Salzburger Chor mit Hollywood-Ehren

Der Salzburger Bachchor hat „Chorage“– und singt in oberster Liga. Ab März veranstaltet er einen eigenen Konzert-Zyklus.

Seit 35 Jahren bereichert der Salzburger Bachchor das Kulturleben. Als professioneller Klangkörper ist er Partner der großen Klassikfestivals und Orchester. Eben begeisterte er bei der Mozartwoche. Er ist eines der führenden österreichischen Vokalensembles, genießt internationales Ansehen und zeichnet sich durch seine variable Besetzung und stilistische Flexibilität aus – von der Renaissance bis zu Zeitgenössischem. Ab März veranstaltet der Bachchor einen eigenen Zyklus mit ungewöhnlichen Formaten wie einem Wandelkonzert. Das „Fenster“ sprach mit Chorleiter Alois Glaßner.

SF: Herr Glaßner, der Bachchor geht unter die (Eigen-) Veranstalter. Warum?
Alois Glassner: Wir haben hier in Salzburg verschiedene Aufgaben: Eine Hauptaufgabe ist, dass wir den Chor für Produktionen zur Verfügung stellen – für die Festspiele, die Mozartwoche und für Orchester. Da studiere ich den Chor ein, dirigiere nicht selbst. Natürlich ist es für mich schön, Projekte zu verantworten, die ich selbst künstlerisch leite, wo ich das Programm auswählen kann. Und: Der Bachchor will ein eigenes künstlerisches Profil mit eigenen künstlerischen Ideen präsentieren. Auch mit dem Ziel, als eigener Klangkörper wahrgenommen zu werden.

SF: Der Bachchor kommt im Soundtrack zu „Joy“ (2015) mit Robert de Niro und Jennifer Lawrence vor. Wie kam es dazu?
Wir haben das Lied nicht extra für den Film aufgenommen. Bei Filmmusiken gibt es jemanden, der Soundtracks zusammenstellt. Aus Gründen, die ich nicht kenne, ist man auf ein Stück gekommen, das wir gesungen haben. Es war Zufall, dass wir das bei der Tantiemen-Abrechnung entdeckt haben. Ich finde es schön, aber es hat nicht dazu geführt, dass wir jetzt in Salzburg gehypt oder in der Fußgängerzone belästigt werden (lacht).

SF: Sie haben das nicht an die große Glocke gehängt?
Nein. Es gibt eine große Diskrepanz zwischen dem, was einem selbst künstlerisch wichtig ist, und dem, was manchmal wahrgenommen wird. Das ist so, das gehört zu unserem Geschäft. Man muss damit seinen Frieden finden und versuchen, die Dinge, die man macht, gut unter die Leute zu bringen, so wie wir das jetzt mit dem Zyklus versuchen.

SF: Sie waren mit einer ähnlichen Reihe, Raiffeisen Vokal, einst in Salzburgs Landgemeinden unterwegs. Wie war da die Resonanz?
Das war interessant. Man kann ganz klar sagen: Dort, wo es vor Ort eine lebendige Kulturszene gibt, Menschen, die initiativ sind und etwas auf die Beine stellen, dort war die Resonanz hervorragend. Dort, wo nichts passiert, es keinen Kulturverein gibt, dort war das Interesse nicht so groß. Der Schluss, den ich daraus ziehe: Es ist nicht die Bevölkerung, die uninteressiert ist, sondern es hängt von Menschen ab, die sich vor Ort für Kultur engagieren.

SF: Wobei es oft nicht am Willen zum Engagement fehlt, sondern an den finanziellen Mitteln.
Natürlich. Wir leben in einer Zeit, wo alles nach ökonomischen Gesichtspunkten bewertet wird. Wenn man Kulturarbeit im ländlichen Raum ökonomisiert, dann wird es schwierig, weil da die entsprechenden Ressourcen normalerweise nicht da sind. Es geht um das Engagement, aber natürlich auch darum, die Kulturinitiativen zu unterstützen.

SF: Chöre boomen, gerade im Laienbereich. Merken Sie das am Publikum?
Ich könnte nicht sagen, dass uns ein großer Run erreicht hätte, weshalb wir die neue Konzertreihe veranstalten. Aber ich habe auch beobachtet, dass Chorsingen durch Fernsehformate etwas populär geworden ist. Das finde ich schön. Es gibt Chorsingen auf sehr unterschiedlichen Ebenen, was eine Stärke ist. Ich kann im Kindergarten in kürzester Zeit ein Lied lernen, es gibt aber auch den professionellen Anspruch, wo ich wochenlang arbeite – mit derselben Professionalität wie Orchester. Das ist manchmal schwer vermittelbar. Manche denken, Chorsingen kann jeder.

SF: 15 Jahre liegen als Bachchor-Leiter hinter Ihnen, wo soll es hingehen?
Wenn ich so träume: Was in Österreich fehlt, ist ein professioneller Berufschor im Konzertbereich. Professionell in dem Sinn, dass die Menschen davon leben können. Da stehen wir EU-weit ziemlich allein da. Im Orchesterbereich ist das selbstverständlich. Singt man im Bachchor, bekommt man eine Aufwandsentschädigung, das ist bestenfalls ein Zubrot für Studierende.

SF: Danke für das Gespräch!

Zur Person Alois Glaßner

Alois Glaßner leitet den Bachchor Salzburg seit 2003. Foto: Andreas Hechenberger

Alois Glaßner stammt aus Niederösterreich, studierte Kirchenmusik, Orgel, Orchesterdirigieren, Komposition und Gesangspädagogik sowie Chorleitung. 2003 übernahm er die künstlerische Leitung des Bachchors Salzburg. Er ist seit 1991 als Lehrender an der Wiener Musikuniversität tätig und hat dort seit 2004 eine Professur für Dirigieren.

Zum Vormerken: Chorage-Konzerte: 15. März: „Lamenti“, Christuskirche; 15. Juni: Wandelkonzert Neue Residenz, u. a. mit 40-stimmigen „Spem in alium“ von Tallis; 28. September: Bruckner für Chor, Orgel, Posaune, Kollegienkirche.

Von Petra Suchanek