Skitouren: Sporttrend zurück zu den Anfängen

Tourengehen begeistert, der Pulverschnee magnetisiert. Aller Anfang ist schwer, doch es ist Zeit, es selbst einmal zu wagen.

Wer etwas auf sich hält, geht Skitouren. So scheint es jedenfalls, denn Tourengeher sind derzeit überall präsent. In den letzten Wochen häuften sich  in den sozialen Medien dank des Kaiserwetters  die Berichte und Erinnerungsfotos der begangenen Touren. Als Außenstehende des Sporttrends kommt Neid auf. Zeit, diesen selbst einmal zu testen.

Geschäftsführer der Naturfreunde Salzburg Helmut Schwarzenberger: „Vielen ist das Skifahren zu teuer und die Pisten zu überfüllt. Sie suchen beim Tourengehen die Nähe zur Natur.“ Bild: Anna Boschner

Eine neue Sportart zu beginnen, kann  durchaus fordern.  Skitourengehen stellt dabei keine Ausnahme dar.  Zunächst gibt es eine kostspielige Hürde zu überwinden: die Ausrüstung. Und dann sind da noch diese Lawinen.
Für ihre erste Tour hat sich die SF-Redakteurin deshalb mit dem Landesgeschäftsführer der Naturfreunde Helmut Schwarzenberger in Faistenau getroffen. Dort gibt es einen Tourenlehrpfad auf die Loibersbacher Höhe hinauf.

Bild: Pixabay

Schwarzenberger weiht nicht nur das SF  in das Skitourengehen ein, sondern veranstaltet auch regelmäßig geführte Touren für Anfänger und Fortgeschrittene in die Salzburger Berge. Die Nachfrage ist groß. „Vielen ist das Skifahren zu teuer und die Pisten zu überfüllt. Sie suchen beim Tourengehen die Nähe zur Natur.“

Während der ersten Meter durch den Schnee die Höhe hin, gibt Schwarzenberger  Tipps zur Ausrüstung. „Ski, Schuhe, Stöcke und Felle kann man sich am Anfang im Sportfachgeschäft leihen und sich dabei beraten lassen.“ Damit es beim Hochgehen nicht zu warm wird, empfiehlt er  statt einer Skihose eine Berghose — und darunter Skiunterwäsche zu tragen. „Sobald Anfänger sich entscheiden in die Ausrüstung zu investieren, sind schließlich die Skischuhe am wichtigsten.“ Dieser Meinung ist auch  Autor  und Tourenprofi Ole Zimmer.  Er rät zudem genügend Wechselkleidung mit zu haben. „Am Gipfel darf man sich ruhig kurz nackig machen.“
An diesem Tag passen die geliehenen Schuhe  für die erste Skitour auf Anhieb. Ein hilfreicher Hinweis von Helmut Schwarzenberger folgt bereits nach kurzer Zeit. Anders als beim Wandern sollen die Füße kaum angehoben werden. Die Skier schlurfen hörbar über den Schnee. Das spare Kraft, sagt Schwarzenberger. Sobald es steiler wird, kommen die Steighilfen zum Einsatz.  Es gilt sich nicht zu sehr nach vorne zu lehnen, um das Gewicht auf den Skiern gleichmäßig zu verteilen. Die Schlaufen der Skistöcke werden nicht verwendet, um Stürze nicht zu verschlimmern. „In Lawinen wirken Stöcke außerdem wie Anker, das wäre keine gute Idee.“

Der Berg ist kein Laufband im Fitnessstudio

Apropos Lawinen. Es ist  das Leidthema vieler Tourenanfänger, jedoch kein Grund sich nicht über die präparierte Piste hinaus zu trauen. Schwarzenberger: „Voraussetzung dafür ist selbstverständlich den Lawinenbericht zu lesen, eine Notfallausrüstung dabei zu haben und diese im Ernstfall bedienen zu können.“ Zu dieser gehören das LVS-Gerät, die Lawinensonde und die Lawinenschaufel. „Daran führt kein Weg vorbei, schließlich ist der Berg kein gesicherter Bereich wie ein Laufband im Fitnessstudio“, sagt Ole Zimmer. Deshalb  legt er jedem Anfänger der Sportart nahe einen Kurs zu belegen, spätestens sobald dieser die Piste verlassen möchte. Seine jahrelangen Erfahrungen hat der Autor und Journalist in einem Ratgeberbuch für Skitourenanfänger verschriftlicht. Dennoch gehe er selbst Touren im Hochgebirge und auf Gletschern ausschließlich in Begleitung eines Bergführers – „und jedes Mal lerne ich dabei noch etwas Neues.“

Ole Zimmer warnt die Risiken am Berg nicht zu unterschätzen: „Der Berg ist kein Laufband im Fitnessstudio.“ (Bild: Skitourenwinter)

Zurück auf der Loibersbacher Höhe ist der Gipfel in Sicht, doch die Redakteurin verlassen langsam die Kräfte. Dagegen hätte wohl ein Frühstück am Morgen geholfen. Bevor zu diesem Anfängerfehler noch ein weiterer hinzukommt, empfiehlt der Naturfreund umzukehren. „Zur Tourenplanung zählt immer auch dazu, Kraft für die Abfahrt durch den Tiefschnee aufzusparen. Die Tour endet schließlich nicht auf dem Gipfel, sondern im Tal.“

Anna Boschner