Ein Platz voll Licht und Schatten

Kürzlich ist im Müry-Salzmann-Verlag ein neues Buch über die Geschichte des Residenzplatzes erschienen.

Jetzt, wo die Sonne langsam ihre volle Kraft entfaltet, treibt es die Städter raus an die frische Luft. Gerade der Residenzplatz ist bei Einheimischen und Touristen ein beliebtes Ziel, um auf einer der Sonnenbänke die Nase gen Himmel zu recken.

Mit seiner üppigen barocken Brunnenanlage ist er das Herzstück des fünfteiligen Platzensembles rund um den Dom, und zugleich jenes der linken Altstadt. Für die Neugestaltung gab es viele Anläufe, bevor das Architektenduo Erich Wagner und Eduard Widmann zum Zug kam.

Nun beleuchten die beiden gemeinsam mit dem Salzburger Kunsthistoriker Gerhard Plasser in dem Buch „Der Salzburger Residenzplatz. Wandel eines Ortes“ die Geschichte des Platzes. An dessen Ursprung stand eine Zerstörung: Für die Errichtung ließ Fürsterzbischof Wolf Dietrich 55 Bürgerhäuser abreißen und den Domfriedhof absiedeln.

Von Anbeginn für Repräsentationszwecke gedacht, wurde er auch in jüngerer Geschichte zur politischen Bühne. Queen Elizabeth II. gab sich hier 1969 die Ehre, ebenso wie 1961 der sowjetische Ministerpräsident Nikita Chruschtschow.

September 1961: Peter Alexander umringt von „Dirndln“ vorm Residenzbrunnen.Bild: Stadtarchiv Sbg., Fotosammlung Johann Barth

Stars nutzen den Residenzplatz als Kulisse

Auch Filmstars wussten ob der Wirkung dieser traumhaften Kulisse: Marlene Dietrich posierte hier 1937 mit ihrem Mann, dem Filmproduzenten Rudolf Sieber, und Peter Alexander ließ sich 1961 von Frauen umringt vor dem Residenzbrunnen fotografieren. Rock- und Popstars wie Tina Turner, Joe Cocker, Elton John, Herbert Grönemeyer, Patti Smith, Pearl Jam, Jon Bon Jovi und Justin Bieber nutzen den Residenzplatz als Freiluftbühne.

Der Ort hat auch seine Schattenseiten: Am 6. April 1938 fuhr Adolf Hitler vor, am 30. April folgte die erste Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten in Österreich. Zum Gedenken daran wurde im Zuge der Neugestaltung ein Mahnmal in Form eines Buchskeletts errichtet.

Neben einer ausführlichen Schilderung der Historie des Platzes gehen die Autoren auch auf den Residenzbrunnen und die verbauten Materialien ein. Nicht zuletzt erläutern sie die Herausforderungen bei der Neugestaltung des „parallelogrammartig verzogenen Platzes“. Fotografien von Andrew Phelps ergänzen das umfangreiche historische Bildmaterial und führen den Wandel des Platzes optisch vor Augen.

Marlene Dietrich besuchte im August 1937 mit Gatten Rudolf Sieber die letzten Salzburger Vorkriegsfestspiele und ließ sich am Residenzplatz vor ihrem grünen Auto ablichten. Bild: Stadtarchiv Sbg., Fotoarchiv Franz Krieger

Gerhard Plasser, Eduard Widmann, Erich Wagner „Der Salzburger Residenzplatz. Wandel eines Ortes“, 96 S., Verlag Müry Salzmann, Salzburg, 2019.