Das Jahr des Schweines bricht an

Jahreswechsel in China: Die Farbe rot soll zum Glück verhelfen, denn Kekse mit Sinnsprüchen bringen keines.

Bei vielen Chinesen herrscht derzeit Feierlaune. Denn am Dienstag beginnt das chinesische neue Jahr. Der erste Tag im Jahr gilt als der wichtigste traditionelle Feiertag. Für diesen liefen in den letzten Wochen nicht nur in China die Vorbereitungen auf Hochtouren, sondern auch viele der in Salzburg lebenden Chinesen putzten, kochten und schmückten, was das Zeug hielt.

Linghong Zhao, Leiterin des China Centers in Salzburg: „Im Vergleich zu China wird natürlich sehr klein gefeiert. Es fehlen das Feuerwerk und die pompösen Paraden.“ Die gebürtige Chinesin lebt seit 27 Jahren in Salzburg, auch das diesjährige Neujahrsfest feiert sie hier mit ihrer Familie. Der Tag ist in ihrer Heimat ein gesetzlicher Feiertag, in Salzburg öffnet ihre Sprachschule, wie jeden anderen Tag auch. Nach Schulschluss jedoch hat sie Freunde und Familie zu sich nach Hause eingeladen, selbst ihre Angestellten vom China Center kommen zum gemeinsamen Abendessen. Zhao: „Die Lehrerinnen sind hier alle ohne Familie in Österreich, deswegen feiern wir zusammen. Dafür koche ich sogar Jiaozi.“ Das sind traditionelle Teigtaschen mit Fleisch- und Gemüsefüllung, die in vielen Regionen Chinas speziell für das Fest zubereitet werden.

Die Leiterin des China Centers Salzburg Linghong Zhao lehrt ihren Schülern chinesische Schriftzeichen. Sie schreiben für das Neujahrsfest das Wort „Glück“ auf rotes Papier. Foto: Anna Boschner

Glück kommt in rot

Im Süden des Landes sei das jedoch anders, weiß Wuyang Liu. „Bei mir zuhause gibt es am Neujahrsfest wegen der Nähe zum Meer meistens Gerichte mit Fisch und Krabben.“ Die 26-jährige Germanistikstudentin macht derzeit ein Auslandsjahr in Salzburg und unterrichtet im China Center. „Meine Familie fehlt mir natürlich an diesem Tag, aber wir schreiben und telefonieren ständig.“

Im neuen Jahr soll eines keinesfalls zu kurz kommen: das Glück. Dieses kann man sich gegenseitig wünschen, oder einfach darauf hoffen. Viele Chinesen nutzen jedoch die eine oder andere Möglichkeit, selbst nachzuhelfen. Linghong Zhao: „Wir hängen Schriftbanner neben und über die Tür, auf welchen Glückwünsche zu lesen sind.“ Außerdem spielt die Farbe Rot eine bedeutende Rolle, um das Unglück fernzuhalten. „Gerade in den Jahren, in welchen das Tier des Geburtsjahres wiederkehrt, ist es besonders wichtig Rot zu tragen“, sagt Wuyang Liu. Diese Personen müssten besonders aufpassen kein Unglück anzuziehen. Das sei unter Chinesen kein Aberglaube, sondern vielmehr eine unbestrittene Tatsache. „Das weiß einfach jeder. Die meisten halten sich daran und tragen so oft wie möglich ein rotes Kleidungsstück.“

Keine Glückskekse in China

Nach dem chinesischen Neujahrsfestessen gibt es übrigens keine Glückskekse. „Das ist eine Erfindung für Europäer, in China gibt es diese nicht“, sagt Linghong Zhao. Vielmehr erwarte sie und ihre Gäste am Abend eine der berühmtesten Fernsehsendungen ihrer Heimat. „Das ist die bekannteste und größte Show des Landes. Sie geht den ganzen Abend und viele Prominente sind dort zu Gast.“ Das Neujahrsfest dauert traditionell 15 Tage und endet mit dem Laternenfest. Zhao: „Wir feiern in Salzburg aber nur den ersten, fünften und letzten Tag mit einem gemeinsamen Essen.“

Anna Boschner