebt? Die überwiegende Zahl der Busfahrer war zufrieden, weil sie auf den Park-and-Ride-Plätzen endlich einen Parkplatz haben. Etliche halten sich aber nicht daran. Denen sind die 24 Euro noch zu viel. Die haben die Leute in den Bushaltestellen auf dem Mirabellplatz aussteigen lassen, hinter dem Neutor aussteigen lassen. Ich habe es selbst erlebt, dass ein Reisebus beim Hofwirt steht, und die Asiaten gehen im Gänsemarsch die Linzer Gasse hinunter. Wir reden gerade mit den Stadtführern, wie man die Gruppen  kleiner machen kann, sie aufteilt. Wir können die Stadt ja nicht zusperren.

Kommt eine Stadtwache?
Sicher nicht so, wie die Freiheitlichen das wollen, dass welche mit Schlagstöcken und Pfefferspray herumrennen. Ich will das zuständige Ordnungsamt personell aufstocken. Die haben dann das Alkoholverbot am Bahnhof, die Spielplätze, die Hunde zu kontrollieren.

Sonja Wenger