Kapital sucht Immobilie

Der neue Reichtum tritt mit Anwalt auf. Wie Russen und Zypern-Firmen Salzburgs Wohnungspreise treiben.

Es ist ein scheues, internationales  Publikum, das hinter den Kulissen viel aufwendet, um sich in Salzburg niederlassen zu können. Womit häufig kein echter Wohnsitzwechsel gemeint ist, sondern der Sog des großen Geldes. Die Rede ist von reichen Privatpersonen und institutionellen Investoren, die rund um den Globus Immobilien kaufen und die Preise hochtreiben. Auch Salzburg gehört längst zur Liga des Betongolds.

EU-Bürger: Zahl unbekannt

„Die Leute wollen ihr Geld in einem sicherem Hafen anlegen und bei Bedarf  wieder abholen können.   Das sind alles größere  Investitionen“, weiß man in der Grundverkehrsbehörde des Landes.  EU-Bürger können jederzeit einen Hauptwohnsitz in Salzburg anmelden. Ihre Zahl kennt man beim Land nicht. Drittstaatsangehörige brauchen eine Genehmigung über das Salzburger Grundverkehrsgesetz. Der neue Geldadel tritt selbstbewusst und mit Anwalt auf.

„Dauernder Abwehrkampf“

„Wir führen einen dauernden Abwehrkampf“, sagt ein Grundverkehrsjurist.  Fälle aus der Praxis: Ein russischer Firmeninhaber wollte eine 60-Quadratmeter-Wohnung in der Mondsee-Wolfgangsee-Region erwerben, „weil er es dort sehr schön fand“. Genehmigt werde so etwas nicht. Einmal wurden in einem  Monat gleich drei Interessenten  vorstellig: Wohlhabende Personen aus dem  arabischen Raum, aus Südafrika und Israel wollten ein  Investment tätigen, erklärten die  Berater der Kapitalgeber. „Da kommen seriöse Personen, vom Rechtsanwalt, der die österreichischen   Gepflogenheiten kennt, bis hin zum jüdischstämmigen Belgier, der für die Israelis sprach“, schildert man im Referat. Woher das Geld stamme,  sei realistischerweise nicht nachvollziehbar.  Bis auf ein Buy-Let-Modell in Zell am See blieb es bei den Vorgesprächen.

Ein Hotelbett kaufen

Das „Buy-Let“-Investment ist ein im angelsächsischen Raum entwickeltes neues Finanzprodukt,  mit dem man Eigentum an einem Bett, Hotelzimmer oder  Apartment erwirbt, es zeitlich begrenzt selbst nutzen und jederzeit wieder verkaufen kann. Es entstand nicht zuletzt wegen des  Brexit – viele Briten wollen auch weiterhin eine Ferienwohnung in den Alpen haben.
Die Landesregierung möchte das Grundverkehrsgesetz  überarbeiten, die aufgesplitteten Zuständigkeiten in eine Behörde zusammenführen, erklärt Agrarabteilungsleiter Franz Moser.
„Wir prüfen sehr streng und restriktiv, das EU-Recht macht  Verschärfungen aber kaum möglich“, spielt Moser auf ein Stillhalteabkommen aus 1993 an, das gewisse Standards einfriere und letztlich der Globalisierung diene. Von 2015 bis 2017 wurden 532 Bewilligungen erteilt, überwiegend (458 Fälle) betraf das Immobilienerwerb durch ansässige Bosnier, Serben und Türken.

Verschachtelte Firmenkonstruktionen

Handverlesen sind die genehmigten Rechtsgeschäfte für Staatsbürger aus Russland, der Ukraine, Schweiz, Israel, China, Pakistan, Südafrika, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder österreichischen Rechtspersonen mit mehrheitlicher Ausländerbeteiligung.  Nur sehr schwer in den Griff zu bekommen seien Interessenten, die sich hinter EU-Rechtssubjekten versteckten. „Das sind verschachtelte Firmenkonstruktionen,  zyprische oder englische Limited-Gesellschaften, wo es sehr schwer ist, die beherrschenden Stellungen herauszufiltern.“ Die Mafia oder Oligarchen  nutzen Immobiliengeschäfte auch, um Geld zu waschen. Auf 30 Mrd. Euro schätzt „Transparency International“ die Summe, die jährlich in den deutschen  Markt fließe. Bei Transparency Austria hat man „dazu keine Daten, wir überlegen aber, eine Studie für Österreich zu machen“, sagt ein Sprecher zum SF.

2000 Euro für Grund in Gneis

Auf dem Salzburger Markt verbreitet sich indes das spezielle Ambiente der Superreichen. Im privaten Teil der neuen Wohnanlage Riedenburg hätten nur Deutsche und Russen gekauft, weiß der Salzburger Makler Michael Denkstein. Ein Russe habe dort einem direkt gegenüberliegenden  Nachbarn    „100.000 Euro bezahlt, nur damit der seine Terrasse nicht benutzt“.
Grundstücke kosteten im Norden der Stadt bereits 700 bis 1000 Euro je Quadratmeter, im Süden 800 bis 1200 Euro. Eine Gustolage in Gneis wurde unlängst um 2000 Euro von einem    Ex-Manager aus Salzburg erworben. Nahe Schloss Aigen verkaufe ein Wiener Unternehmer eine Baulücke (rund 1000 qm), die er erst vor einem Jahr um 1,65 Mill. Euro erworben hat. Der Grund werde nun um 1,85 Mill. Euro angeboten. Warum der Mann ihn abstoße? „Weil er einen schöneren Grund in Salzburg gefunden hat.“

Sonja Wenger