Weihnachten? Eh ganz schön . . .

Zuerst hab ich gedacht, ich schreib einfach gar nichts über Weihnachten.

Wir hören eh alle genug darüber, dass a) das Jahr schon wieder zu Ende ist und oh mein Gott, wo ist nur die Zeit hin b) der Konsumwahn ein Wahnsinn ist und wir uns besinnen sollten auf das Wesentliche und c) wir alle in den Feiertagen nur Stress haben, weshalb wir nach der Familienfeier am liebsten mit dem Luftdruckgewehr die Kugeln vom Baum schießen und uns mit Tante Miezis Eierlikör ins Koma trinken würden.

Da hat man das Gefühl, dass einem ständig Vorwürfe gemacht werden, weil man Weihnachten nicht so lebt, wie man Weihnachten leben sollte, und fühlt sich noch mehr unter Druck gesetzt. Aber ich neige ja nicht dazu, das Schwierige zu umschiffen, also: Weihnachten.

Karikatur Thomas Selinger Bild: www.seli.at

Für die meisten von uns ist der Advent eine ewige Hudelei, weil wir viel zu viele Besorgungen und Unternehmungen und Glühwein in viel zu wenig Zeit unterbringen wollen, und ich sag Ihnen jetzt nicht, dass Sie das lassen und lieber die Ruhe genießen sollen, weil: Das schafft doch eh niemand. Das brauchen wir doch gar nicht erst zu versuchen.

Und ruhig ist es ja gar nicht! Kurz vor Weihnachten haut es uns doch allen den Vogel raus, das finde ich nicht schlimm. Ich akzeptiere das, und es ist wie mit allen unangenehmen Dingen im Leben, Cellulitis, Schlagermusik, Weihnachten: Mit Akzeptanz lassen sie sich leichter ertragen.

Wenn wir den Anspruch haben, alle Jahre wieder, dass wir im Advent siebentausend originelle Geschenke finden, köstliche Kekse selber backen, die schönsten Christkindlmärkte besuchen, alles pipifein dekorieren UND DANN AUCH NOCH supergechillt sein müssen, ist doch ganz klar, was da nicht stimmt: der Anspruch nämlich.

Also pfeifen wir doch dieses Jahr drauf. Fühlen wir uns halt mal überfordert. Ist halt nicht alles perfekt. Schaffen wir halt nicht alles, was wir uns vorgenommen haben. Na und? Ist doch wurscht. Weil: Weihnachten wird trotzdem schön sein. Es wird echt sein, wie das Leben.

Unentspannt wird es sein und stressig und überladen mit Dingen, die niemand braucht, die Verwandten werden uns wieder auf die Nerven gehen, aber halleluja, sie sind alle da, wir sind zusammen, wir geben uns Mühe, wir schauen aufeinander, und dann wird es auch diese Momente geben, in denen man unweigerlich lächeln muss, in denen es kurz fast ein bisschen magisch ist und warm im Bauch wird, sogar ohne den Eierlikör, in denen wir uns denken: ja, Weihnachten.

Mareike Fallwickl ist Texterin und Autorin. Mail: interaktiv@svh.at