Nicht nur sechs Morde an Frauen schrecken auf

Es gab Zeiten, da habe ich mich auf den Sonntagabend gefreut. Und den spannenden Tatort-Krimi. Das war einmal.

Schuld daran sind teils exzessive Darstellungen von Gewalt in diesem Format. Wer braucht das? Lauter, schneller, schriller – brutaler. Diese fatale Entwicklung verleidet es immer öfter, sich einen Film anzuschauen. Egal, ob im Kino oder im TV.

Nicht besser fällt der Besuch in den „sozialen“ Medien aus. Sie entpuppen sich mehr und mehr als ein extrem unsoziales Biotop, in dem ungestraft giftige Blasen aus Hass und Verachtung vor sich hinwabern.

Ja, und auf der großen Bühne der Politik „trumpelt“ ein Herr fast täglich über jede Form von Respekt hinweg, wenn er von Frauen, „Fremden“ oder Schwächeren spricht.

Das ist die Begleitmusik zu einer allgemein wahrnehmbaren Verrohung. Sie wird auf diese Weise salonfähig. Verächtlichen Worten, Geringschätzung, Drohungen folgen irgendwann die Tat, der Schlag – ein Stich.

Da werden alte, scheint’s vergessene Tugenden wieder „modern“: Zivilcourage, Hinschauen, sich einmischen. Vor allem und besonders: Bildung & Kultur.

Von Heinz Bayer