„Ich bin kein Autofeind, ich will Lösungen“

Bernhard Auinger (SPÖ) steht zur Neutorsperre. Der Vizebürgermeister fordert mutige Schritte. Die Stadt soll selbst Wohnungen bauen.

Herr Auinger, Sie wollen Bürgermeister werden. Mit der Neutorsperre hat sich das wohl erledigt?
Bernhard Auinger: Das sehe ich anders. Man muss das Thema auch einmal aus der Sicht der Radfahrer, Fußgänger, Kinder sehen. Da gehen tausende Schüler ins Haus der Natur. Die haben keine Lobby. Die Hälfte der Stadtbevölkerung hat kein Auto. Und die anderen 50 Prozent fahren  nicht täglich durch das Neutor. Die Verkehrsberuhigung wird laut Umfragen von der Bevölkerung mitgetragen. Ich habe bisher ganze fünf negative E-Mails bekommen. Es ist eine Richtungsentscheidung, wie es in dieser Stadt mit dem Verkehr weitergeht. Nichts zu tun, wie der jetzige Bürgermeister es vorzieht, ist nicht mein Stil.

Was man Ihnen vorwirft, ist das Überfallsartige, so kurz vor der Wahl.
Ich wollte, dass die Wähler es wissen. Ich hätte es als unehrlich empfunden, das erst nach der Wahl zu machen. Wir wussten, dass es mit der ÖVP nicht zu machen ist, insofern haben sich drei Fraktionen zusammengesetzt.

Wenn der neue Gemeinderat das wieder aufhebt, war es Ihr Rohrkrepierer.
Das wird man sehen. Der Gemeinderat könnte genauso gut  das Alkoholverbot am Bahnhof wieder aufheben. Nichts ist in Stein gemeißelt. Wir wissen aus zwei Baustellensperren beim Neutor, dass Lehen nicht belastet wird, dass Maxglan sogar entlastet wird, dass die Kaufmannschaft massiv profitieren wird. Mir hat noch niemand  erklären können, welche Wertschöpfung er mit einem durchfahrenden Auto erzielt. Was mich schon ärgert, ist diese Einstellung: Ich habe ein Auto, ich muss da jetzt  durchfahren. Man muss doch irgendwann akzeptieren, dass man in  eine Stadt wie Salzburg nicht endlos Autos reinstopfen kann. Und ich bin beileibe kein Autofeind. Ich komme aus der Autoindustrie.

Sie treten in die Fußstapfen von Heinz Schaden. Das ist wohl nicht einfach?
Ich bin als Klubobmann mit einem Bekanntheitsgrad von nicht einmal 60 Prozent gegen einen Kandidaten angetreten, der seit 15 Jahren in der Stadtpolitik ist. Ich hatte keinen Rückenwind aus der Bundespolitik und bin mit 294 Stimmen unterlegen. Ich habe in den letzten 14 Monaten ein Bildungsprogramm von 200 Millionen Euro auf den Weg gebracht, wo es um die Zukunft unserer Kinder in den Krabbelstuben, Kindergärten, Schulen geht.

Sie wollen 400 neue Betreuungsplätze für unter Dreijährige schaffen. Wie viele gibt es schon?
Wir haben im Vorjahr 100 Plätze mit privaten Einrichtungen geschaffen. Die Stadt betreut 11.000 Kinder, die Zahl der Ganztagesschüler explodiert. Deshalb müssen wir hier richtig investieren. Und im Gegensatz zum Bürgermeister bekomme ich dabei auch nicht Kopfweh, sondern sehe das als Herausforderung.

Sie sind zweifacher Vater. Könnten Sie Ihren Job ohne Frau machen?
Nein. Ich habe jeden beruflichen Schritt mit meiner Frau abgesprochen und umgekehrt. Meine Frau arbeitet  ebenfalls Vollzeit. Sie geht um halb sechs außer Haus, ist um 16 Uhr wieder bei den Kindern. Ich gehe in der Früh  laufen, nehme frisches Gebäck für die Kinder mit. Aufwecken, Frühstück machen ist meine Aufgabe. Dafür sehe ich sie am Abend, meistens aber erst spät.

Die ÖVP liegt mit der SPÖ gleichauf bei 32 Prozent. Das gab es noch nie. Fürchten Sie den Niedergang der Sozialdemokratie?
Wir liegen bei dem Ergebnis, das Heinz Schaden 2014 erreicht hat. Wenn wir 15 Mandate halten, ist es das, was die SPÖ in der Geschichte der Stadt meistens hatte. Der Höhenflug der ÖVP ist wohl dem Bundeshype um Sebastian Kurz geschuldet. An der Arbeit der ÖVP kann es ja nicht liegen. Die ÖVP hat in den letzten vier Jahren nur versucht, Projekte zu verhindern und wenig Ideen geliefert. Während unser SPÖ-Team den Prozess der Modernisierung längst eingeleitet hat.

Welche Modernisierung meinen Sie?
Nehmen Sie den Bildungsbereich oder auch die Seniorenheime. Die schauen heute völlig anders aus. Ein iPad ist Standard für die Pflegerinnen, weil die täglich den Status der Bewohner dokumentieren. Der Verkehr ist noch absolut hinten. Dass man mit einem Euro im Bus zahlen muss, das gibt es sonst nirgends mehr.

Wohnen ist das zweite brennende Thema.
Da braucht es neue Wege.  Wir brauchen eine Leerstandsabgabe, die in die Nähe des jährlichen Wertgewinns kommt. Wir gehen von 4000 Wohnungen aus, die als Wertobjekt gehortet werden.

Haben Sie schon eine Liste mit Anschriften?
Nein, weil wir noch nicht Detektiv spielen. Der zweite Punkt ist: Die  Stadt muss selbst Bauland kaufen und Wohnungen bauen oder errichten lassen. Wir werden ein neues Räumliches Entwicklungskonzept machen.  Fakt ist, ohne eine aktive Bodenpolitik und mutige Schritte wird nichts besser werden.

Sonja Wenger