Zarte Blüten und milde Pflanzenschleime

Die unscheinbaren, braunen Leinsamen haben eine positive Wirkung auf Magen und Östrogenhaushalt. 

Die Leinsamen sind ja ziemlich unauffällig, braun und einfärbig. Trotzdem fühlen sie sich weich und angenehm an, wenn man hineingreift. Aber das ist ja oft so, dass die besonderen Talente erst auf den zweiten Blick erkennbar sind.

In den Samen stecken wertvolle, ungesättigte Fettsäuren, die schnell oxidieren. Deshalb ist es einfach besser, die ganzen Samen zu kaufen. Diese unscheinbare Hülle der Samen besteht aus Ballaststoffen, die insgesamt ein Viertel des Samens ausmachen.

Ein Teil von diesen Ballaststoffen ist Pflanzenschleim, den wir auch sehen und angreifen können, wenn der Leinsamen in Wasser eingeweicht wird. Dann binden diese Schleimstoffe das Sechsfache ihres Gewichtes an Wasser und werden so richtig schlatzig. Die Pflanzenschleime vom Leinsamen sind unlöslich und deshalb auch so stabil.

Die ganzen Leinsamen werden in die sechs- bis zehnfache Menge Wasser einige Stunden eingeweicht. Dann können wir einfach einmal hineingreifen, so spüren wir, wie sich die Schleimstoffe gleich um die Finger legen. In dieser Weise hüllen sie auch den Magen ein und geben der Magenschleimhaut die nötige Ruhe, um sich zu erholen. Wer also mit Sodbrennen zu tun hat oder mit leichten Entzündungen im Magen, der kann dieses einfache wohltuende Magenmittel anwenden.

In der Schale der Leinsamen liegen auch Lignane. Die sind so ähnlich aufgebaut wie das Hormon Östrogen. Leinsamen ist in Mitteleuropa sogar die wichtigste Quelle für dieses Phytoöstrogen.

Zugegeben, Lignane wirken wesentlich weniger stark als die körpereigenen Östrogene, aber sie sind trotzdem in der Lage, an die Rezeptoren anzudocken. Schon die Menge von einem Esslöffel Leinsamen hat, wenn sie über einige Wochen gegessen wird, einen ausgleichenden Einfluss auf den Östrogenhaushalt.

Lignane werden noch besser aufgenommen, wenn der Leinsamen in einem fermentiertem Lebensmittel aufgequollen ist: Joghurt, Kefir, Essigwasser oder Kombucha bieten sich da an. Für die inneren Werte des Leinsamens werde ich wohl noch eine Kolumne benötigen!

Von Karin Buchart