Keine Liebesgrüße aus Moskau

Junger Revoluzzerinnen lassen sich in Putins zunehmend autoritär regiertem Russland nicht unterkriegen. Nun kommen Pussy Riot ins Jazzit.

Präsident Vladimir Putin wird da sein, seine kurzzeitige Tanzpartnerin, Außenministerin Karin Kneissl, wird deswegen aber kaum einen Besuch in Salzburg anvisieren. Mutmaßt zumindest Jazzit-Leiter Andreas Neumayer. Putin wird es auch nicht live, sondern nur auf Leinwand geben. Und so, wie man ihn dort zu sehen bekommt, möchte man auch keinen Knicks vor ihm machen.

Wenn die Moskauer Punkrock-Band Pussy Riot aufmarschiert, wird nämlich aufs Hofieren verzichtet. „Riot“ bedeutet schließlich so viel wie Aufruhr, Revolte. Und Putin, der in ihren Augen als Diktator agiert, der die alte russische Ordnung wiederherstellen möchte, ist ihr „liebster“ Feind.

Die jungen Frauen, die bei ihren Guerilla-Aktionen stets bunte Sturmhauben tragen, weil sie gegen die Vermarktung des weiblichen Gesichts auftreten, protestieren aber nicht nur gegen Putin, sie treten auch offen für die Rechte von sexuellen Minderheiten, für Feminismus und generell für Menschenrechte ein. Und sie tun dies möglichst medienwirksam.

Was hilft schließlich Protest, wenn er nicht wahrgenommen wird? Deshalb sind ihre Aktionen unangekündigt und überschreiten die Grenze des Legalen. Sie nehmen sich kein Blatt vor den Mund, was auch derb ausfallen kann. Das gefällt nicht jedem.

Internationale Aufmerksamkeit erregte ihr Auftritt 2012 in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale, wo sie auf dem Altar ein „Punk-Gebet“ formulierten, um gegen die Kuschelallianz von Staat und Kirche zu protestieren. Der Patriarch hatte Putin im Präsidentschaftswahlkampf unterstützt. Drei der jungen Frauen wurden nach der Aktion zu Geldstrafen oder Freiheitsentzug bis zu sieben Jahren verurteilt.

Eine davon, Gründungsmitglied Marija „Mascha“ Aljochina, wird bei der Konzertperformance im Jänner in Salzburg anwesend sein. Sie saß ihre Strafe von zwei Jahren in einem Straflager bei Nischni Nowgorod ab. Im Vorfeld der Olympischen Spiele in Sotschi wurden sie und eine Kollegin im Rahmen einer groß angelegten Amnestie freigelassen.

Im Keller des KPÖ-Volksheims

Wie kommt das aufmüpfige Punkrock-Kollektiv, das aus bis zu elf Mitgliedern besteht, nun ins Jazzit? Manch einer mag eine rote Verbindungslinie vermuten, schließlich befindet sich der Jazzclub im Keller des Volksheimes in der Elisabethstraße. Doch Andreas Neumayer wehrt ab, mit der KPÖ habe das nichts zu tun.

„Ich habe wie viele andere die Geschichte rund um Pussy Riot verfolgt. Als ich letztes Jahr gesehen habe, dass sie in Europa spielen, nahm ich mit ihrer Agentur Kontakt auf“, so Neumayer. Diese hätte sich anfangs etwas geziert, verrät er, denn Pussy Riot treten mit ihrer Performance, die auf dem Buch „Riot Days“ von Aljochina beruht, normalerweise in größeren Hallen auf. Letztlich sagte sie aber zu. Da die Band viel mit Videoeinblendungen arbeitet, seien die technischen Ansprüche höher als üblich. Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen brauche es aber laut Agentur nicht.

Auf der Bühne mit Madonna und im Sommer am Novarock

Punkrock ist nicht gerade das favorisierte Genre des Jazzit, doch versteht Neumayer sein Haus als offen für viele Stile. „Ich dachte, das klingt spannend, das sollte bei uns Platz haben.“ Denn: Revoluzzermäßig tue sich in der Musik derzeit wenig. „Da tut so was gut, um aufzurütteln.“ Musik sollte oder darf seiner Ansicht nach auch politisch sein: „Wenn man Nachrichten schaut, wird einem ja ganz anders, was in Österreich und Europa so passiert. Da muss sich was tun.“

Während Pussy Riot bei Russlands Bevölkerung angesichts ihrer homosexuellenfreundlichen Gesinnung häufig auf Ablehnung stoßen, so trifft ihr Protest im Westen auf breitere Zustimmung. Schließlich gehört einiges an Mut dazu, sich in Putins Russland aufzulehnen.

So schafften sie es auch auf große Bühnen. Bei einem Konzert von Amnesty International in Brooklyn 2014 kündigte Popstar Madonna (am Foto links) zwei der Pussy-Riot-Mitglieder an. 2012 erhielten sie den Lennon-Ono-Friedenspreis. John Lennons Witwe Yoko Ono sagte: „Pussy Riot ist heute ein Symbol für Redefreiheit, und sie stehen für alle Frauen der Welt, die Freiheit suchen.“

Auch in die Serienwelt haben sie es geschafft: In der Serie „House of Cards“ treten sie in einer Folge dem russischen Präsidenten gegenüber. Auch aufs Nova Rock 2019 wurden sie eingeladen. Wie massentauglich ihr Protest ist, wird sich weisen.

Pussy Riot: Riot Days Performance am Mo., 21. Jänner 2019, 20 Uhr, Jazzit, www.jazzit.at

Von Petra Suchanek

Foto: Jazzit