Winterliche Duftwolken

Ganz leicht raucht es vor sich hin. Ich schaue gerne dem aufsteigenden Rauch hinterher, bis er sich in nichts auflöst.

Dann schlägt der Duft in meiner Nase ein und stimmt mich schlagartig gut. Zu Räuchern beginne ich immer, wenn es draußen trüb ist. Am Heiligen Abend, zu Silvester und am 5. Januar freilich ist es ein Familienritual, bei dem wir alles so richtig vernebeln. Da ist dann die Sichtweite in der Stube ziemlich eingeschränkt.

Nach der Epoche der grauenhaft künstlich stinkenden Räucherstäbchen in den 80er Jahren ist das Räuchern über natürliche, getrocknete Kräuter, Wurzeln, Rinden und Harze wieder bei uns eingezogen.

Was ich am meisten schätze, ist das sanfte Räuchern: Die zarten Blüten und Blätter werden nicht mehr auf die heiße Kohle gelegt, sondern in einigen Zentimetern Abstand von der Kerzenflamme auf ein Metallsieb, Kupferblech oder ähnliches. So erwärmen sich die Kräuter und Harze und geben die ätherischen Öle und andere flüchtige Bestandteile frei.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage: Was kann man alles verräuchern? Eigentlich fast alle getrockneten Pflanzenteile und das etwas ältere, festere Pech der Bäume. Manches riecht deftig und herb und wirkt reinigend und erkältungsvirenverscheuchend wie die meisten Harze, Beifuß, Salbei oder Wacholdernadeln. Oder auch Teekräuter wie Thymian, Schafgarbe oder Ysop. Anderes duftet blumig und hebt die Stimmung wie Lavendel, Rose oder das schwarze Harz von Mastix. So richtig zum Wohlfühlen, wenn es draußen schneit!

Ein Rezept kann ich hier heute nicht verraten, denn eines ist sicher: Gerade beim Räuchern soll jeder selbst einmal hineinriechen, dann weiß er oder sie sofort, was gut ist. Wichtig ist nur: heute noch ausprobieren! Sogar jetzt finden wir noch Räucherzutaten in der verschneiten Natur, etwa ein paar Nadeln, etwas Harz oder ein Stück Rinde.

Von Karin Buchart, TEH Akademie Unken

Bild: In Stall und Stube wird in diesen Tagen geräuchert. Foto: Ratzer