Kann Preuner die rote Stadt erobern?

Wahlen im März bergen Sprengstoff. Die SPÖ verteidigt ihre lange Vorherrschaft.

Am 10. März 2019 wird in der Stadt Salzburg gewählt. Der Urnengang hat das Zeug für Überraschungen. Die ÖVP könnte – zum zweiten Mal seit 1945 – die lange Vorherrschaft der SPÖ in der Landeshauptstadt brechen. Bürgermeister Harald Preuner (ÖVP) und Vizebürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ) gehen laut ersten, in den SN veröffentlichen Umfragen, Kopf an Kopf ins Rennen. Erstaunlich ist, wie schnell die politischen Verhältnisse sich ändern können.

Nach dem Absturz

2014 erlebten  die Konservativen um Preuner einen schweren Absturz (minus acht Prozent) – „für uns der Weltuntergang“, meint Bezirksgeschäftsführer Peter Mitgutsch rückblickend. Jetzt kommt man laut Prognosen schon wieder auf 24 bis 30 Prozent. Der Finanzskandal auf lokaler und die Rechtskoalition auf nationaler Ebene haben die Dinge verändert.

Gemma, Harry!

290 Stimmen lag Preuner bei der vorgezogenen Bürgermeisterwahl vor Auinger. Der Amtsbonus nutze ihm jetzt, sagt Meinungsforscherin Ernestine Berger (Institut für Grundlagenforschung): „Preuner hat, seit er Bürgermeister ist, das Amt sehr ruhig geführt. Es ist auch ein bisschen was weitergegangen, in den Verkehr etwa ist Bewegung gekommen.“

Preuners kleines Wahlkampfteam bemüht sich, den besonnenen, umgänglichen Amtsinhaber zu zeigen: Preuner, der Online-Sprechstunden auf Facebook macht, verspricht die alte Politik der Intransparenz, der Täuschung und Gesprächsverweigerung überwinden zu wollen. Und der täglich zu Fuß von zu Hause in  Gnigl   ins Schloss Mirabell marschiert: „Gemma, Harry“, heißt das zugehörige Video.

Die SPÖ ist angeschlagen

Die früher so stolzen Sozialdemokraten scheinen im Gefolge der Justizermittlungen seelisch angeschlagen. Doch Heinz Schadens junger Nachfolger Bernhard Auinger hat ein robustes Naturell. Er glaubt, „dass wir wieder stimmen- und mandatsstärkste Partei werden. Es geht um eine Richtungsentscheidung, ob der  Bund, das Land und die Stadt alles in einer  Hand sein soll“, sagt  der 44-Jährige.

Mit der ÖVP liegt man im Kleinkrieg um alte Feuerwehrautos und den Christbaum für Lehen, Lieblingsgegner ist VP-Klubchef Christoph Fuchs, der Schattenbürgermeister, der Taktiker, der die Amtsberichte der roten Regierungsmitglieder blockiere („auf Klub gehen“) – die seit Langem  erwartete Mountainbikestrecke auf den Gaisberg  werde er, Auinger, „vor der Wahl sicher nicht mehr  eröffnen können“.

Wie wird man als Grüner Bürgermeister?

Bei der Bürgerliste tritt Schwergewicht Johann Padutsch ab und Martina Berthold in dessen große Fußstapfen. Die Ex-Landesrätin hat sich Rat beim Innsbrucker  Bürgermeister Georg Willi geholt, der als  Grüner das Amt eroberte, auch weil er  Dinge sagte wie: Ein Dach über dem Kopf sei wichtiger als das Binnen-I (was die grüne Vizebürgermeisterin als „rechte Sprache“ klassifizierte und sie zum Parteiaustritt veranlasste). Auch Berthold will es bodenständig angehen, „Salzburg hat ein großes grünes Potenzial“.

FPÖ: Gruppe will Reindl stürzen

Die Neos liegen laut einer Marktstudie bei zehn Prozent, so Landesgeschäftsführer Markus Rosskopf: „Der Abgang von Barbara Unterkofler zur ÖVP tut uns nicht so weh, weil Lukas Rösslhuber als Stadtrat eine gute Arbeit macht.“

Bei den Freiheitlichen ist der Streit um Mandate und Mitsprache noch lange nicht ausgestanden. Eine Gruppe Unzufriedener plant nicht weniger als den Sturz des  Spitzenkandidaten Andreas Reindl. „Und zwar noch vor der Wahl“, wie versichert wird.

Von Sonja Wenger