Wo Tierschutz auch dem Menschen hilft

Der Verein „Respektiere“ setzt sich im In- und Ausland für Tiere ein. Sind die Menschen arm, geht es den Tieren auch oft schlecht.

 Eigentlich startete der Verein „Respektiere“ mit Sitz in Bergheim 1982 als Tierrechtsverein mit dem Fokus auf Nutztieren, mittlerweile engagiert er sich auch für Straßenhunde. „Nutztiere sind nach wie vor unser Hauptanliegen, weil sie in unserer Gesellschaft den schlechtesten Stellenwert haben“, sagt Tom Putzgruber.

Gerade erst war er im Waldviertel im Einsatz, wo die Hornanbindung von Rindern mancherorts noch praktiziert wird. „Jeder Tierarzt schüttelt den Kopf, aber es ist nicht verboten, eine Gesetzeslücke.“ Durch die schiefe Kopfhaltung würde der Rücken der Tiere versteifen.

Missstände wie diese hat „Respektiere“ in den vergangenen Jahrzehnten vielfach aufgedeckt. Einen grausigen Fund machte Putzgruber kürzlich in Niederösterreich, wo eine Züchterin ihre Chihuahuas in Kisten gesperrt hatte. Lokalmedien berichteten. „Man sollte meinen, dass es solche Zustände vielleicht in Osteuropa gibt, aber nicht bei uns. Das ist leider falsch.“

Putzgruber weiß, wie es in anderen Ländern aussieht, er ist viel unterwegs. Begonnen hat es mit Recherchen zu den Pelztierfarmen, dazu kamen Kastrationsprojekte für Straßenhunde in der Slowakei, Serbien, Bulgarien und Rumänien. Bis zu 140 Hunde fängt er pro Projekt ein, lässt sie kastrieren und setzt sie wieder aus.

Putzgruber fand den „Kettenhund“ Boomer in einem Stall in Rumänien, total vernachlässigt, voll Parasiten und kurz vorm Verhungern. Er brachte ihn zu einer Tierärztin, er hat bereits einen guten Platz in Aussicht. Foto: Respektiere

Nur Tiere, die keine Überlebenschance haben, vermittelt er nach Österreich. „Das ist die Ausnahme. Wir können das Problem nicht lösen, indem wir alle Hunde mitnehmen. Das ist ein Fass ohne Boden. Wir können nur versuchen, durch Kastration künftiges Leid zu verhindern.“ Und er kritisiert, dass Tierschutz in der EU nicht einheitlich geregelt sei.

Denn: „Wo es den Menschen schlecht geht, geht es den Tieren auch nicht gut.“ Ein Beispiel dafür ist der Kettenhund „Boomer“, der in einem rumänischen Dorf ein trauriges Dasein fristete. „Dort leben nur noch Alte und Kleinkinder, deren Eltern zum Arbeiten weggegangen sind. Es gibt dort nichts, richtig gruselig.“

Straßenhunde: Nur Kastration hilft langfristig

Putzgruber hat den Hund zufällig entdeckt: „Er hing bei minus 15 Grad an einer schweren Eisenkette, war voll Parasiten und halbnackt.“ Boomer ist jetzt bei einer Tierärztin, er hat schon einen guten Platz in Aussicht. Dem alten Besitzer hat Putzgruber das Versprechen abgerungen, keinen neuen Hund zu kaufen – im Gegenzug für Kleidung und Nahrung. „Es geht oft nicht anders, um die Leute zum Einlenken zu bringen.“

Kleidung bringt er ohnedies ständig mit, wenn er auf seine Auslandseinsätze fährt. Bei den Flohmärkten zur Finanzierung des Vereins in Salzburg bleibt oft was übrig. Was dann die Obdachlosen beim Mutterhaus in Lehen nicht wollen, geht mit ihm auf Reisen.

Dass er von manchem als „Spinner“ angesehen wird, ist Putzgruber egal. „Wir machen natürlich Kundgebungen, die provozieren, mit Kunstblut und so. Das gefällt nicht jedem. Aber es soll die Menschen ja zum Nachdenken bringen.“

Putzgruber gibt einem sterbenden Esel in Mauretanien Wasser. Sein Einsatz für die Grautiere hilft auch den Menschen: Die Lasttiere sind die Lebensgrundlage vieler Familien. Foto: Respektiere

Im Tierschutz brauche man einen langen Atem, viele gäben auf. Putzgruber lässt sich nicht beirren. Ihn führt sein Idealismus bis nach Afrika. In Mauretanien, einem der ärmsten Länder der Welt, setzt er sich für Esel ein. „Oft werden wir gefragt, wieso helft ihr nicht den Menschen? Wir erklären ihnen, dass der Esel als Lasttier die Lebensgrundlage für sie bildet, er daher wichtig ist. Das verstehen sie dann.“ Der beste Tierschutz sei deshalb jener, der auch dem Menschen hilft.

Von Petra Suchanek