Trotz Sehbehinderung auf Erfolgskurs

Carina Edlinger ist fast blind, doch die Profi-Sportlerin gibt nicht auf. Gerade verteidigt sie ihre WM-Titel im kanadischen Prince George.

Carina Edlinger mischte schon als Mädchen im Langlaufsport mit, damals in FIS-Bewerben. Denn die Fuschlerin war nicht von Geburt an blind, sie verlor ihr Sehvermögen infolge einer Erberkrankung Schritt für Schritt ab der Pubertät.

„Bei der FIS habe ich gelernt, wie hart man trainieren muss, das hilft mir jetzt“, sagt Carina Edlinger. Denn heute, mit 20 Jahren, sieht sie so gut wie nichts mehr. Trotz dieses harten Schicksals ist Aufgeben für die Athletin kein Thema.

Sie wechselte in den Behindertensport und ist seither kontinuierlich auf Medaillenkurs. Bei den Paralympics 2018 in Pyeongchang holte sie die Bronzemedaille, weiters ist sie zweifache Gesamtweltcupsiegerin und eben verteidigt sie ihre beiden WM-Titel in Kanada (noch bis 24. Februar).

„Es gibt Zeiten, wo ich fünf Mal durchschnaufen muss“

Dort startet sie in einer neuen Klasse, denn seit der letzten Saison hat ihr Sehvermögen weiter abgenommen. Ohne Stock kann sie den Alltag nicht mehr bewältigen. Edlinger: „Es ist, als trage man eine komplett abgedunkelte Brille.“

Als sie mit dem Training für diese Saison begann, war es daher, als müsste sie das Langlaufen komplett neu lernen. „Es war die letzten Jahre oft nicht einfach. Auch heute gibt es noch Zeiten, wo ich mehr als fünf Mal durchschnaufen muss“, sagt Edlinger.

Wie funktioniert Langlaufen, wenn man den Weg nicht sieht? Ein sogenannter „Guide“ fährt dem blinden Läufer voraus und teilt ihm die Gegebenheiten der Strecke mit. Jahrelang war dies im Falle Edlingers ihr Bruder Julian, seit November trainiert sie mit einem schwedischen Guide in Östersund, denn: „Ich habe in Österreich niemanden gefunden, der sich die Zeit nehmen will und kann. Ein Guide muss richtig gut eingestellt sein, man muss mindestens ein Jahr zusammen trainieren.“

Das Problem: Bei den Wettkämpfen müssen Athlet und Guide die gleiche Nationalität haben. Da greift Edlinger auf den Ex-Kombinierer Florian Seiwald zurück. „Er reist erst einen Tag vor dem Bewerb an. Dafür läuft es gut, aber es wäre mehr drinnen.“

Weil sie im Langlauf schon viel erreicht hat, möchte Edlinger künftig auf Biathlon erweitern. Da kommt zum Langlauf das Schießen dazu – mit einem speziellen Gewehr, das akustische Signale gibt, anhand derer man hört, wenn man ins Schwarze zielt. „Dafür braucht es unglaublich viel Training. Deshalb starte ich erst nächste Saison.“

Kuchenbacken und Reisen: Sport ist nicht alles im Leben

Im März kehrt die Fuschlerin zurück in ihre Heimat, wo sie als Zöllnerin im Telefondienst arbeiten wird. Sie sei froh, dass es das Angebot gebe, sie brauche das Geld. Denn im Behindertensport sei es nicht einfach, Sponsoren zu finden. Mit Sehnsucht wartet Edlinger gerade auf ihren künftigen Blindenhund. Mit ihm könne sie endlich wieder allein trainieren, er merke sich die Strecke.

„Davon verspreche ich mir ein großes Stück Freiheit. Es ist eine ziemlich einengende Welt, wenn man ständig ansteht.“ In ihrer Freizeit reist sie gern und backt Kuchen: „So sehr ich den Sport auch brauche, er ist nicht alles im Leben.“

Von Petra Suchanek

Am Bild: Carina Edlinger ist bereits Doppelweltmeisterin im Para-Langlauf. Hier freut sie sich mit Bruder Julian über die Paralympics-Bronzemedaille. Künftig will sie im Biathlon punkten. Foto: Kabö